Beverinrudel Graubünden - Hirtin von 3 Wölfen überrascht – Kanton fordert Wolfsabschuss
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Beverinrudel GraubündenHirtin von 3 Wölfen überrascht – Kanton fordert Wolfsabschuss

Am Schamserberg in Graubünden erlebte eine Hirtin kürzlich zwei Begegnungen mit Wölfen. Nun möchte das Amt für Jagd und Fischerei das betroffene Beverinrudel durch Abschüsse regulieren. Ein entsprechender Antrag wurde beim Bundesamt für Umwelt eingereicht.

von
Pascal Eicher
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Ein junger Wolf des Beverinrudels.

Ein junger Wolf des Beverinrudels.

Amt für Jagd und Fischerei GR
Die Wölfe dieses Rudels sind in jüngster Vergangenheit vermehrt durch problematisches Verhalten aufgefallen.

Die Wölfe dieses Rudels sind in jüngster Vergangenheit vermehrt durch problematisches Verhalten aufgefallen.

Amt für Jagd und Fischerei GR
Eine Hirtin am Schamserberg hatte kürzlich zwei Begegnungen mit Wölfen des Rudels.

Eine Hirtin am Schamserberg hatte kürzlich zwei Begegnungen mit Wölfen des Rudels.

Amt für Jagd und Fischerei GR

Darum gehts

  • Auf einer Alp am Schamserberg in Graubünden kam es zu zwei Wolfsbegegnungen.

  • Die betroffene Hirtin bewältigte die Situationen souverän und wurde nicht verletzt.

  • Das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden hat einen Regulierungsantrag beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) eingereicht.

Für eine Hirtin auf einer Alp am Schamserberg kam es in letzter Zeit zweimal zu brenzligen Wolfsbegegnungen, wie das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden (AJF) in einer Mitteilung schreibt. Beim ersten Aufeinandertreffen war die Hirtin mit ihrem Hirtenhund zum Rekognoszieren einer Weidefläche unterwegs, als ein Wolf sie von hinten anknurrte. Die Hirtin handelte korrekt und machte laut auf sich aufmerksam, woraufhin der Wolf sich entfernte.

Hund angegriffen

Eine Woche später wurde die Hirtin im selben Alpgebiet von gleich drei Wölfen überrascht. Dabei wurde ihr Hirtenhund angegriffen. Die Wölfe entfernten sich wiederum erst, nachdem die Hirtin mit bestimmter Stimme auf sich aufmerksam gemacht hatte. Zudem beobachtete sie am gleichen Tag aus der Entfernung mindestens sechs Welpen und fünf ausgewachsene Wölfe. Es ist davon auszugehen, dass es sich um Wölfe des Beverinrudels handelt.

Vater und drei Jungtiere sollen geschossen werden

Die kantonale Wildhut Graubünden schätzt das Verhalten der Wölfe als sehr problematisch ein. Es liege ein Potenzial zur Gefährdung von Menschen gemäss Definition des Konzepts Wolf Schweiz vor. Zudem wäre eine Regulierung, also ein Abschuss, durch die Anzahl bereits gerissener Nutztiere im Kanton gerechtfertigt. Aus diesen Gründen hat das Amt für Jagd und Fischerei (AJF) Graubünden einen Antrag zur Regulierung des Beverinrudels beim BAFU eingereicht. Beantragt wird die Bewilligung zum Abschuss von drei Jungtieren sowie des Vatertieres, wie das Regionaljournal Ostschweiz am Mittwoch berichtet.

Aggression könnte Hund gegolten haben

David Gerke, Präsident der Gruppe Wolf Schweiz, hinterfragt die Regulierung in Folge der Nutztierrisse: «Es gab bereits letztes Jahr einen ähnlichen Antrag, der wegen mangelnden Herdenschutzes abgelehnt wurde. Ob der Herdenschutz diesmal ausreichend war, um den Antrag zu bewilligen, wird sich zeigen», sagt Gerke auf Anfrage von 20 Minuten. Ausserdem sei bei beiden Begegnungen ein Hirtenhund dabei gewesen. Daher sei es gut möglich, dass die Aggression der Wölfe dem Hirtenhund und nicht der Hirtin galt, sagt Gerke weiter. Bedenklich sei das Verhalten der Wölfe aber sowieso: «Das Wolfskonzept stuft Drohverhalten gegen Hunde als problematisch ein, wenn diese in menschlicher Begleitung sind. Daher dürfte die Regulierung wohl alleine deswegen rechtmässig sein», sagt Gerke.

Spätestens die Begegnungen mit Menschen waren für das Amt Anlass genug, einen Abschuss zu fordern. Gleichzeitig ist man der Ansicht, die gesetzlichen Vorschriften zum Herdenschutz und Wolfsmanagement hinkten der schnellen Wolfsentwicklung hinterher. Das AJF Graubünden ersucht den Bund deshalb zusätzlich, die Vorschriften zur Regulierung von Wolfsbeständen zu flexibilisieren.

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