Muslimische Proteste: Hisbollah-Chef zeigt sich öffentlich
Aktualisiert

Muslimische ProtesteHisbollah-Chef zeigt sich öffentlich

Der öffentlichkeitsscheue Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah hat in Beirut überraschenderweise persönlich an einer Demonstration gegen den Mohammed-Film teilgenommen.

Der Stand am Montagmorgen: Die Unruhen im Zusammenhang mit dem anti-islamischen Film «Innocence of Muslims» («Unschuld der Muslime») breitete sich am Wochenende auf mehr als 20 Länder in Nahost, Afrika und Südostasien aus. Die Proteste führten zu mehreren Todesopfern und mehreren hundert Verletzten.

Nach dem Angriff auf die US-Botschaft in Libyen, die zum Tod des US-Botschafters und zwei weiteren Menschen geführt hatte, wurden in den überwiegend muslimischen Ländern weitere westliche Botschaften angegriffen. Bei Gefechten vor der US-Botschaft in Tunis, Tunesien, sind drei Menschen ums Leben gekommen. Im Sudan wurde unter anderen die deutsche und britische Botschaft angegriffen. Auf dieser Karte finden Sie eine Übersicht über die Proteste in der islamischen Welt.

Im Libanon hat die radikalislamische Hisbollah zu weiteren Protesten gegen den islamfeindlichen Film aufgerufen, der in den vergangenen Tagen zu Angriffen auf westliche Einrichtungen in der muslimischen Welt führte. Der Führer der Miliz, Scheich Hassan Nasrallah, forderte seine Anhänger auf, nicht nur ihren Ärger gegen US-Botschaften zu richten, sondern ihre Regierungen zum Handeln aufzurufen. Die Proteste sollten am (heutigen) Montag beginnen und in den kommenden Tagen fortgesetzt werden.

Die Regierungen müssten darauf dringen, dass der Prophet Mohammed und der Koran auf der ganzen Welt respektiert würden, erklärte Nasrallah. Gleichzeitig machte er die USA für den Film verantwortlich. «Diejenigen, die zur Verantwortung gezogen und boykottiert werden sollten, sind diejenigen, die die Produzenten unterstützen und beschützen, nämlich die US-Regierung», sagte Nasrallah am Sonntag in einer im Fernsehen übertragenen Rede.

Nasrallah kündigte an, die Hisbollah werde die ganze Woche über Demonstrationen im gesamten Libanon organisieren. Ausserdem forderte er eine internationale Vereinbarung, die Angriffe auf Religionen in Zukunft verbietet. Er erklärte, er habe sich mit Äusserungen zu dem Film zurückgehalten, bis Papst Benedikt XVI. seinen dreitägigen Besuch im Libanon am Sonntag beendet habe.

Al Kaida verlangt Botschaftsstürmungen

Auch die Mullahs im Iran forderten Muslime auf, weiter gegen den in den USA produzierten Film zu protestieren, der den Propheten Mohammed lächerlich macht. Ahmad Chatami, ein Verbündeter des geistlichen Führers des Landes, Ayatollah Ali Chamenei, erklärte bei einer Versammlung in der Stadt Kom, dass die Proteste weitergehen sollten, um den USA und dem Iran zu zeigen, dass sie es nicht mit dem Islam aufnehmen könnten.

Das Terrornetzwerk Al Kaida und die radikalislamischen Taliban wollten die Empörung über den von vielen Muslimen als blasphemisch empfundenen Mohammed-Film für sich nutzen. Al Kaidas Unterorganisation auf der arabischen Halbinsel rief zu neuen Botschaftsstürmungen auf und wandte sich ausdrücklich auch an «unsere muslimischen Brüder im Westen», die ihren «Pflichten zur Unterstützung des Propheten» nachkommen sollten.

Bald könnte auch die Schweiz von der Welle erfasst werden: Der Islamische Zentralrat plant eine Kundgebung vor der US-Botschaft in Bern.

Google will Video nicht entfernen

Die Unruhen breiteten sich am Wochenende auf mehr als 20 überwiegend muslimische Länder in Nahost, Afrika und Südostasien aus. Zwar blieben die Demonstrationen in den meisten Ländern friedlich, doch mancherorts eskalierte die Gewalt. Die höchste religiöse Autorität in Saudi-Arabien, Grossmufti Scheich Abdel Asis al Scheich, mahnte die muslimischen Gläubigen unterdessen zur Besonnenheit. «Muslime sollten sich nicht von Zorn und Wut von legitimer zu verbotener Aktion hinreissen lassen und so unwissentlich einige Ziele des Films erfüllen», erklärte der Grossmufti.

Google lehnte eine Bitte des Weissen Hauses ab, den islamfeindlichen Film von der Internetplattform YouTube zu entfernen. Der Zugang werde lediglich in einzelnen Ländern gesperrt, hiess es. Der mutmassliche Urheber des islamfeindlichen Films wurde am Samstag von Beamten der US-Behörde für Bewährungsstrafen vernommen.

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