Aktualisiert 01.08.2006 17:34

Hisbollah: «Kana-Massaker ist Geschenk von Rice»

Condoleezza Rice blickt grimmig von dem zehn Meter hohen Plakat in Beirut. Hisbollah-Aktivisten haben das Poster mit dem Konterfei der US-Aussenministerin aufgehängt.

«Das Massaker von Kana ist ein Geschenk von Rice», steht dort auf Arabisch.

Das Bild symbolisiert, wie schwer die Bomben auf Kana auch die US-Aussenpolitik zu beschädigen drohen. Denn die Tragödie von Kana ereignete sich ausgerechnet, als Rice in Jerusalem war. Den USA droht ein grosser Image-Verlust in der Region.

Rice handelte umgehend: Auf ihren Druck gewährte Israel eine 48- stündige Feuerpause aus der Luft, die allerdings nur teilweise eingehalten wurde. Nach Kana scheint der wochenlang bedingungslose Rückhalt aus Washington zu schwinden.

«Kana liegt wie eine schwarze Wolke über Israel», sagte der Politologe Akiva Eldar. «Jetzt können die USA kaum mehr rückhaltlos Israel unterstützen.»

Das weiss Rice auch. Kurz vor ihrer Rückreise in die USA sagte sie noch: Es gebe Übereinstimmung, dass sowohl ein «rascher Waffenstillstand» als auch eine «dauerhafte Regelung» notwendig seien. «Ich bin überzeugt, dass wir in dieser Woche zu beidem gelangen können.»

Sie gab damit einen Zeitplan vor und drückt aufs Tempo. Rice möchte einen Drei-Stufen-Plan für einen Frieden umsetzen: Waffenstillstand, politische Eckpunkte für ein Ende des Konflikts und Stationierung einer Friedenstruppe zur Entwaffung der Hisbollah.

Zugeständnis an die USA

Israel machte kurz darauf öffentlich, dass die Feuerpause allein als Zugeständnis an die USA gedacht war. «Wir trafen diesen Entscheid, um den Interessen der USA Rechnung zu tragen, die sich wegen ihrer Hilfe für Israel in einer schwierigen Lage befinden», sagte Einwanderungsminister Seev Boim.

Verteidigungsminister Amir Perez sagte, dass Israel einen sofortigen Waffenstillstand nicht akzeptieren und die Offensive gegen die Hisbollah stattdessen ausweiten wird. Und die Luftwaffe nutzte die «Hintertür» der Feuerpause: Stellungen, von denen die Hisbollah auf Israel schiesst, greift die Luftwaffe weiter an.

Kana als Wendepunkt

Viele Beobachter sehen das Bombardement von Kana dennoch als Wendepunkt. Noch bei der ergebnislosen Konferenz von Rom hatte sich Rice äusserst passiv verhalten. Kritiker warfen den USA vor, Israel Zeit lassen zu wollen, um die Hisbollah entscheidend zu schwächen.

Nun scheint die Zeit gegen die USA zu laufen. Viele Beobachter urteilen, dass die Bilder der dutzenden getöteten Kinder den radikalen Islamisten noch mehr Sympathien in der arabischen Welt verschaffen werden.

Auch in Israel wird das zunehmend wahrgenommen: «Für die öffentliche Meinung sind nur die Bilder der Zestörung entscheidend, nicht die Gründe dafür», sagt ein israelischer Offizier mit Blick auf die vielen toten Zivilisten von Kana.

So könnten die Bomben vom Sonntag eine schleichende Kehrtwende in Gang gebracht haben. In New York wird bei der UNO diese Woche intensiv über die Strategie für einen Frieden in Nahost gesprochen werden.

(sda)

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