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Güterschuppen WollishofenHistorisches Punk-Lokal soll Wohnungen weichen

Die SBB planen auf der Brache beim Bahnhof Wollishofen eine Überbauung. Der denkmalgeschützte Güterschuppen soll abgebaut werden – die Betreiber sind enttäuscht.

von
ced
Im Güterschuppen Wollishofen treten vorwiegend Bands aus der Punk-, Hardcore- und Ska-Szene auf.

Im Güterschuppen Wollishofen treten vorwiegend Bands aus der Punk-, Hardcore- und Ska-Szene auf.

Kein Anbieter/Facebook

Der Güterschuppen beim Bahnhof Wollishofen wird seit 1999 vom Verein Güterschuppen betrieben und dient als Töff-Club, Konzert- und Vereinslokal. Jedoch nicht mehr lange: «Bald verschwindet ein weiterer Ort der Freiheit, zugunsten der Yuppisierung der Stadt Zürich», liess der Verein am Dienstag auf Facebook verlauten.

Die Betreiber sprechen eine geplante Überbauung der SBB an. Diese wollen laut der Quartierzeitung Zürich 2 auf der Brache beim Bahnhof einen Bürokomplex mit Wohnungen errichten. «Wir befinden uns in einer sehr frühen Phase. Derzeit ist noch vieles offen», sagt SBB-Sprecher Reto Schärli zur Quartierzeitung. Klar ist jedoch: Sobald gebaut wird, muss der Güterschuppen weg. Auf Facebook häufen sich deshalb bereits negative Kommentare: «Das darf doch nicht wahr sein» oder «Einfach nur traurig» sind Beispiele.

Parallelen zum Abart

Auch Vereinspräsident Marc Baier ist enttäuscht. Er ist schon seit Beginn dabei und hat geholfen, den Güterschuppen zu einem Konzertlokal auszubauen. Rund 600 Bands – vorwiegend aus der Punk-, Hardcore- und Ska-Szene – hat er bereits zum Bahnhof Wollishofen geholt. Auch Underground-DJs präsentieren im Güterschuppen ihre Sets. «Hier kommen die Leute hin, um Musik zu hören, die es sonst in Zürich nirgends gibt», sagt Baier zu 20 Minuten. «Für viele kleine Bands ist das Lokal wichtig.» Er ist sich sicher: Verschwindet der Güterschuppen, wird es in Zürich nie mehr etwas Derartiges geben. Baier: «Ich sehe einige Parallelen zum Abart-Club, der Luxuswohnungen weichen musste. Wir werden verdrängt.»

Ein Funken Hoffnung besteht jedoch noch: Der Güterschuppen steht unter Denkmalschutz. Laut Zürich 2 soll das ehemalige Bahnhäuschen nach dem Abbruch am Ende des Areals wieder aufgebaut werden. Baier hält das für ein «Märchen» – das käme viel zu teuer. «Wir sind es jedoch gewohnt, von den SBB vertröstet zu werden», so der Vereinspräsident. Dass er mit seinem Töff-Club in Zürich jemals wieder ein geeignetes Lokal finde, sei zu bezweifeln.

Wann die SBB mit dem Bau beginnen, ist noch unklar. Vor dem Sommer 2017 wird es aber wohl nicht mehr dazu kommen: Dann werden erst einmal die rund ein Jahr dauernden Arbeiten für eine neue Personenunterführung gestartet.

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