Aktualisiert 07.10.2015 15:58

Führer-Darsteller Masucci

«Hitler ist wie ein Popstar»

Oliver Masucci mischte sich für «Er ist wieder da» als Adolf Hitler verkleidet unter das deutsche Volk. Dabei wurde ihm angst und bange.

von
Catharina Steiner

Warum soll man über Hitler lachen?

Muss man ja nicht. Unser Ansatz war es, uns unters Volk zu mischen. Hitler diente in diesem Fall als das Medium, das etwas offenbarte: nämlich einen Rechtsruck der bürgerlichen Mitte, die sich traut, neben Hitler und vor zwei Kameras gegen Ausländer zu wettern. Bei den Dreharbeiten merkten wir, dass was im Busch ist. Und kurz danach entstand tatsächlich die Pegida-Bewegung.

Tut man Deutschland nicht auch unrecht? Einiges im Doku-Teil des Films ist schliesslich inszeniert.

Wer sich wirklich Mühe gibt, kann sehen, was echt ist und was nicht. Wenn Leute so krasse Sachen in die Kameras sagen, dann ist das nicht gestellt. Das waren keine Schauspieler.

Hatten Sie keine Angst, die Leute blosszustellen?

Nein. Es liefen die ganze Zeit zwei Kameras. Und da steht ein Typ, der aussieht wie Adolf Hitler. Wer sich in so einer Situation bemüssigt fühlt, rechtsradikale Parolen zu schwingen oder zu erzählen, dass Afrikaner herkommen und den Intelligenzquotienten senken, dem ist schon bewusst, was er da tut.

Hat sich Ihr Bild von Deutschland seit dieser Erfahrung geändert?

Ja. Ich hätte diesen Rechtsruck so nicht für möglich gehalten. Den Rassengedanken von Hitler habe ich auch schon von gutsituierten Leuten und Künstlern hinter vorgehaltener Hand gehört, das war nicht wirklich überraschend. Das Irre aber war, dass sich die Leute jetzt trauen, das ganz öffentlich vor der Kamera zu sagen. Das ist für mich alarmierend.

Es gab auch Passanten, die sich über die Hitler-Präsenz aufregten. War das die Ausnahme?

Es waren tatsächlich wenige, die Widerstand geleistet haben und sich getraut haben, sich zu beschweren. Der Reflex bei den meisten ist, es einfach wegzulachen. Hitler ist immer noch eine starke Figur.

Hatten Sie keine Angst, als der Führer auf die Strasse zu gehen?

Doch natürlich. Das ist keine Situation, in der man sich als Schauspieler wohlfühlt. Jeder reagiert auf Hitler. Er ist wie ein Popstar, das war früher so und ist erschreckenderweise noch immer der Fall.

War das Improvisieren das eigentlich Reizvolle an der Rolle?

Davor hatte ich zwar die meiste Angst, aber man kann dabei auch so viel über sich selbst erfahren. Hätte man den Roman eins zu eins verfilmt, hätte ich wohl nicht mitgemacht.

Was ist Ihr Fazit?

Dass unsere Demokratie ein fragiles Gut ist, das man beschützen muss.

So reagierten Leute auf der Strasse auf den neuen Hitler:

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