DEB schmeisst NHL-Goalie Thomas Greiss raus
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«Keine Einladung mehr erhalten»Hitler-Likes, Trump-Fan – Deutschland schmeisst NHL-Star Greiss raus

Thomas Greiss sorgt immer wieder für Irritationen. Aus diesem Grund wird der NHL-Goalie nun nicht mehr für die deutsche Nationalmannschaft spielen. Seine Fans verstehen das nicht.

von
Nils Hänggi
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Thomas Greiss, der NHL-Goalie im Dienste der Detroit Red Wings, wird nicht mehr für die deutsche Nationalmannschaft spielen. 

Thomas Greiss, der NHL-Goalie im Dienste der Detroit Red Wings, wird nicht mehr für die deutsche Nationalmannschaft spielen.

USA TODAY Sports
«Solange die aktuelle sportliche Führung verantwortlich ist, wird Thomas Greiss keine Einladung mehr erhalten», sagte der DEB-Sportdirektor Christian Künast gegenüber «Eishockey News».

«Solange die aktuelle sportliche Führung verantwortlich ist, wird Thomas Greiss keine Einladung mehr erhalten», sagte der DEB-Sportdirektor Christian Künast gegenüber «Eishockey News».

AFP
Der Grund: Umstrittene Aussagen von ihm, fragwürdige Posts und Likes auf Instagram. Umstritten und fragwürdig deshalb, weil allesamt einen schalen Beigeschmack hinterlassen.

Der Grund: Umstrittene Aussagen von ihm, fragwürdige Posts und Likes auf Instagram. Umstritten und fragwürdig deshalb, weil allesamt einen schalen Beigeschmack hinterlassen.

AFP

Darum gehts

  • Deutschland verzichtet freiwillig auf NHL-Goalie Thomas Greiss.

  • Grund dafür sind umstrittene Aussagen und fragwürdige Likes.

  • Der Deutsche hatte sich als bekennender Trump-Fan bezeichnet, einen Vergleich von Hillary Clinton, der damaligen Gegenkandidatin von Donald Trump im Präsidentschaftswahlkampf, mit Adolf Hitler gelikt.

  • Greiss selbst äusserte sich noch nicht zu seiner Ausbootung.

Bald steht die Eishockey-WM in Lettland an. Die Schweizer Nati bereitet sich bereits vor, am Dienstagabend hätte das Testspiel gegen Italien stattgefunden. Erstmal noch ohne die Stars aus der NHL, da in dieser noch die Qualifikation läuft. Und die Schweizer NHL-Cracks werden ohnehin nur zur Nati stossen können, wenn ihr jeweiliges Team das Playoff verpasst.

Währenddessen die Schweiz also hofft, dass Stars wie Nico Hischier, Roman Josi oder Pius Suter nach Lettland kommen und die Nati zu einer WM-Medaille schiessen, geht Deutschland andere Wege. So verzichtet die deutsche Nationalmannschaft freiwillig auf NHL-Goalie Thomas Greiss. Der 35-Jährige im Dienste der Detroit Red Wings war noch am Montag zum NHL-Spieler der Woche ausgezeichnet worden. Nun kann er die Ferien planen, steht Detroit doch derzeit auf dem siebten Platz der Central Division. Mit 15 Punkten Rückstand auf die Nashville Pedrators ohne Chance aufs Playoff.

Trump-Fan und ein Hitler-Like

Der Grund für die Ausbootung? Umstrittene Aussagen von ihm, fragwürdige Posts und Likes auf Instagram. Umstritten und fragwürdig deshalb, weil allesamt einen schalen Beigeschmack hinterlassen. So hatte der 35-Jährige zuletzt zum Tode von Rush Limbaugh kondoliert. Der rechte US-Radiotalker war bekannt für seine rassistischen Hassreden und Faktenverdrehungen. Bereits zuvor – im Jahr 2017 – hatte Greiss irritiert. Der Deutsche hatte sich als bekennender Trump-Fan bezeichnet, einen Vergleich von Hillary Clinton, der damaligen Gegenkandidatin von Donald Trump im Präsidentschaftswahlkampf, mit Adolf Hitler gelikt.

Und das waren nicht die einzigen Sachen. Als Greiss für die Phoenix Coyotes spielte, hatte er noch einen Helm, der für einen Aufschrei sorgte. Zu sehen auf diesem: sein Name. Die letzten beiden Buchstaben dabei in Runenschrift. Twitter- und Reddit-User verwiesen schnell auf die Ähnlichkeit mit dem Symbol des Sicherheitsdiensts des Reichsführers, der SS.

Dieser Helm sorgte für Aufsehen. 

Dieser Helm sorgte für Aufsehen.

Twitter

«Ich fühle mit dir. Was für ein Witz!»

Von all diesen Sachen hatte der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) nun genug. Greiss wird nicht mehr für die Nationalmannschaft spielen. «Solange die aktuelle sportliche Führung verantwortlich ist, wird Thomas Greiss keine Einladung mehr erhalten», sagte der DEB-Sportdirektor Christian Künast gegenüber «Eishockey News». Und: «Wir können uns über seine Einstellung zu den DEB-Werten nicht hundert Prozent sicher sein.»

Greiss selbst äusserte sich noch nicht zu seiner Ausbootung. Wobei auch die Frage erlaubt sein muss, ob sie ihn überraschte. Zuletzt war er nämlich bei der Weltmeisterschaft 2017 für den DEB aktiv. Damals belegte Deutschland den achten Rang. Insgesamt bestritt er für die Nationalmannschaft 30 Einsätze. Wer sich äusserte, waren seine Fans. Auf Instagram schrieb beispielsweise ein User: «Lassen Sie nicht zu, dass das mit Ihnen gemacht wird! Sie haben die Freiheit der Wahl und der Rede!» Ein anderer kommentierte: «Ich fühle mit dir. Was für ein Witz!» Wieder andere waren wortkarger und schrieben nur den Hashtag: «#FreeGreiss».

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Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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