Männerhintern und Kerzenständer: Hitlers Akte unterm Hammer
Aktualisiert

Männerhintern und KerzenständerHitlers Akte unterm Hammer

Bisher unbekannte Zeichnungen von Adolf Hitler werden im April versteigert. Mit ihnen hatte sich der spätere Führer erfolglos an der Wiener Kunstakademie beworben.

von
dhr

Im Herbst 1909 unternahm der damals 20-jährige Adolf Hitler zum letzten Mal einen Versuch, sich für eine Berufsausbildung zu qualifizieren. Wie schon zwei Jahre zuvor legte er der Allgemeinen Malerschule der Wiener Kunstakademie eine Arbeitsmappe mit seinen Zeichnungen vor.

Die meisten der im April von dem britischen Auktionshaus Mullocks in Ludlow zum Mindestgebot von 6700 Euro (ca. 9500 Franken) pro Stück zur Versteigerung angebotenen Zeichnungen des späteren Führers stammen aus dieser Mappe.

Einwandfreie Nichteignung

Doch im Gegensatz zum September 1907 reichte es diesmal nicht mehr für eine Zulassung zum Probezeichnen — die akademische Laufbahn des Künstlers Hitler war beendet, bevor sie begonnen hatte. Die Professoren bescheinigten ihm «einwandfrei die Nichteignung zum Maler».

Die Zurückweisung traf den egozentrischen jungen Mann, der zuvor schon an der Realschule in Linz schmählich gescheitert war, schwer. Zeitlebens sollte sich Hitler danach als verkannten Künstler sehen. Besondere Brisanz dürfte die Zurückweisung aber vor allem deshalb entwickelt haben, weil Hitler — wie er zumindest später selber behauptete — von einem jüdischen Professor abgewiesen wurde. Manche Historiker sehen darin einen der Gründe für den vernichtenden Antisemitismus des späteren Diktators.

Postkartenmaler im Männerheim

Mit dem Scheitern seiner akademischen Karriere begann der soziale Niedergang Hitlers, dem zuvor eine Rente und die Unterstützung seiner Mutter († 1907) ein bequemes Auskommen gesichert hatten. Nun begann ihm das Geld auszugehen, und er schlug sich als Postkartenmaler mehr schlecht als recht durch. Bis 1913 lebte er in zusehends prekäreren Verhältnissen in Wien, wo er zeitweise in einem Männerwohnheim logierte.

Als ihm im Mai 1913 das Erbe des Vaters ausbezahlt wurde, zog er nach München um, wo ihn im Jahr darauf der Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg von seinem als unbefriedigend empfundenen Alltagsdasein erlöste. Der Rest ist Geschichte.

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