Australien: Hitze brutzelt Fledermäusen Hirn weg
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AustralienHitze brutzelt Fledermäusen Hirn weg

In Australien ächzen Mensch wie Tier unter einer Rekordhitze, die den Asphalt schmelzen lässt. Für junge Fledermäuse und Flughunde ist die Hitze tödlich.

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gux
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Freiwillige Helfer beschreiben «herzzerreissende Szenen» von Hunderten sterbender Fledermaus-Babys am Boden der Stadt Campbelltown in New South Wales.

Freiwillige Helfer beschreiben «herzzerreissende Szenen» von Hunderten sterbender Fledermaus-Babys am Boden der Stadt Campbelltown in New South Wales.

AFP/-
«So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen», sagen sie.

«So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen», sagen sie.

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Eine junge Fledermaus erlitt in Sydney einen Hitzeschlag, konnte aber rechtzeitig gerettet werden.

Eine junge Fledermaus erlitt in Sydney einen Hitzeschlag, konnte aber rechtzeitig gerettet werden.

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Die USA ächzten unter schweren Winterstürmen, selbst in Florida war es so kalt, dass Haie einen tödlichen Kälteschock erlitten und Leguane erstarrt von den Bäumen fielen.

Auch in Australien fallen Tiere vom Himmel – wegen der herrschenden Rekordhitze. Ihr fallen Tausende von Wildtieren zum Opfer, etwa Fledermäuse und Flughunde. «Sie vertragen Hitze ganz schlecht», sagt Cate Ryan, die als Freiwillige mit der Tierrettung unterwegs ist. «Ihr Gehirn verbrutzelt regelrecht, sie werden ganz wirr.» Gerade die Jungtiere fielen wegen Überhitzung massenhaft von den Bäumen und verendeten dehydriert. Älteren Tiere gelinge es noch eher, im Schatten von Schluchten Zuflucht zu suchen.

«Herzzerreissende Szenen»

Laut «Geo» können schon Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke schädlich für junge Fledermäuse und Flughunde sein. 40 Grad und mehr sind auch für erwachsene Tiere potenziell lebensbedrohlich. In der australischen Metropole Sydney herrschten etwa am Sonntag Temperaturen von 47,3 Grad. So heiss war es seit fast 80 Jahren nicht mehr.

Freiwillige Helfer beschreiben «herzzerreissende Szenen» von Hunderten sterbenden Fledermaus-Babys am Boden der Stadt Campbelltown im Osten des australischen Bundesstaates New South Wales. «So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen», sagen sie.

Die Organisation «Help Save the Wildlife and Bushlands» sammelte um die 200 verendete Flughunde ein, die meisten von ihnen Jungtiere. Sie rechnet mit weiteren Tausenden toter Fledertiere, da viele von ihnen für die Freiwilligen unerreichbar von den Bäumen hingen.

Schmelzender Asphalt und verbrannte Pfoten

Die Hitze belastet Menschen und Tiere gleichermassen: Der Strassenbelag schmilzt regelrecht dahin, Possums verbrennen sich die Pfoten auf Strassen und Dächern, Koalas werden mit Wasser besprayt, um sie vor dem Austrocknen zu schützen. Wegen der extremen Bedingungen sei der für Hitzewellen vorgesehene Aktionsplan in Kraft gesetzt worden, sagte die stellvertretende Polizeichefin des Staates New South Wales, Catherine Burn.

Passend zur Rekordhitze präsentierte die australische Wetterbehörde (BOM) ihren jährlichen Klimabericht: Demnach war 2017 in Australien das drittheisseste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Nur 2013 und 2005 hätten die Durchschnittstemperaturen noch höher gelegen, teilte das BOM mit. Meistens treibe das Wetterphänomen El Niño die Temperaturen in die Höhe – doch dieses sei im vergangenen Jahr ausgeblieben.

Experten machen Klimawandel verantwortlich

Rekordverdächtig war das vergangene Jahr auch mit Blick auf den gesamten Planeten: 2017 sei eines der drei wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen, heisst es in dem Bericht. Unter allen Jahren, in denen El Niño ausblieb, sei es sogar das heisseste gewesen. Das Wetterphänomen El Niño tritt auf, wenn die Passatwinde über dem tropischen Pazifik nachlassen und die Temperaturen an der Meeresoberfläche ansteigen.

Verantwortlich für den Temperaturanstieg ist Experten zufolge der Klimawandel. Die Folge seien unter anderem ein Anstieg extrem heisser Tage und heftiger Waldbrände. (gux/sda)

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