15.07.2020 14:18

Vorsicht beim Bad im Meer

Hitze lässt gefährliche Vibrionen gedeihen

Weil die Meere sich aufheizen, vermehren sich gefährliche Vibrionen. Die Erreger können schwere Durchfälle und Wundinfektionen auslösen, aber auch zum Tod führen.

von
Fee Anabelle Riebeling

Darum gehts

  • Wegen anhaltender Hitzeperioden hat es in den Meeren mehr gefährliche Bakterien.
  • In den vergangenen Jahren gab es bereits Todesfälle – auch in Nord- und Ostsee.
  • Je nachdem, wie sie in den Körper gelangen, können sie schwere Infektionen auslösen.
  • Vibrionen werden auch als «fleischfressende Bakterien» bezeichnet.

Das Aufheizen der Meere kann für Menschen schneller als gedacht ein Problem werden. Denn «durch den Klimawandel wird aufgrund steigender Wassertemperaturen weltweit eine Zunahme von Vibrionen erwartet», warnen die Experten vom deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung BfR.

Dabei handelt es sich um Bakterien, die je nach Einfallsort am menschlichen Körper Durchfälle oder Wundinfektionen auslösen können:

Kontaminierte Lebensmittel oder verseuchtes Wasser

Zu einer Infektion mit Vibrionen kann es einerseits durch den Verzehr kontaminierter Meeresfrüchte – vor allem von Austern, rohem Fisch und nicht ausreichend erhitzten Produkten – und das Schlucken von kontaminiertem Wasser kommen.

Neben einer solchen lebensmittelbedingten Vibrio-Infektion, die vor allem Durchfälle hervorruft, kann es durch den Kontakt mit vibrionenhaltigem Wasser zu Ohr- und Wundinfektionen kommen. Verantwortlich dafür ist meist der Keim Vibrio vulnificus, der mitunter lebensgefährliche Blutvergiftungen (Sepsis) hervorrufen kann. Die Bakterien dringen durch offene Wunden ein und gelangen so ins Blut.

Infektionen, Amputationen, Tod

Wird nicht schnell genug gegengesteuert (siehe Box), endet der Kontakt mit Vibrionen mitunter mit Amputationen oder sogar tödlich, wie das Robert-Koch-Institut mitteilt. Nicht umsonst werden die Erreger als fleischfressende Bakterien bezeichnet.

Wie schnell eine Vibrionen-Infektion voranschreiten kann, zeigen Fälle aus den letzten Jahren (siehe Bildstrecke). Problematisch ist, dass die Betroffenen oft nicht merken, wenn sich die Keime am Körper zu schaffen machen. Als erste Symptome gelten lokaler Schmerz, Fieber und Schüttelfrost. Manche Betroffene erzählen aber auch, dass sie lediglich einen kleinen Fleck am Körper entdeckten, diesen aber auf einen Spinnenbiss zurückführten.

Menschen mit einem schwachen Immunsystem, Krebserkrankte oder solche mit Leber- oder Nierenschwäche sind besonders gefährdet.

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Das Schwimmen in der Ostsee kann mitunter gefährlich werden.

Das Schwimmen in der Ostsee kann mitunter gefährlich werden.

KEYSTONE
Im vergangenen Jahr waren im August bereits zwei Personen nach einem Bad in der Ostsee verstorben.

Im vergangenen Jahr waren im August bereits zwei Personen nach einem Bad in der Ostsee verstorben.

KEYSTONE
Sie hatten sich mit Vibrionen-Bakterien infiziert.

Sie hatten sich mit Vibrionen-Bakterien infiziert.

KEYSTONE

Schnelles Handeln wichtig

Besteht der Verdacht auf eine Vibrionen-Infektion, sollte man keine Zeit verlieren und sich sofort zum Arzt oder ins Spital begeben. Denn Hausmittelchen helfen nicht, und die Infektion schreitet rasch voran. Um schlimme Verläufe zu verhindern, müssengerade bei Risikopatienten – Antibiotika gegeben werden, wie das Robert-Koch-Institut betont. Es empfiehlt ausserdem, einen Wundabstrich zu machen, um den genauen Erreger identifizieren zu können. Bei «dringendem Verdacht» sollte die Therapie jedoch «unverzüglich erfolgen».

Gefahr steigt weltweit

Die stäbchenförmigen Erreger fühlen sich bei Wassertemperaturen ab 20 Grad pudelwohl und vermehren sich dann rasant, so das BfR. Die Keime kommen weltweit vor allem in Meeren und Flussmündungen vor. Auch in Brackwasser und Lagunen sind sie anzutreffen. «Gewässer mit Süsswasser sind in der Regel nicht betroffen.»

Wie stark die Gefahr durch Vibrionen zugenommen hat, zeigt unter anderem eine im Januar im Fachjournal «Advances in Atmospheric Science» veröffentlichte Auswertung von Forschern um den Ozeanografen und Atmosphärenphysiker Cheng Lijing. Demnach sind die vergangenen fünf Jahre die fünf wärmsten Jahre, die je gemessen wurden. Auch in Nord- und Ostsee sind die Temperaturen zuletzt deutlich gestiegen. Das gab kürzlich das deutsche Bundesverkehrsministerium auf Nachfrage einer Grünen-Politikerin bekannt.

Auf ein erfrischendes Bad muss jedoch niemand verzichten: Das Wasser an den Badeorten wird regelmässig kontrolliert, und die Behörden warnen bei bestehender Gefahr. Wie man die Gefahr einer Vibrionen-Infektion weiter senken kann, zeigt das obige Video.

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36 Kommentare
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Connie

16.07.2020, 07:28

Verzichtet doch dieses Jahr einfach auf eure Ferien im Ausland! Das ist doch halb so schlimm, denkt bitte an die Gesundheit! DANKE

Fakt

16.07.2020, 06:54

80% der Städte die am Meer sind lassen ihre Abwasser ungeklärt ins Gewässer.

Bademeister

15.07.2020, 18:04

Nur im Winter baden gehen...;-)