Brandkatastrophe: Hitze und Smog töten Hunderte in Moskau
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BrandkatastropheHitze und Smog töten Hunderte in Moskau

Wegen der Rekordhitze in Russland und des giftigen Smogs sterben derzeit doppelt so viele Moskauer wie sonst. Derweil bedrohen die Flammen die Atomanlagen von Majak und Sneschinsk im Ural.

Täglich stürben bis zu 700 Menschen, sagte der Chef der Moskauer Gesundheitsbehörde, Andrej Selzowski, am Montag der Agentur Interfax. Normalerweise liege die Zahl bei 360 bis 380 Toten pro Tag. In den Leichenhallen der Stadt waren 1300 Tote aufgebahrt, wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf die Gesundheitsbehörden der Stadt berichtete. Die Kapazität der Leichenhallen liegt bei 1500 Toten.

Die Konzentration von giftigem Kohlenmonoxid in der Luft überschreitet den zulässigen Grenzwert in Moskau derzeit um mehr als das Sechsfache. Nach Angaben von Meteorologen ist vor Mittwoch nicht mit einer Verbesserung zu rechnen. In Moskau herrscht zudem seit Wochen eine Hitzewelle mit Temperaturen von knapp 40 Grad.

Atomanlagen gefährdet

In der Gegend um die bekannte atomare Wiederaufbereitungsanlage Majak in der Nähe von Tscheljabinsk sei am Freitag der Ausnahmezustand verhängt worden. Dies gelte für die Wälder und Parkanlagen der Region, teilten die Behörden am Montag mit. Für diesen Dienstag sei eine Krisensitzung angesetzt.

Majak, wo atomare Abfälle gelagert und wiederaufbereitet werden, liegen im Bezirk Tscheljabinsk, rund 2000 Kilometer östlich von Moskau.

Erinnerung an Katastrophe vor 25 Jahren

Die Anlage war 1957 Schauplatz der grössten Atomkatastrophe vor Tschernobyl (Ukraine) im Jahr 1986. Damals starben nach offiziellen Angaben 200 Menschen. Die radioaktive Strahlung verseuchte ein Gebiet von etwa 100 Quadratkilometern.

Am Sonntag hatte Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu bereits die verstärkte Brandbekämpfung in der Nähe des Atomforschungszentrums Sneschinsk ebenfalls im Ural angeordnet.

In der vergangenen Woche hatten die Brände das wichtigste Atomwaffen-Forschungszentrum bei Sarow, etwa 500 Kilometer östlich der Hauptstadt Moskau, bedroht.

Sarow, das in der Region von Nischni Nowgorod liegt, werde in vier gefährdeten Bereichen weiter beobachtet, «wo weiter Brandgefahr besteht», teilte am Montag der Sprecher der staatlichen Atombehörde Rosatom, Sergej Nowikow, mit.

Landesweit loderten noch immer mehr als 500 Wald- und Torffeuer. Im europäischen Teil des Landes ist die Lage am schwierigsten. Betroffen sind nach Einschätzung des Zivilschutzministeriums vor allem das Gebiet um Nischni-Nowgorod rund 400 Kilometer östlich von Moskau sowie die Umgebung der Hauptstadt selbst.

Unterdessen traf immer mehr internationale Hilfe in Russland ein. Deutschland versprach 100 000 Atemschutzmasken sowie Gerät zur Brandbekämpfung. Die französische Regierung schickte ein Löschflugzeug sowie 120 Feuerwehrleute und kündigte die Lieferung von 30 000 Atemschutzmasken an. Nahe Moskau kämpften 100 bulgarische Spezialisten gemeinsam mit russischen Einsatzkräften gegen die Flammen. Auch Italien und Polen schickten Hilfe. (sda/dapd)

Notstand bei Atomanlage im Ural

Angesichts einer herannahenden Feuersbrunst haben die russischen Behörden am Montag in der Umgebung einer atomaren Wiederaufbereitungsanlage im Ural den Notstand verhängt. Dies teilten die örtlichen Behörden auf ihrer Internetseite mit. Es handelt sich um die Anlage von Majak, wo atomare Abfälle gelagert und wiederaufbereitet werden. (sda)

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