Aktualisiert 27.10.2009 10:04

Sommer der ZukunftHitzesommer 2003 war nur der Vorgeschmack

Drei Monate Sonnenschein und kein Tropfen Regen: So sieht der Sommer der Zukunft aus. Was Jubel bei Sonnenanbetern auslöst, ist für die Landwirtschaft eine Horroraussicht.

von
amc

Es war eine der schlimmsten Naturkatastrophen in der jüngeren Geschichte Europas: die Hitzewelle im August 2003. Rund 70 000 Menschen fielen der sengenden Hitze zum Opfer. Neben menschlichen Opfern sorgte das Hoch Michaela für einen volkswirtschaftlichen Schaden von geschätzten 13 Milliarden Franken. Was als Rekordsommer in die Annalen einging, soll nur ein Vorgeschmack für die Zukunft gewesen sein – sagt zumindest ein Bericht der Forschungsanstalt Agroscope.

«In Zukunft wird die Schweiz im Sommer sogar noch trockener werden», heisst es im Bericht. Klimaszenarien zeigten, dass bis zum Jahr 2050 «die Niederschläge im Sommer bis zu 20 Prozent abnehmen werden». Doch wer sich über Sommer, Sonne, Sonnenschein freut, freut sich zu früh: Die «wachsende Trockenheit» bringt negative Auswirkungen – vor allem für den Ackerbau.

Mit Ernteeinbussen ist zu rechnen

Gemäss Bericht müsste bereits heute auf 26 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz regelmässig mit längeren Trockenperioden gerechnet werden, wie es im Bericht heisst. «Ernteeinbussen sind die Folge.» Einen Vorgeschmack habe der Extremsommer 2003 gegeben. Damals hätten die Ertragseinbussen in der ganzen Schweiz durchschnittlich bei einem Fünftel gelegen und in manchen Regionen sei sogar die Hälfte der Ernte ausgefallen. Betroffen sind vor allem das westliche Mittelland, das Rhone-Tal, die tieferen Tallagen des Tessins, einige Graubündner Alpentäler sowie für das Nordostschweizer Mittelland. In Zukunft soll sich die «Fläche des Ackerlandes, die häufig von Trockenheit betroffen ist» vergrössern.

Die Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) analysierte Klimadaten von 1980 bis 2006 und erstellte eine Risikokarte, welche die von Trockenheit gefährdeten Gebiete zeigt. Die Karte zeigt, dass sich das Problem von den traditionell trockeneren Gebieten wie dem Wallis oder Teilen der Westschweiz zunehmend auf die bisher weniger betroffene Ostschweiz ausbreitet, wie es im Bericht heisst. «Es ist wahrscheinlich, dass sich dieser Trend in Zukunft fortsetzt.»

Das Aus für die Gurke?

Mit Bewässerung könnte den betroffenen Kulturen laut der Forschungsanstalt geholfen werden. Heute werden in der Schweiz nämlich nur 38 000 Hektaren der landwirtschaftlichen Nutzfläche regelmässig bewässert. Dies sei aber zuwenig, um alle trockenheitsbedingten Ernteausfälle zu vermeiden. Dazu müssten bis zu 400 000 Hektaren künstlich mit Wasser versorgt werden, also rund zehn Mal mehr. «Dass dafür nicht genug Wasser verfügbar sein wird, hat der Sommer 2003 illustriert», sagt Jürg Fuhrer von der der Forschungsanstalt Agroscope. Die Wasserknappheit werde in Zukunft die Regel. Die nächste Frage für die Wissenschaftler sei deshalb, wie man die Wasserressourcen optimal nutzen könne. Es sei aber klar, dass sollte sich der Trend in diesem Ausmass bewahrheiten, die Landwirtschaft sich über die Anbauprodukte Gedanken machen müsse. Salat, Gurken und weitere wasserintensive Pflanzen könnten in den Trockengebieten unter Umständen nicht mehr produziert werden.

Schlimme Aussichten: Auf den roten Flächen ist innerhalb von 3 Jahren mit längeren Trockenperioden zu rechnen, die zu Ernteausfällen führen kann.

Bei den rot markierten Flächen nahm die Länge der Trockenheitsperioden in den letzten drei Jahrzehnten zu. (Quelle: Forschungsstelle Agroscope) (amc/dapd)

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