Fische tauchen ab: Hitzewelle macht den Fischern zu schaffen

Publiziert

Fische tauchen abHitzewelle macht den Fischern zu schaffen

Das warme Wetter macht den Fischen im Bielersee zu schaffen. Berufsfischer klagen über leere Netze und Kassen.

von
Raphael Casablanca
1 / 8
Die Fische verziehen sich bei Wassertemperaturen über 22 Grad in tiefere und kühlere Gebiete im See. Dies führt bei den Fischern zu weniger Ertrag.

Die Fische verziehen sich bei Wassertemperaturen über 22 Grad in tiefere und kühlere Gebiete im See. Dies führt bei den Fischern zu weniger Ertrag.

Keystone/Peter Klaunzer
«Wir fischen im Moment 60 bis 80 Prozent weniger als im Vorjahr», erzählt Jürg Buff, der seine eigene Poissonnerie führt und diverse Restaurants in der Region beliefert.

«Wir fischen im Moment 60 bis 80 Prozent weniger als im Vorjahr», erzählt Jürg Buff, der seine eigene Poissonnerie führt und diverse Restaurants in der Region beliefert.

Keystone/Peter Klaunzer
Fische können ihre Körpertemperatur nicht selbst regeln, sondern passen diese an ihre Umgebungstemperatur an. Schon kleinste Veränderungen der Wassertemperatur können somit tödlich sein.

Fische können ihre Körpertemperatur nicht selbst regeln, sondern passen diese an ihre Umgebungstemperatur an. Schon kleinste Veränderungen der Wassertemperatur können somit tödlich sein.

Keystone/Peter Klaunzer

Wenn Berufsfischer Jürg Buff morgens vor Sonnenaufgang mit seinem Boot auf den Bielersee fährt, hofft er auf volle Netze. Dies kommt jedoch seit mehreren Wochen nur noch selten vor. «Wir fischen im Moment 60 bis 80 Prozent weniger als im Vorjahr», sagt Buff, der seine eigene Poissonnerie in La Neuville führt und diverse Restaurants in der Region beliefert.

Fische wie Felchen, Hecht oder Zander würden bei solch hohen Wassertemperamenten tiefer tauchen als sonst und seien somit auch schwieriger zu fangen. Dies geht so weit, dass Jürg Buff nun einige seiner Abnehmer nicht mehr beliefern kann.

Fast 40-80 Kilogramm weniger Fang pro Tag

Auch andere Berufsfischer aus der Region klagen über den geringeren Ertrag, die Einbusse betrage 40 bis 80 Kilogramm pro Tag, berichtete ein Fischer. Betroffen ist auch Christian Dubler aus Lüscherz: «Bis Ende Juni war alles noch im grünen Bereich, dann kam die Hitze und die Netze blieben praktisch leer.» Dubler ist besorgt: «Wenn ich morgens um 4.30 Uhr auf den See gehe, ist das Wasser bereits um die 24 Grad warm. Das habe ich in meinen 20 Jahren als Berufsfischer noch nie erlebt.»

Im Gegensatz zu Buff kann Dubler seine Wirte noch knapp beliefern. Für Caterings müsse er jedoch auf Fische aus dem Ausland zurückgreifen. «Das bedeutet für mich grosse Einbussen.»

Die Hitze macht die Fische faul

Fische gehören zu den wechselwarmen Lebewesen, sie können ihre Körpertemperatur nicht selbst regeln, sondern passen diese an ihre Umgebungstemperatur an. Schon kleinste Veränderungen der Wassertemperatur können somit je nach Fisch tödlich sein. Während die Tiere in den Seen die Möglichkeit haben in tiefere und kühlere Zonen abzutauchen, verenden Fische in Flüssen oft an den warmen Wassertemperaturen.

Fischer Dubler geht bei jeder Temperatur auf den See: «Wir können in jeder Hitze fischen, das ist kein Problem.» Doch die Fische seien durch die Temperaturen extrem träge und würden sich kaum in die Fangnetze begeben.

Verkehrte Welt in Zürich

Anders ist die Situation am Zürichsee, wie Adrian Gerny, Inhaber eines Fischereibetriebs in Zürich Wollishofen mitteilt: «Die Stürme im letzten Winter haben die verschiedenen Wasserschichten im See komplett umgewälzt und durchmischt.» Dadurch konnte sich dieses Jahr viel Plankton im See entwickeln. Und das üppige Nahrungsangebot lockt Fische an: «Die Erträge sind besser als in den vergangenen zwei Jahren», sagt Gerny.

Deine Meinung