«Freistoss» mit Georges Bregy: Hitzfeld muss gelegentlich ein Auge zudrücken
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«Freistoss» mit Georges BregyHitzfeld muss gelegentlich ein Auge zudrücken

Ottmar HitzfeldS Handschrift ist klar erkennbar. Für 20-Minuten-Online- Kolumnist Georges Bregy ist aber klar, dass er manchmal ein Auge zudrücken muss - und rechnet mit Shootingstar Valentin Stocker auf der Bank.

Eines muss man dem neuen Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld lassen: Er hat schon nach wenigen Tagen im Kreis der Nationalmannschaft klare Zeichen gesetzt. Die Trainingsarbeit ist im Vergleich zur Ära Köbi Kuhn viel intensiver geworden. Die Intensität während der einzelnen Trainingseinheiten ist viel höher. Das finde ich sehr gut, denn nur so werden die Spieler bei den Zusammenzügen der Nati auch genügend gefordert. Hitzfeld hat klar kommuniziert, dass für ihn in Zukunft nur Spieler in Frage kommen, die bei ihren jeweiligen Klubs einen Stammplatz haben. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob er ohne Wenn und Aber an dieser Vorgabe festhalten kann. Letztlich wird der frühere Bayern-Trainer dann an seinen eigenen Vorgaben gemessen.

Gelegentlich ein Auge zudrücken

Das Beispiel von Ludovic Magnin zeigt aber auch, dass der Trainer gelegentlich mal ein Auge zudrücken muss. Magnin hat bei Stuttgart im Moment keinen Stammplatz. Er ist aus einer Verletzung herausgekommen und muss jetzt schauen, dass er sich in die Mannschaft zurückkämpfen kann. Trotzdem setzt Hitzfeld auf ihn. Nicht, weil er Vize-Captain ist. Ich muss immer wieder erwähnen, dass man solche Ämter innerhalb eines Fussball-Teams nicht überbewerten sollte. Der Trainer vertraut Magnin, weil er überzeugt ist, dass er auf dieser Position im Spiel gegen Israel am meisten bringt.

Auf der Position des rechten Aussenverteidigers wird Ottmar Hitzfeld wohl Stephan Lichtsteiner auflaufen lassen. Konkurrent Alain Nef hat zwar gegen Zypern überzeugt und ist bei stehenden Bällen wegen seines guten Kopfball-Spiels ein möglicher Trumpf. Doch auf dieser Position wird Hitzfeld wohl auf sein Credo setzen und jenen Spieler nominieren, der bei seinem Klub den Stammplatz hat.

Mit Huggel, ohne Stocker

Das defensive Mittelfeld ist für mich mit Gökhan Inler und Benjamin Huggel gegeben. Falls Valon Behrami wieder hundertprozentig fit ist, ist er für mich auch gesetzt. Auf der linken Aussenposition würde ich Tranquillo Barnetta Valentin Stocker vorziehen. Stocker hat zwar in den letzten Wochen Unglaubliches geleistet. Aber im schwierigen Auswärtsspiel gegen Israel würde ich trotzdem auf den in der Defensive eher kampfstärkeren Barnetta setzen.

Ich hoffe, dass die Schweiz gegen Israel mindestens einen Punkt holt. Ein Sieg wäre natürlich noch besser. Aber wir dürfen nicht übermütig werden: Der Match in Tel Aviv wird für die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld mit Sicherheit kein Spaziergang. Etwas anders präsentiert sich dann die Lage gegen Luxemburg am nächsten Mittwoch in Zürich: Alles andere als ein klarer Sieg wäre eine riesige Enttäuschung.

Georges Bregy, 20 Minuten Online

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Der Kolumnist

Der 54-fache Nationalspieler Georges Bregy spielte jahrelang in der damaligen Nationalliga A für diverse Vereine. Dabei wurde der Walliser Nicht nur Meister (1986) und Cupsieger (1980, 1982), sondern in einer Saison auch als Torschützenkönig (1984) ausgezeichnet. Nach Trainerengagements bei Lausanne, Thun und dem FC Zürich arbeitet er heute als Unternehmensberater. In seiner Freizeit verfolgt er den Schweizer Fussball genau und steht ab der Saison 2008/09 beim FC Red-Star ZH (1. Liga) an der Seitenlinie.

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