Hitzfelds Comeback endet im Desaster

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Hitzfelds Comeback endet im Desaster

Bayern München findet auch unter seinem neuen alten Trainer Ottmar Hitzfeld nicht aus der Krise: Im fränkisch-bayrischen Duell in Nürnberg unterlag der deutsche Meister diskussionslos mit 0:3. Der Meisterzug scheint für die Bayern damit endgültig abgefahren zu sein.

Zwei Tage nach der Amtsübernahme von Ottmar Hitzfeld waren die Bayern gefordert. Ein Sieg gegen Nürnberg musste her, wollte der deutsche Vorzeigeverein im Kampf um die Bundesliga-Krone noch ein Wörtchen mitreden - es kam allerdings anders. 0:3 verloren die Bayern, «und ihr wollt deutscher Meister sein?» sangen die Nürnberger Fans hämisch.

Bereits in der 13. Minute der erste Dämpfer für Hitzfeld, der als bisher einziger Trainer mit zwei verschiedenen Teams die Champions League gewinnen konnte (Borussia Dortmund 1997, Bayern München 2001). Nürnbergs Ivan Saenko liess die Bayern-Abwehr und Goalie Oliver Kahn stehen und traf aus schwierigem Winkel zur frühen Nürnberger Führung. Hätte Robert Vittek in der 20. Minute nicht nur die Latte getroffen, wären die Bayern gar noch stärker unter Druck geraten. Die Bayern liessen auch unter Hitzfeld das innere Feuer vermissen, abgesehen von einem Kopfball von Lucio (14.) und einem guten Schuss Roy Makaays (23.) boten die Münchner in der ersten Halbzeit nur wenig. Zu unorganisiert der Spielaufbau, zu wenig zwingend die Kombinationen, zu schwach das Zweikampfverhalten - und je länger das Spiel dauerte, desto harmloser wurden die Bayern. Erst jetzt scheint man sich in München bewusst zu werden, wie schwer der Abgang des Spielmachers Michael Ballack zu Chelsea für die Bayern zu verkraften ist. Auch in der zweiten Halbzeit konnte der deutsche Meister seine Harmlosigkeit nicht verbergen: Die Hitzfeld-Elf dominierte das Geschehen im Frankenstadion zwar optisch, echte Chancen blieben aber auch unter dem Wahlschweizer Hitzfeld Mangelware. Wie man torgefährlich auftritt, demonstrierte das seit neun Spielen ungeschlagene Nürnberg 20 Minuten vor Schluss: Nach einem schnellen Gegenstoss kam Markus Schroth völlig frei vor Oliver Kahn zum Kopfball - 2:0, die Entscheidung. Das 3:0 durch Robert Vittek kurz vor Schluss setzte schliesslich das i-Pünktchen auf den peinlichen Auftritt der Bayern.

«Ich bin vor allem enttäuscht, dass wir am Schluss untergegangen sind. Wir haben kein Selbstbewusstsein», meinte Hitzfeld nach Spielende und sparte auch nicht mit Einzelkritik, «Lucio lief in der Innenverteidigung nur herum, Schweinsteiger hat Probleme mit sich selbst - hoffentlich kann er sich im Länderspiel gegen die Schweiz wieder aufrichten. Aber es war ja auch klar, dass ich nicht herkommen kann und alles funktioniert wieder. Ich freue mich trotzdem auf meine neue Aufgabe.» Vom Meistertitel, den er noch vor dem Spiel als ultimatives Ziel genannt hatte, sprach Hitzfeld nach dem 0:3-Debakel nicht mehr: «Gut, unser erstes Ziel muss einfach die Champions League sein, sprich mindestens den dritten Platz.»

Damit haben die Bayern aus den letzten drei Spielen gerade mal ein Pünktchen gewonnen - der Meisterzug scheint endgültig abgefahren zu sein. Nach 20 von 34 Meisterschaftsspielen beträgt der Rückstand der Bayern auf das Leaderduo Werder Bremen und Schalke 04 nun bereits elf Verlustpunkte.

Nürnberg - Bayern München 3:0 (1:0)

Frankenstadion. - 47'000 Zuschauer.

Tore: 13. Saenko 1:0. 71. Schroth 2:0. 86. Vittek 3:0.

(mat)

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