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HIV-infizierte libysche Kinder: Todesstrafe für fünf Krankenschwestern gefordert

Im Berufungsprozess gegen fünf bulgarische Krankenschwestern und einen palästinensischen Arzt wegen einer Ansteckung von über 400 libyschen Kindern mit dem HI- Virus hat die Anklage in Tripolis die Todesstrafe gefordert.

Die sechs Angeklagten hätten 430 Kinder mit dem HI-Virus infiziert, sagte Staatsanwalt Omar Abdulchalek. Er warf den Angeklagten zudem Vergehen im Zusammenhang mit dem Kauf und Verkauf von Alkohol, unerlaubte sexuelle Beziehungen und illegalen Geldwechsel vor.

Die Angeklagten haben in allen Punkten ihre Unschuld beteuert und erklärt, sie seien gefoltert worden, um sie zu einem Geständnis zu zwingen. Das Verfahren wurde auf den 5. September vertagt.

Ein früheres Verfahren endete mit einer Verurteilung zum Tode durch ein Erschiessungskommando. Das Oberste Gericht Libyens hob dieses Urteil jedoch 2005 auf und ordnete eine Neuauflage des Verfahrens an, das seit Mai läuft.

Die bulgarischen Krankenschwestern und der palästinensische Arzt sind seit 1999 in libyscher Haft. Sie hatten zuvor in einem Spital in Bengasi im Nordosten von Libyen gearbeitet.

Mehr als 50 der infizierten libyschen Kinder sind bislang an den Folgen von Aids gestorben. Ausländische Experten haben erklärt, das HIV-Virus sei noch vor dem Eintreffen der Bulgarinnen wegen der schlechten Hygiene in der Klinik übertragen worden.

Die libysche Regierung hat angedeutet, dass die Krankenschwestern frei kommen könnten, wenn die bulgarische Regierung Entschädigung an die Familien der Kinder zahlten. Diese verlangen 4,4 Milliarden Euro.

Bulgarien hat dies zurückgewiesen, hat aber zusammen mit der Europäischen Union, den USA und Libyen die Bildung eines Hilfsfonds angeregt. (sda)

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