Knochenjob: Hobby-Hirten scheitern am harten Alp-Alltag
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KnochenjobHobby-Hirten scheitern am harten Alp-Alltag

Viele Unterländer haben oft eine falsche Vorstellung vom Knochenjob auf der Alp. Einsamkeit und Unfälle zwingen sie dazu, vorzeitig ins Tal zurückzukehren.

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dk
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Viele Hobby-Hirten werden vom anstrengenden Arbeitsalltag auf den Bergwiesen überrumpelt. Sie geben nach einiger Zeit auf und kehren ins Tal zurück.

Viele Hobby-Hirten werden vom anstrengenden Arbeitsalltag auf den Bergwiesen überrumpelt. Sie geben nach einiger Zeit auf und kehren ins Tal zurück.

Keystone/urs Flueeler
Vor allem junge Leute wollen mit falschen und romantischen Vorstellungen auf die Alp, sagt der Älpler Fritz Felder. Aber es sei halt ein Knochenjob. «Von morgens um fünf bis abends um zehn, sieben Tage die Woche. Schlechtes Wetter und kranke Tiere erhöhen den Stress nur noch mehr».

Vor allem junge Leute wollen mit falschen und romantischen Vorstellungen auf die Alp, sagt der Älpler Fritz Felder. Aber es sei halt ein Knochenjob. «Von morgens um fünf bis abends um zehn, sieben Tage die Woche. Schlechtes Wetter und kranke Tiere erhöhen den Stress nur noch mehr».

Keystone/Gian Ehrenzeller
Neueinsteigern empfiehlt Felder darum, beim ersten Mal in einem Team zu arbeiten und dort Arbeitserfahrung zu sammeln. Viel harte Arbeit und ein starker Durchhaltewille seien nötig.

Neueinsteigern empfiehlt Felder darum, beim ersten Mal in einem Team zu arbeiten und dort Arbeitserfahrung zu sammeln. Viel harte Arbeit und ein starker Durchhaltewille seien nötig.

Francesca Agosta

Bis zu 17'000 Personen haben diesen Sommer auf einer Schweizer Alp gearbeitet. Ein grosser Teil davon sind Aussteiger, Angestellte in einer Auszeit und Abenteurer aus dem In- und Ausland. Doch viele von ihnen werden vom knochenharten Arbeitsalltag überrumpelt. Sie geben nach einiger Zeit auf und kehren ins Tal zurück.

Wenn sich der erhoffte Rückzug in die Berge vom Traum von der Alp in einen Albtraum verwandelt, melden sich die Betroffenen beim sogenannten Alpofon. Stefanie Nickel ist eine von drei Beraterinnen beim ehrenamtlich geführten Dienst. Alle drei sind ehemalige Älplerinnen und verstehen daher die Sorgen der Anrufer genau. «Diesen Sommer erhielten wir etwa 90 Anrufe», sagt Nickel zur «Südostschweiz». Von der Vermittlung von Arbeitsstellen bis hin zu seelsorgerischer Beratung versuchen sie die Alparbeiter so gut wie möglich zu unterstützen.

Viele glauben, sie könnten Ferien machen

Fritz Felder ist seit über 40 Jahren Älpler und sagt, dass vor allem junge Leute mit falschen und romantischen Vorstellungen auf die Alp wollten. So gebe es einige, die einfach nur Ferien machen wollten. Aber es sei halt ein Knochenjob. «Von morgens um fünf bis abends um zehn, sieben Tage die Woche. Schlechtes Wetter und kranke Tiere erhöhen den Stress nur noch mehr.» Auch die Einsamkeit sei ein grosses Thema. So erlebe er es jedes Jahr, dass viele schon nach einer Woche aufgeben und zurück ins Tal wollen.

Aber auch Unfälle und Krankheiten führen dazu, dass die Hobby-Älpler ihre Sommerjobs auf den Bergweiden vorzeitig beenden. Platzwunden, Gehirnerschütterungen oder einfache Frakturen können auf einer abgelegenen Alp zur Herausforderung werden. Die Statistik des Alpofons zeigt, dass etliche Personen mit der Arbeit und dem Leben auf der Alp nicht klarkommen. So kann es zu unlösbaren Konflikten im Team kommen. Einige wissen sich nur zu helfen, indem sie sich ohne eine Nachricht zu hinterlassen davonmachen.

Neueinsteigern empfiehlt Felder darum, beim ersten Mal in einem Team zu arbeiten und dort Arbeitserfahrung zu sammeln. Viel harte Arbeit und ein starker Durchhaltewille seien nötig. Selber wollte er aber noch nie aufhören. «Unsere Vorfahren hatten auch schlechtes Wetter!», sagt er schmunzelnd.

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