16.09.2020 05:02

Contact Tracing am LimitHobbykicker muss seine 40 Kollegen selber in Quarantäne schicken

Der Berner I. T.* wurde corona-positiv getestet und musste selber 40 Personen in Quarantäne schicken. Erst zwei Tage später hatte das Contact Tracing Team Kapazität die Betroffenen zu kontaktieren.

von
Christian Holzer
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Einige Tage nach dem letzten Training musste die ganze Mannschaft von I. T.* in Quarantäne.

Einige Tage nach dem letzten Training musste die ganze Mannschaft von I. T.* in Quarantäne.

Sportamt Stadt Bern
Der Berner spielt in der Berner Alternativliga. Nach dem Training hatte er plötzlich Kopfschmerzen und fühlte sich fiebrig.

Der Berner spielt in der Berner Alternativliga. Nach dem Training hatte er plötzlich Kopfschmerzen und fühlte sich fiebrig.

KEYSTONE
Er wurde positiv auf Covid-19 getestet.

Er wurde positiv auf Covid-19 getestet.

REUTERS

Darum gehts

  • Eine ganze Fussballmannschaft musste in Quarantäne.
  • Der positiv getestete 19-Jährige musst die Mitspieler selber informieren.
  • Das Contact Tracing Team kam am Wochenende an seinen Anschlag.
  • Nun wird es ausgebaut.

Als A. S.* am Donnerstag mit seiner Alternativliga-Fussballmannschaft trainierte war alles noch beim Alten: «Wir haben für einen Match am Sonntag trainiert.» Kurz nach dem Training begann für die ganze Mannschaft jedoch eine Odyssee der Ungewissheit. Spieler I. T.* entwickelte nach dem Training Symptome: «Ich hatte starke Kopfschmerzen und fühlte mich fiebrig.» Also macht er umgehend einen Covid-19-Test. Am nächsten Tag dann der Befund: Der 19-Jährige wurde positiv getestet.

Wenige Stunden später kontaktierte ihn das Contact-Tracing-Team CTT des Kantons Bern. «Ich musste angeben, mit wem ich in den letzten Tagen engeren Kontakt hatte – das waren viele.» Damit es schnell geht, wird T. aufgefordert alle Betroffenen gleich selber zu informieren, dass sie in Quarantäne müssen. Erst in einem zweiten Schritt soll er die Kontaktdaten ans CTT schicken, damit sie sich mit den Betroffenen in Verbindung setzen können. Doch seine Mitspieler hörten lange nichts vom Kanton.

«Wir waren völlig im Ungewissen. Erst am Montagmittag bekam ich einen Anruf und mir wurde offiziell mitgeteilt, dass ich seit Freitag in Quarantäne stecke», so Mitspieler A. S. Sogar bei der Corona-Hotline vom BAG zeigte man sich mehr als erstaunt, dass die Mannschaft nach 48 Stunden noch immer nicht vom Kanton kontaktiert worden sei.

Glühende Leitungen beim Contact Tracing

Ist das CTT mit den steigenden Infektionszahlen überfordert? «Nein», sagt Gundekar Giebel, Sprecher der Gesundheits- und Fürsorgedirektion. Es sei ein besonders intensives Wochenende für das Team gewesen. «Wir haben Hunderte wenn nicht gar Tausende Telefonate geführt.» Grund waren die hohen Infektionszahlen. Gemäss den offiziellen Corona-Zahlen des Kantons Bern wurden am Donnerstag 35, Freitag 26 und Samstag 42 Personen positiv auf Covid-19 getestet.

Jeder Fall gebe unterschiedlich viel zu tun. Besonders viel Arbeit machte dem Team am Wochenende der Fall von Hobbyfussballer I.T. «Der junge Mann ist sportlich sehr aktiv und in zwei Vereinen. Entsprechend viele Telefonate mussten geführt werden.» 40 Personen mussten wegen I. nun in Quarantäne. «Ich habe letzte Woche das erste Mal seit Langem mal wieder richtig viele Menschen getroffen. Ausgerechnet dann hat das Virus zugeschlagen.»

Personal wird aufgestockt

Beim CTT reagiert man nun auf die hohe Anzahl Neuinfizierter und die damit einhergehende Arbeit: «Bisher hatten wir am Wochenende einen reduzierten Betrieb. Das ändern wir ab dieser Woche», so Gundekar Giebel. Neu wird das Callcenter auch wochenends voll besetzt. Derzeit sind 50 Personen beim CTT angestellt, hinzu kommen 20 Kapo-Mitarbeiter, welche dort ebenfalls im Einsatz stehen. Gemäss Giebel wird das Team weiter ausgebaut: «Diese und nächste Woche starten jeweils fünf neue Mitarbeiter. Ausserdem sind wir noch immer auf der Suche nach weiteren Angestellten.»

Viele Angestellte des CTT würden aus dem Gesundheitswesen, der sozialen Arbeit oder aus pädagogischen Berufen kommen. Auch viele Studenten, die ihr Auslandaufenthalt nicht antreten konnten, seien dabei: «Wichtig ist, dass man viel Empathie, medizinisches Verständnis, IT-Kenntnisse und Flexibilität mitbringt.»

Bevölkerung soll mithelfen

Das CTT stehe derzeit oft im Fokus der Öffentlichkeit, so Giebel. «Aber auch wenn wir die Kapazitäten ausbauen, das CTT wird uns nicht vor Corona retten.» Es sei wichtig, dass die Bevölkerung wieder vorsichtiger werde und stärker mithelfe, die Verbreitung des Virus zu stoppen: «Also gründliches Händewaschen und Abstand halten.» Nur so würde sich vermeiden lassen, dass das Virus eine zweite Welle verursache. «Ansonsten drohen wieder stärkere Regulierungen, wie sie erst heute im Kanton Waadt beschlossen wurden.»

*Namen der Redaktion bekannt

Covid-19 im Kanton Bern

Seit Beginn der Pandemie sind kantonsweit 2893 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. 99 Personen sind in Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. In Berner Spitälern lagen am Montag sieben Corona-Infizierte. Eine Person war auf künstliche Beatmung angewiesen. Die nächste Aktualisierung der Hospitalisierten folgt am Mittwoch. sda

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78 Kommentare
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Glatzenbefehl

17.09.2020, 03:01

Soweit sind wir schon. Wegen einem simplen Schnupfen werden gesunde Menschen morgens um 6 von der Pozilei abgeholt und eingesperrt

Rolf

16.09.2020, 09:03

Solange wir Corona-Fälle suchen, werden wir auch welche finden. Entscheidend ist jedoch, wie viele Personen auch tatsächlich krank sind und hospitalisiert werden müssen. Bei >400 positiv getesteten / >15000 Tests und einer 1-2% falsch-positiv Quote (<10 Hospitalisierte/Tag und <0-3 Todesfälle/Tag) weiter zu suchen ist absurd. Es reicht jetzt mit Angstmacherei und unsinnigen Massnahmen.

Dr Stadler

16.09.2020, 08:41

Wir hatten nie eine Übersterblichkeit im Vergleich zu Vorjahren, wir hatten nie überlastete Spitäler, im Gegenteil die Spitäler hatten Kurzarbeit, wozu dann das ganze Theater? Zur Zeit haben wir ca. 2-4 Leute welche pro Woche an Corona sterben - an anderen Krankheiten, Unfällen, etc. sterben über 1000 Leute pro Woche. Wir haben die Obduktionsberichte der 2-4 Leute nicht, somit wissen wir nicht, woran die Leute wirklich gestorben sind. Wir haben einen Test der 1-3% Falschpositiv angibt und somit z. B. bei 16'000 Tests auf 320 Infizierte kommt. Und dieser Test ist nicht mal validiert, d. h. er ist als nicht medizinisch oder rechtlich zugelassen um Leute in Quarantäne zu setzen. Denkt mal nach und falls ihr mir nicht glaubt - alle Infos sind öffentlich zugänglich beim BAG, Swissmedic, etc.