Modell Uber für Pakete: Hobby-Kuriere sollen bestellte Päckli ausliefern

Aktualisiert

Modell Uber für PaketeHobby-Kuriere sollen bestellte Päckli ausliefern

Ein neuer Schweizer Kurierdienst kopiert Uber. Wie bei der Taxi-App übernimmt die Crowd den Transport. Traditionelle Anbieter sind kritisch.

von
Kaspar Wolfensberger

Mit diesem Video wirbt der neue Kurierdienst Annanow für seine Dienste.

Vor 60 Minuten online bestellt – und schon geliefert: Mit diesem Service will ein neuer Kurierdienst den Kampf um sogenannte Same-Day-Deliveries in der Schweiz weiter anheizen. Das Start-up Annanow bietet seine Dienstleistung ab sofort in der Stadt Zürich an. Weitere Standorte sollen bald folgen.

Das Besondere an Annanow im Gegensatz zu anderen Anbietern: Die Lieferungen sollen nicht nur von regulären Kurierpartnern, sondern auch von der Crowd ausgeführt werden. Die Funktionsweise gleicht dabei jener des Dienstes UberPop der Taxi-App Uber. Jedermann kann somit seine Dienste selbstständig als Kurierfahrer anbieten und Lieferungen durchführen.

Registrierung via Website

Nötig sind dazu vorgängig eine Registrierung auf der Website von Annanow und der Besitz eines iPhones zur Verwendung der dazugehörigen App. «Nach einer Überprüfung der Personalien und der Daten der Interessenten werden sie freigeschaltet. Sie können dann ab sofort Kuriersendungen entgegennehmen», erklärt Annanow-Mitgründer Daniel Stutz.

Geliefert werden Produkte vom neuen Kurierdienst in einem Radius von maximal 2,6 Kilometern. Erster grösserer Kunde ist das Blumengeschäft Blumenhalle, das an drei Standorten in Zürich präsent ist. Eine Lieferung kostet den Kunden bei dieser Distanz 15 Franken, bei einer Distanz von bis zu 1,5 Kilometern 10 Franken. Von diesem Betrag erhält der Crowd-Kurier 80 Prozent. Ziel sei es, mit verschiedenen Partnern zusammenzuarbeiten, auch mit Velokurieren, damit dem Kunden der bestmögliche Service geboten werden könne, so Stutz.

Typische Domäne der Velokuriere

Die kurze innerstädtische Distanz ist bisher die typische Domäne der Velokuriere. Wie Stutz erklärt, darf bei Annanow aber auch mit dem Töff oder dem Auto geliefert werden. «Je nach Grösse des Produktes ist das sogar notwendig – ein Kühlschrank lässt sich ja nicht per Velo liefern.»

Vergleicht man die Preise, ist der neue Kurier leicht günstiger als die Velokurier-Konkurrenz. Eine Lieferung à 1,5 Kilometer innerhalb von Zürich kostet bei Veloblitz zwischen 14 und 17 Franken, beim Velokurier Flash Delivery Services knapp 19 Franken, wie eine Anfrage von 20 Minuten ergab.

Fehlende Versicherung

Dominik Schacher, Disponent beim Flash-Kurier, kommentiert das Angebot von Annanow kritisch: «Im Gegensatz zu solchen Crowd-Diensten sind die Fahrer bei uns regulär versichert und wir bezahlen die gängigen Sozialabgaben.» Ausserdem mangle es Hobby-Kurieren an Professionalität.

Bei Annanow heisst es dazu, dass die Crowd-Kuriere im Gegensatz zu anderen Anbietern zwar keine fest angestellten Fahrer, sondern selbstständig seien. «Wir versuchen aber, keinen zu benachteiligen und fair zu sein», sagt Mitgründer Stutz.

Nachfrage eher klein

Bleibt die Frage, ob den Kunden ultraschnelle Lieferungen überhaupt wichtig sind. Als Händler wie Brack und Steg Same-Day-Deliveries innerhalb weniger Stunden einführten, liess 20 Minuten vom Institut Marketagent.com eine Umfrage zum Thema durchführen. Das Resultat: Nur etwa 8 Prozent der Befragten wünschten sich eine Lieferung innerhalb von fünf Stunden ab Bestellung.

Bei Steg bezahlen die Kunden für eine Lieferung innert 3 Stunden übrigens 9.50 Franken, bei Brack 4.90 Franken für eine Lieferung noch am selben Tag. Für die geringe Nachfrage nach Same-Day-Lieferungen gibt es laut Michael Klaas, Dozent an der ZHAW School of Management and Law, verschiedene Ursachen.

Sehen Sie diese hier im Video:

Experte über Same Day Delivery

Michael Klaas von der ZHAW School of Management and Law äussert sich zum Thema Same Day Delivery. (Video: Wirtschaft)

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