Aktualisiert 27.12.2016 12:42

Bünzlis gegen HippiesHobbygärtner kämpfen ums Dunkelhölzli

Gemeinschafts- oder Schrebergärtner? Wer künftig das Dunkelhölzli in Zürich-Altstetten beackern darf, ist unklar. Der Verteilkampf ist aber in vollem Gang.

von
wed
Hier soll ein 40'000 Quadratmeter grosses Gartenparadies entstehen.

Hier soll ein 40'000 Quadratmeter grosses Gartenparadies entstehen.

Google Maps

40'000 Quadratmeter für 12,8 Millionen Franken – im Dunkelhölzli in Zürich-Altstetten soll ein Paradies für Gärtner entstehen. Eine entscheidende Frage ist aber noch ungeklärt: Wer darf auf dem Areal säen, jäten und ernten? Sind es die Gemeinschaftsgärtner oder die Schrebergärtner? Gemäss «Tages-Anzeiger» tobt hinter den Kulissen bereits ein Verteilkampf um die künftigen Gartenflächen.

Das Verhältnis der beiden Gruppen sei nicht frei von Spannungen, die gegenseitigen Vorurteile sind gross: Die Schrebergärtner seien Bünzlis, die jedes Unkraut wegjäten, die Gemeinschaftsgärtner seien Hippies, deren kollektive Versuche im Chaos enden. «Dahinter stehen gegensätzliche Philosophien», sagt Gemeinderätin Gabriele Kisker (Grüne) in einem Bericht. Der Privateigentumsgedanke treffe auf kollektives Denken. «Durch den Bau von Schrebergärten wird öffentlicher Freiraum privatisiert – das ist Zersiedlung im Kleinen», so Kisker. Es bestehe ein grosses Bedürfnis nach gemeinsamem Gärtnern.

«Konflikte sind bei Gemeinschaftsgärten programmiert»

Anderer Meinung ist FDP-Gemeinderat Albert Leiser: «Bei Gemeinschaftsgärten sind Konflikte programmiert.» Die erste Euphorie werde rasch verfliegen, nach ein paar Jahren würden sich nur noch wenige im Dunkelhölzli engagieren. «Wahre Heimat finden die Menschen auf einer eigenen Parzelle. Nur so können Verbundenheit und Verantwortung entstehen.»

In der städtischen Politik steht die Mehrheit aber auf der Seite der Gemeinschaftsgärtner. So wurde im Gemeinderat vor rund drei Jahren einem Postulat zugestimmt, dass im Dunkelhölzli «prioritär kooperative Nutzungen» entstehen sollen.

Pionierprojekt zur urbanen Ernährung

Unter dem Namen Grünhölzli wurde von mehreren Zürcher Gemeinschaftsgärtnern auch bereits ein Plan zur Kultivierung des Areals vorgeschlagen. «Wir wollen ein Pionierprojekt in Sachen urbane Ernährung auf die Beine stellen», sagt Christian Müller. Er hat Ortoloco mit aufgebaut, eine der grössten Zürcher Gartenkooperativen. Zum Grünhölzli gehörten neben den Feldern ein Gemeinschaftsgebäude mit Hofladen, Schul- oder Generationengärten. Zudem würde ein Dachverein alle Nutzungen koordinieren.

Doch auch die Schrebergärtner haben es derzeit nicht einfach in der Stadt Zürich. Im Juchhof wurden 50 solcher Anlagen wegen einer Strasse abgerissen – an der Vulkanstrasse werden wegen des geplanten Eishockeystadions 120 verschwinden. Für neue Schrebergärten hat es keinen Platz. Ausser im Dunkelhölzli. Immerhin stehen Stadtrat Filippo Leuten­egger (FDP), Vorsteher der zuständigen Abteilung Grün Stadt Zürich, und seine Partei eher auf der Seite der Schrebergärtner.

Beide Parteien haben Zusagen

Schliesslich wird der Kampf ums Dunkelhözli-Areal womöglich mit einem Kompromiss gelöst. Die Grünhölzli-Vertreter sowie die Schrebergärtner haben gemäss «Tages-Anzeiger» Hinweise, dass sie einzelne Flächen zur Beackerung erhalten werden. Und schliesslich geben sich die Parteien auch versöhnlich: Gemeinschaftsgärtner würden problemlos neben Familiengärtnern arbeiten können – und umgekehrt.

Das letzte Wort betreffend das Gartenparadies ist aber noch nicht gesprochen. 2017 wird der Gemeinderat über den Kredit in der Höhe von 12,8 Millionen Franken beraten.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.