26.06.2017 06:26

Schadstoffe im Wasser

Hobbygärtner sollen weniger Gift verspritzen

Kleingärtner wissen laut Experten oft nicht, wie sie Pflanzenschutzmittel korrekt anwenden – und schaden damit den Gewässern. Der Bund plant Massnahmen.

von
laz
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Hohe Pestizid-Konzentrationen im Schweizer Trinkwasser sorgten kürzlich für Schlagzeilen. Schuld an der Entwicklung ist aber nicht nur die Landwirtschaft, wie der Bundesrat letzte Woche in einem Bericht festhielt.

Hohe Pestizid-Konzentrationen im Schweizer Trinkwasser sorgten kürzlich für Schlagzeilen. Schuld an der Entwicklung ist aber nicht nur die Landwirtschaft, wie der Bundesrat letzte Woche in einem Bericht festhielt.

Keystone/Alessandro Della Valle
Auch der Umgang von Privaten mit Giften sei noch deutlich verbesserungsfähig, heisst es darin. Schätzungen zufolge werden in privaten Gärten etwa 100 bis 200 Tonnen Pflanzenschutzmittel ausgebracht.

Auch der Umgang von Privaten mit Giften sei noch deutlich verbesserungsfähig, heisst es darin. Schätzungen zufolge werden in privaten Gärten etwa 100 bis 200 Tonnen Pflanzenschutzmittel ausgebracht.

istock/ Jackf
So sagt Michael Schärer vom Bundesamt für Umwelt zur «Zentralschweiz am Sonntag»: «Das Verbot, Herbizide auf Strassen, Wegen, Plätzen und Dachterrassen auszubringen, ist noch zu wenig bekannt.» Auf diesen Flächen würden die Herbizide bei Regen aber direkt in Wasserläufe und ins Grundwasser geschwemmt.

So sagt Michael Schärer vom Bundesamt für Umwelt zur «Zentralschweiz am Sonntag»: «Das Verbot, Herbizide auf Strassen, Wegen, Plätzen und Dachterrassen auszubringen, ist noch zu wenig bekannt.» Auf diesen Flächen würden die Herbizide bei Regen aber direkt in Wasserläufe und ins Grundwasser geschwemmt.

Keystone/Christian Beutler

Hohe Pestizid-Konzentrationen im Schweizer Trinkwasser sorgten kürzlich für Schlagzeilen. Schuld an der Entwicklung ist aber nicht nur die Landwirtschaft, wie der Bundesrat letzte Woche in einem Bericht feststellte. Auch der Umgang von Privaten mit Giften sei noch deutlich verbesserungsfähig, heisst es darin.

Schätzungen zufolge werden in privaten Gärten etwa 100 bis 200 Tonnen Pflanzenschutzmittel ausgebracht. Insgesamt sind es in der Schweiz gut 2000 Tonnen. Laut dem Bund wenden Kleingärtner die Mittel zu oft falsch an.

Unkrautvertilger als Problem

So sagt Michael Schärer vom Bundesamt für Umwelt zur «Zentralschweiz am Sonntag»: «Das Verbot, Herbizide auf Strassen, Wegen, Plätzen und Dachterrassen auszubringen, ist noch zu wenig bekannt.» Auf diesen Flächen würden die Herbizide bei Regen aber direkt in Wasserläufe und ins Grundwasser geschwemmt. Jürg Jordi, Sprecher des Bundesamts für Landwirtschaft, sagt: «Bei Hobbygärtnern besteht vielleicht eher die Möglichkeit, dass sie die Anwendungsvorschriften nicht ganz genau einhalten.»

Der Bund will nun im Rahmen des Aktionsplans Pflanzenschutzmittel eine Informationskampagne starten und bei gewissen Giften für den Privatgebrauch strengere Bestimmungen durchsetzen. Eine weitere Massnahme ist eine Liste mit Pflanzenschutzmitteln für Hobbyanwender. Welche Mittel dort festgehalten werden, ist noch nicht entschieden. Der Plan wird im Herbst verabschiedet, so Jordi.

Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel

Das Bundesamt für Umwelt hatte auch vorgeschlagen, Pflanzenschutzmittel in geschlossen Vitrinen zu verkaufen und dem Kauf ein obligatorisches Beratungsgespräch voranzustellen. Diese Massnahme will der Bund nun jedoch nicht umsetzen.

Christophe Campiche, Präsident des Schweizer Familiengärtner-Verbands, bedauert dies. «Solange jeder einfach in einen Laden gehen und ein Herbizid kaufen kann, ohne jemandem sagen zu müssen, wofür er es braucht, wird die Situation nicht besser werden», sagt Campiche. Der Familiengärtner-Verband halte seine Mitglieder dazu an, auf chemische Pflanzenschutzmittel zu verzichten. «Besonders ältere Gärtner greifen zu oft zur Giftkeule, weil sie sich das von früher gewöhnt sind», so Campiche. Die Gartenparzellen seien vom jahrzehntelangen Spritzen bereits in Mitleidenschaft gezogen worden. «Wenn ein Familiengarten aufgehoben wird, muss oft die gesamte Erde darin komplett entsorgt werden.»

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