Sprach-Debatte: «Hochdeutsch lernen, Dialekt trotzdem behalten»
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Sprach-Debatte«Hochdeutsch lernen, Dialekt trotzdem behalten»

Wie viel Schweizerdeutsch gehört in den Schulalltag? Die 20-Minuten-Leser diskutieren hitzig über einen Vorstoss, der dreissig Prozent Dialekt sprechende Kinder in einer Klasse vorsieht.

Im Kanton Basel-Stadt sollen pro Klasse mindestens ein Drittel der Schüler Schweizerdeutsch als Muttersprache haben – dies fordert SP-Bildungspolitikerin Sibylle Benz. «Wenn Kinder mit verschiedenen Muttersprachen in der gleichen Klasse sind, sprechen sie untereinander automatisch schweizerdeutsch», argumentiert Benz.

Geht der Dialekt in den Schweizer Schulen verloren? «Unsinn», schreibt Leserin Luzi Fehr: «Den Kindern vorschreiben, wie sie miteinander zu sprechen haben, ist übertrieben. Die Kinder finden immer einen Weg, um miteinander zu kommunizieren.» Der gleichen Meinung ist User «Beelzebub»: «Solange man zuhause und auf dem Spielplatz schweizerdeutsch spricht, geht da nichts verloren.»

«Dialekt soll man zuhause lernen»

Auch Reto Meier versteht «diese Stammtischdiskussion» nicht: «Schweizerdeutsch ist ein Dialekt und keine Sprache. Ich kenne kein Land der Erde, das in der Schule Dialekt unterrichtet. Wozu auch? Das lernt man zu Hause.» Maggie kontert: «Es geht doch nicht in erster Linie um Schweizer- oder Schriftdeutsch als Unterrichtssprache, sondern um die vielen Kinder, die kein Schweizerdeutsch zu Hause hören und es so nicht lernen.»

Siri kann Schweizerdeutsch

Unterstützung erhält sie von Leserin Sabrina Fontana. Würde es nach ihr gehen, sollten nicht nur die Schüler untereinander, sondern auch die Lehrkräfte früh genug beginnen, schweizerdeutsch zu sprechen: «Ich würde es begrüssen, wenn schon im Kindergarten Mundart geredet wird! Ich bin selber zweisprachig aufgewachsen, lege aber grossen Wert darauf, dass meine Kinder Baslerdeutsch reden.»

Heisst es jetzt Kartoffel oder Härdöpfel?

Für Leserin Minni ist die ganze Aufregung um die Unterrichtssprachen unverständlich. Schliesslich geht es doch darum, dass mindestens 30 Prozent der Kinder mit Mundart als Muttersprache in einer Klasse sind, die Unterrichtssprache bleibe ja trotzdem Hochdeutsch – und auch da versteht sie den Ärger nicht: «Hochdeutsch ist doch auch ein Schweizer Kulturgut! Die meisten unserer Bücher sind auf Hochdeutsch verfasst, unser TV-Programm ist hochdeutsch, sämtliche Beschilderungen und Informationen – selbst unsere Gesetzesbücher. Hochdeutsch ist der einzige Dialekt, der auch über die Kantönligrenze hinaus gleich ist!»

Edith nimmt dies dennoch zum Anlass, ihrem Ärger über die vielen hochdeutschen Begriffe in der Schweizer Sprache Luft zu machen: Sie findet es schade, wenn Kinder nicht nur in der Schule hochdeutsch sprechen, sondern auch in der Freizeit. Beispiele dafür liefert sie auch gleich mit: «Kartoffel statt Härdöpfel, Mittagessen statt Zmittag, Treppe statt Stägä.»

Userin Lilu fragt «Warum schade?» und führt aus: «Wichtig ist doch nur, dass sich alle verstehen. Unsere Kinder sagen auch Pferd und nicht Ross. Und in unserem Dorf leben 98 Prozent Schweizer. Warum immer das Getue um die Sprache? Wenn man sich versteht, ist es doch egal, ob man Pneu oder Autoreifen sagt – Sprachen verändern und bewegen sich eben.» Ginge es nach Stefan, würde sich die Angelegenheit ganz leicht klären lassen – er fordert: «Lernt Hochdeutsch! Den Dialekt könnt ihr ja trotzdem behalten.»

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