Shincheonji: «Hochproblematische Organisation» wirbt auf Instagram junge Mitglieder an

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Shincheonji«Hochproblematische Organisation» wirbt auf Instagram junge Mitglieder an

Die 28-jährige C.N. wird auf Instagram zu einem Online-Bibel-Event eingeladen. Hinter dem Event steckt die südkoreanische Gruppierung «Shincheonji». Ein Experte warnt vor der umstrittenen neureligiösen Bewegung.

von
Seline Bietenhard
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Diese harmlos klingende Nachricht erhält die 28-jährige C.N.* auf Instagram von einer Unbekannten zugeschickt.

Diese harmlos klingende Nachricht erhält die 28-jährige C.N.* auf Instagram von einer Unbekannten zugeschickt.

Privat
Als sie jedoch etwas recherchiert, stösst sie auf die südkoreanische neureligiöse Bewegung «Shincheonji». (Symbolbild)

Als sie jedoch etwas recherchiert, stösst sie auf die südkoreanische neureligiöse Bewegung «Shincheonji». (Symbolbild)

20min/Marco Zangger
«Shincheonji ist eine hochproblematische Organisation», sagt Georg Schmid von der Infostelle Relinfo. «Wir warnen junge Leute aktiv vor der Gruppierung.» (Symbolbild)

«Shincheonji ist eine hochproblematische Organisation», sagt Georg Schmid von der Infostelle Relinfo. «Wir warnen junge Leute aktiv vor der Gruppierung.» (Symbolbild)

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

«Guten Abend, interessierst du dich für Fragen zu Gott und der Welt»: Damit beginnt die harmlos klingende Nachricht, welche die 28-jährige St. Gallerin C.N.* auf Instagram erhält. Die Absenderin der Nachricht habe zuvor einige ihrer Bilder auf der Plattform gelikt und ihr dann die Nachricht gesendet. «Ich kenne die Frau nicht, sie ist mir vorher nie aufgefallen», sagt die 28-Jährige.

Die Unbekannte lud sie zu einem Online-Bibel-Event ein, der von der Kirche «New Heaven New Earth» durchgeführt wird. «Als ich die Nachricht erhielt, war ich gleich skeptisch», sagt N. Durch eine Google-Suche fand sie heraus, dass es sich dabei um «Shincheonji» handelt, eine neureligiöse Bewegung aus Südkorea. «Ich wurde gleich stutzig und dachte mir, dass es sich hier um eine Sekte handelt.»

«Noch nie erlebt, dass mich solche Leute auf Instagram kontaktieren»

Nach ihrer Recherche löschte die St. Gallerin die Nachricht und blockierte die Frau. «Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass ich von einer Sekte auf Instagram angeschrieben werde», sagt N. Sie habe auch schon erlebt, dass Leute anderer Gruppierungen sie auf der Strasse angesprochen hatten, jedoch noch nie via Social Media. «Ich finde es sehr frech, wie aufdringlich die Leute geworden sind», sagt die 28-Jährige. Es gebe genügend Leute, die auf solche Maschen hereinfallen würden.

«Die Leute werden mit Zuneigung überschüttet»

«Shincheonji ist eine hochproblematische Organisation», sagt Georg Schmid von der Infostelle Relinfo. «Wir warnen junge Leute aktiv vor der Gruppierung.» Wie er sagt, würden Mitglieder systematisch von ihrem sozialen Umfeld isoliert und massiv finanziell und zeitlich beansprucht. «Von ihnen wird eine bedingungslose Unterordnung der Gemeinschaft verlangt», sagt Schmid. In Zürich sei Shincheonji, die heute vor allem unter dem Namen «New Heaven New Earth» auftritt, seit 2010 aktiv. «Ab 2018 erfuhr die Gruppe starken Zuwachs», sagt Schmid. Zuvor sei besonders an Bahnhöfen wie am Zürich HB oder am Bahnhof Stettbach missioniert worden, um neue Mitglieder anzuwerben.

«Seit Corona hat sich die Anwerbung ins Internet, besonders auf Social Media, verlagert», so Schmid. «Typischerweise wenden die Werbenden ‹Love Bombing› an. Die Leute, die sie anwerben, werden mit Zuneigung, Interesse und Sympathie überschüttet», sagt Schmid. So bieten sich die Shincheonji-Leute beispielsweise als beste Freundinnen oder Freunde an. «Für einsame Menschen und für Leute in einer schwierigen Situation kann dies extrem anziehend wirken», sagt Schmid weiter. Relinfo macht auf die versteckte Werbung aufmerksam und auch auf die Strategie des «Love Bombing». 

*Name der Redaktion bekannt.

Kennst du die Shincheonji-Gemeinschaft?

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, von einer Glaubensgemeinschaft unter Druck gesetzt?

Hier findest du Hilfe:

Infosekta, Fachstelle für Sektenfragen, Tel. 044 454 80 80

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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