Aktualisiert 23.08.2005 07:12

Hochwasser: Zwei Tote, über 1000 Evakuierte

Das Hochwasser stürzt den Kanton Luzern ins Chaos. Zwei Feuerwehrleute kamen ums Leben, 1000 bis 1400 Leute sind evakuiert worden. Der Verkehr ist zusammgengebrochen. Es gibt Stromausfall. Neuerdings ist auch Trinkwasser verschmutzt.

Die Situation sei seit Sonntagabend eskaliert, erklärte der kantonale Feuerwehrinspektor Hanspeter Spring an einer Medienkonferenz in Luzern. Der Regierungsrat sei sehr betroffen und traure um die beiden Feuerwehrleute, die ums Leben gekommen sind, sagte Sicherheitsdirektorin Yvonne Schärli.

Der Unfall ereignete sich auf der Liegenschaft Schwendi in Entlebuch. Dort wurde die Feuerwehr kurz nach 23 Uhr gerufen, weil Wasser ins Haus drang. Als man eine Sperre errichten wollte, kam der Hang ins Rutschen. Zwei Feuerwehrleute konnten sich durch einen Sprung retten, einer konnte sich aus den Schlammmassen befreien. Zwei wurden verschüttet. Für sie kam jede Hilfe zu spät.

1000 bis 1400 evakuierte Personen

An der Kleinen Emme zwischen Wolhusen und Emmen mussten in der Nacht zwischen 1000 und 1400 Personen evakuiert werden. In Littau geschah dies auch wegen der Gefahr einer Gasexplosion. Dort hatte das Wasser einen Steg mit Gasleitung über den Fluss weggerissen. Die Gasleitung blieb während Stunden leck.

Erst vereinzelte Personen konnten inzwischen in ihre Wohnungen zurückkehren. Die Evakuierten sind in Schulhäusern und Zivilschutzanlagen untergebracht. Samariter, Zivilschützer und weitere Helfer betreuen sie.

Beim Unwetter kam eine noch nicht bekannte Zahl von Tieren ums Leben. In Emmen und Wolhusen fiel der Strom aus. In Emmen, aber auch im Entlebuch und in Willisau funktioniert teilweise auch der Telefonverkehr nicht mehr. Im Entlebuch kann Radio DRS nicht mehr empfangen werden. In Sempach und Wolhusen gab es Schäden an Heizöltanks.

Am Montagmorgen kam es in Emmen und in Rothenburg zu Verschmutzungen des Trinkwassers. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, das Leitungswasser vor Gebrauch abzukochen.

Blockierte Verkehrswege

Chaos herrscht auch auf den Verkehrswegen. Auf der Schiene ist Luzern praktisch nur noch über die Strecke Meggen-Immensee zu erreichen. Die A2 ist zurzeit noch offen, doch gibt es in der Agglomeration Luzern Staus oder Kolonnenverkehr. Ausserdem könnten erneute Regenfälle zu einer Schliessung der Autobahn führen.

Von der Umwelt abgeschlossen ist das Entlebuch durch verschiedene Erdrutsche. Ebenfalls abgeschlossen ist die Region Willisau. Das Tal der Kleinen Emme zwischen Wolhusen und Emmen ist durch Hochwasser blockiert. Gesperrt ist auch die A14 von Luzern Richtung Zug. Das Seetal ist von Luzern aus nicht mehr zu erreichen. Gesperrt ist ferner die Verbindung Buchrain-Inwil.

Über die Höhe des Schadens können noch keine verlässlichen Angaben gemacht werden. Laut Feuerwehrinspektor Spring ist der Schaden an Gebäuden, Strassen, Land und Tieren aber sehr gross.

Rund drei Viertel der Feuerwehren des Kantons Luzern, etwa 3500 Leute, stehen neben Zivilschutzkräften, Polizei, Rettungsdiensten und Gemeindestäben im Einsatz. Zurzeit wird abgeklärt, wo das Militär eingesetzt werden kann. Ein entsprechendes Hilfsgesuch soll noch am Montagmorgen gestellt werden.

Die Bevölkerung wurde aufgerufen, in den Häusern zu bleiben. Unnötige Fahrten sollen vermieden, Schadengebieten generell gemieden werden.

(sda)

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