Aktualisiert 19.06.2015 10:14

Spitalfusion «Hochzeit» der Spitäler lässt Patienten pendeln

Sechs Berner Spitäler schliessen sich zur Insel Gruppe AG zusammen. Auf dem Land wird die Grundversorgung, in der Stadt die Spitzenmedizin angeboten.

von
sie
Die Fusion von Inselspital und Spital Netz Bern zum grössten Spital der Schweiz wird ab 2016 Tatsache.

Die Fusion von Inselspital und Spital Netz Bern zum grössten Spital der Schweiz wird ab 2016 Tatsache.

Sechs öffentliche Spitäler der Region gehören ab 2016 zusammen. Insel- und Tiefenauspital sowie die Krankenhäuser in Münsingen, Aarberg, Riggisberg und Belp schliessen sich zur Insel Gruppe AG zusammen. Dies verkündete am Donnerstag Regierungsrat Philippe Perrenoud vor den Medien.

Das Besondere am neuen Verbund dürfte für die Patienten das «abgestufte Versorgungskonzept» sein: Die Grundversorgung soll künftig im Landspital, die spezialisierten Behandlungen im Stadtspital Tiefenau und hochspezialisierte Behandlungen und Eingriffe am Unispital stattfinden. «Egal, wo der Patient eintritt, er wird aufgrund seiner Krankheit oder seiner Verletzung am richtigen Ort abgeklärt und therapiert und muss nicht von Pontius zu Pilatus pilgern, um richtig behandelt zu werden», so Holger Baumann, Vorsitzenden der Geschäftsleitung. Weil alle Spitäler auf die Patienten-Daten Zugriff hätten, würden Mehrfach-Untersuchungen unterbunden werden, so Baumann. «Davon profitiert der Steuerzahler.»

Für eine Operation drei Spitäler besucht

Wie das «abgestufte Versorgungskonzept» vonstatten gehen soll, skizziert Hans-Peter Kohler, stellvertretender Ärztlicher Direktor der Insel Gruppe AG an einem fiktiven Fall: «Ein Patient unterzieht sich im Landspital Münsingen einer Herz-Ultraschalluntersuchung, die durch einen Kardiologen aus dem Tiefenauspital vor Ort durchgeführt wird.» Aufgrund des Befundes würde der Patient ins Tiefenauspital verlegt und dort eine schwere Herzkrankheit diagnostiziert. «Der Patient wird danach ins Inselspital verlegt, wo er operiert wird, danach wird er wieder nach Münsingen gebracht, wo die Nachkontrolle stattfindet.»

Patienten nah bei Verwandten

«Eigentlich sollten ja die Ärzte zum Patienten im Spital», so Margrit Kessler, Präsidentin von der Stiftung SPO Patientenschutz. Da kleine Spitäler oftmals keine Spezialisten hätten, sei klar, dass sich Patienten bei komplizierteren Eingriffen in grössere Institutionen begeben müssten. Kessler gewinnt dem Zusammenschluss Positives ab: «Wenn Patienten zur Genesung wieder ins Landspital verlegt werden, sind sie näher an ihrem Zuhause und ihren Verwandten», dies sei durchaus wünschenswert. Dennoch wünsche sie sich, dass der Zusammenschluss der Spitäler wissenschaftlich begleitet werde, um zu zeigen, ob die Patienten wirklich davon profitierten.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.