Glarus: Hochzeit von Feuerwehrmann fiel beinahe ins Wasser
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GlarusHochzeit von Feuerwehrmann fiel beinahe ins Wasser

Den 3. Oktober 2020 wird das frisch vermählte Ehepaar Brändli nie mehr vergessen: Feuerwehrmann Reto Brändli stand wegen des Hochwassers in Glarus im Einsatz – obwohl er an diesem Tag seine Janine heiratete. Darum war viel Improvisationstalent gefragt.

von
Daniela Gigor
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Das frisch vermählte Ehepaar Brändli. 

Das frisch vermählte Ehepaar Brändli.

zvg
Nach einem verregneten Morgen mit Hochwasser schien am Samstag auch für das frisch verheiratete Paar Brändli wieder die Sonne. 

Nach einem verregneten Morgen mit Hochwasser schien am Samstag auch für das frisch verheiratete Paar Brändli wieder die Sonne.

Das Jawort musste sich das Paar am Samstag ohne seine festlichen Hochzeitskleider geben. 

Das Jawort musste sich das Paar am Samstag ohne seine festlichen Hochzeitskleider geben.

Darum gehts

  • Um 8.04 Uhr am Samstag hat die Feuerwehr Grosstal Süd ihre Mitglieder zu einem Alarmeinsatz aufgeboten.
  • Auch Reto Brändli (33) ist ausgerückt, obwohl er am Samstag heiratete.
  • Er musste sich beeilen, um seinen Termin auf dem Standesamt um 13.45 Uhr wahrnehmen zu können.

Auf den 3. Oktober 2020 hatten sich Reto Brändli und Janine Oberholzer lange gefreut. An diesem Tag gabs sich das Paar das Jawort vor dem Standesamt in Schwanden GL. Als der Tag näher rückte, war alles bis aufs Detail vorbereitet und rund 80 Gäste eingeladen, um den schönsten Tag mit dem Liebespaar zu feiern. Doch erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt: «Um 8.04 Uhr erhielt ich wegen Hochwasser den Alarm der Feuerwehr Grosstal Süd. Ich dachte mir, okay, jetzt wird die Strasse kurzfristig gesperrt», sagt Brändli. Als er gegen 11.30 Uhr noch immer im Einsatz war und weitere Einsatzkräfte mobilisiert wurden, sei es ihm langsam etwas schmuch geworden.

Wegen der heftigen Regenfälle am Samstag sind im Kanton Glarus rund 1500 Menschen von der Aussenwelt abgeschnitten worden. In Diesbach mussten gar 13 Personen evakuiert werden. Die Kantonsstrasse musste gesperrt werden, gleichzeitig stellte die SBB den Betrieb auf der Strecke Schwanden–Linthal ein. Und der Bräutigam war mitten drin und bekämpfte die Wassersmassen.

«Mir lief tatsächlich die Zeit den Bach hinunter»

Brändli: «Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch gar nicht, ob die Hochzeit stattfinden kann. Für die Gäste war es gefährlich im Kanton Glarus vom Norden nach Süden zu gelangen, weil sie ihr Weg durch Diesbach führte.» Nach Absprache mit dem Feuerwehrkommandanten wurde kurzerhand ein Shuttle-Dienst eingerichtet und ein Parkplatz für die Gäste im Kieswerk organisiert.

Viel Zeit für alles Organisatorische blieb Brändli nicht, denn der Termin auf dem Standesamt war um 13.45 Uhr angesetzt und er musste sich nach seinem Einsatz noch frisch machen und umziehen. Seine zukünftige Ehefrau sass am Vormittag ohne ihr weisses Brautkleid in Glarus Nord beim Coiffeur und bei der Kosmetikerin, um sich auf ihren grossen Tag vorzubereiten und sie wusste nicht, was ihr noch bevorstand. Brändli: «Mir lief tatsächlich die Zeit den Bach hinunter.» Ihm sei es nicht mehr möglich gewesen, nach Hause zu gehen und seinen Hochzeitsanzug anzuziehen. Auch konnte er seiner Zukünftigen das Brautkleid nicht mitbringen. Es sei nur noch so viel Zeit geblieben, die Hochzeitsringe zu beschaffen.

Das Jawort gaben sie sich ohne Hochzeitskleider

Darum trafen sie sich ohne festliche Kleider vor dem Standesamt wieder. Brändli: «Ich erschien in Jeans und einem Hemd und Janine lieh sich die Kleider bei der Mutter ihrer Trauzeugin aus.» Glück hatte das Brautpaar, dass dort ausser ihnen und den Trauzeugen keine weiteren Gäste erwartet wurden. «Weil der Raum des Standesamts recht klein ist, durften wir unsere Gäste wegen Covid zur Trauung nicht einladen», sagt Brändli.

Nachdem das Paar sich das Jawort gegeben hatte, ging es als Erstes nach Hause, wo das Paar doch noch die vorgesehenen Kleider anziehen konnte. Mit rund eineinhalb Stunden Verspätung trafen die frisch verheirateten Brändlis bei ihren Gästen ein und das Fest konnte seinen Lauf nehmen. Ins Wasser fielen jedoch die geplanten Beiträge der Feuerwehr und des Arbeitgebers von Brändli: «Ich möchte mich trotz allem bei allen Beteiligten bedanken, dass dank ihrer Hilfe unsere Hochzeit doch noch wie geplant stattfinden konnte.»

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