10.09.2018 18:27

Kein Ring am Finger

Hochzeitspaare pfeifen auf den Trauring

Paare heiraten vermehrt ohne Ehering. Laut Trauungsexperten halten sie diesen für zu teuer oder zu konventionell. Beliebt seien Tattoos oder Ketten.

von
B. Zanni
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Einen Ehering sucht man an den Fingern von Sarah und Jan van Berkel vergeblich.

Einen Ehering sucht man an den Fingern von Sarah und Jan van Berkel vergeblich.

Screenshot/Instagram
Auch Hochzeitsplanerin Fabienne Margot Müller von Wedding à la carte beobachtet einen Trend in Richtung ringlose Trauung. «Es gibt Paare, die gar nichts tauschen oder Alternativen zum Ehering wählen», sagt Müller, die vor allem Kunden im Alter zwischen 25 und 40 Jahren begleitet. Beliebt seien bei einigen Tattoos.

Auch Hochzeitsplanerin Fabienne Margot Müller von Wedding à la carte beobachtet einen Trend in Richtung ringlose Trauung. «Es gibt Paare, die gar nichts tauschen oder Alternativen zum Ehering wählen», sagt Müller, die vor allem Kunden im Alter zwischen 25 und 40 Jahren begleitet. Beliebt seien bei einigen Tattoos.

Privat
Prinz William trägt keinen Ehring. Er fühlt sich unwohl mit Ring am Finger.

Prinz William trägt keinen Ehring. Er fühlt sich unwohl mit Ring am Finger.

AP/Ferdinand Ostrop

Ex-Eiskunstläuferin Sarah Meier und Jan van Berkel haben kürzlich den Bund fürs Leben geschlossen. Einen Ehering sucht man am frischgebackenen Ehepaar aber vergeblich. «Wir haben keinen Ehering. Mein Verlobungsring ist gleichzeitig mein Ehering», erklärte Meier, die neu den Nachnamen van Berkel trägt, dem Portal Nau.ch. Zwei Ringe für sie alleine hätten keinen Sinn gemacht – ihr Mann möge keinen Schmuck.

Die van Berkels sind nicht das einzige Paar, das mit der Tradition bricht. «Bei jungen Paaren sind Eheringe nicht mehr ganz so beliebt wie früher», sagt Mike Bucher, Zeremonienleiter und Gründer des Netzwerks Traumich.ch. Die Schmuckstücke seien im Budget vieler junger Hochzeitspaare ein beachtlicher Posten. «Ein schlichter Goldring kostet rund 1000 Franken. Der Ehering der Frau ist häufig noch mit einem Edelstein versehen. Da kostet ein Ring dann schnell 3000 Franken.» Oft sparten die Paare das Geld lieber für Erlebnisse. «Die Flitterwochen verbringen sie dann zum Beispiel auf Hawaii statt in Griechenland.»

Liebe in die Haut gestochen

Auch Hochzeitsplanerin Fabienne Margot Müller von Wedding à la carte beobachtet einen Trend in Richtung ringlose Trauung. «Es gibt Paare, die gar nichts tauschen oder Alternativen zum Ehering wählen», sagt Müller, die vor allem Kunden im Alter zwischen 25 und 40 Jahren begleitet. Beliebt seien bei einigen Tattoos. «Die Paare tragen dann statt eines Rings ein Ring-Tattoo am Finger.» Andere liessen sich vor der Trauung ein gemeinsames Motiv stechen. «Ein Paar trägt zum Beispiel zwei verschmelzende Herzen am Fussgelenk.» Auch verbänen Verheiratete ihre Liebe mit einer Halskette.

Auch Annabelle Meyer-Leisinger von Belle Wedding stellt fest, dass sich Paare eher trauen, von der Tradition wegzukommen. «Manche Männer tragen eine Uhr statt einen Ring», erzählt sie. Oder es gebe auch Bräute, die den Verlobungsring als Trauring verwendeten, während sie ihren Bräutigamen einen klassischen Trauring ansteckten.

Männliche Alternativen

Das bestätigt auch Evelyne Schärer von der Perfect Day GmbH. «Der Verlobungsring erlebt ein Revival», sagt die Hochzeitsplanerin. Lange Zeit hätten Frauen von ihren Verlobten gar keine Verlobungsringe mehr erhalten. «Mittlerweile ist es aber so, dass man den Ehering zum Verlobungsring trägt.» Bei ihren Kunden fällt ihr vor allem auf, dass sie gerne unterschiedliche Ringe tragen. «Manchmal sieht sich ein Mann in seiner Männlichkeit eher durch einen Siegel- oder Karbonring als durch den klassischen Ehering unterstützt, während die Frau einen Diamantring trägt.»

Laut den Fachpersonen hat der Ehering oft ausgedient, weil Paare Trauringe als zu konventionell betrachten oder ein Ehepartner nicht gerne Schmuck trägt. «Auch früher trugen manche Männer nicht gerne Ringe. Sie waren aber eher bereit, den Ring an ihrem Finger zu erdulden», sagt Mike Bucher.

Kirchenvertreter zeigen sich offen gegenüber dem Trend. Jedes Paar könne für sich selbst entscheiden, ob es einen Ehering wolle oder nicht, sagt Matthias Spiess, Generalsekretär der Schweizerischen Evangelischen Allianz. «Der Ehering hat keine religiöse Bedeutung. Das Schmuckstück ist höchstens ein gemeinsames und öffentliches Zeichen der Zusammengehörigkeit des Paares.»

Geschichte des Eherings

In der Antike trugen meist nur Frauen einen aus Eisen geschmiedeten Ehering. Ursprünglich überreichte der Mann den Ehering der Frau, um zu bestätigen, dass er ihre Mitgift erhalten hatte. Eine kirchliche Bedeutung erhielt das Schmuckstück rund 850 nach Christus. Als christliches Symbol stand der Ehering nun für Bindung, Treue und Beständigkeit. Da Hochzeiten aus Liebe die Zwangsehen zu verdrängen begannen, trugen neben den Frauen auch die Männer einen Ehering. Als Schmuckstück ohne Anfang und Ende symbolisiert der Ring, dass die Beziehung des Paares und der Bund mit Gott ewig währen sollen.

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