Manager gefeuert: Hockey-Basel lebt auf zu grossem Fuss
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Manager gefeuertHockey-Basel lebt auf zu grossem Fuss

Zu gut, zu teuer: Die EHC Basel AG kann sich Beat Kaufmann (58) nicht mehr leisten und «feuert» deshalb den Manager. Das kommt dem Ende aller Aufstiegsträume gleich.

von
Klaus Zaugg
Beat Kaufmann bleibt dem EHC Basel nur noch bis Ende September erhalten.

Beat Kaufmann bleibt dem EHC Basel nur noch bis Ende September erhalten.

Basel kann einfach keine Hockey-Stadt mehr werden. Die Begeisterung der 1950er Jahre kehrt nicht mehr zurück: Der Rauswurf von Manager Beat Kaufmann ist zugleich das Ende aller Träume von einer Rückkehr in die höchste Liga.

«Feuern» steht beim Abgang von Kaufmann in Anführungszeichen, weil der Berner bei der EHC Basel Eishockey AG nicht angestellt war. Er ist einer der profiliertesten Manager im Schweizer Hockey, arbeitete seit der Saison 2007/08 im Mandat als CEO und hat Hockey-Wunder vollbracht: Den Abstieg im Frühjahr 2008 in die NLB konnte er zwar nicht mehr verhindern. Nach der Relegation aus der NLA steht das Unternehmen auf den Nullpunkt. Von der Abstiegsmannschaft bleibt noch ein einziger Spieler (Martin Wüthrich). Doch Kaufmann gelingt es, aus dem «Nichts» ein playofftaugliches NLB-Team aufzubauen, und letzte Saison erreichten die Basel Sharks bereits wieder den 6. Platz in der NLB.

Kaufmann an Belastungsgrenze?

VR-Präsident Matthias Preiswerk begründet das Ende der «Ära Kaufmann» denn auch offiziell mit der angespannten finanziellen Lage und rühmt seinen abgesägten Manager: «Ohne seinen vorbildlichen Einsatz und sein grosses Engagement würde es in der Region Basel kein Spitzeneishockey mehr geben.» Es sei dem Verwaltungsrat jedoch nicht verborgen geblieben, dass Kaufmann seit einiger Zeit mit all seinen Verantwortlichkeiten zunehmend an seine Belastungsgrenze gestossen sei. Das tönt zwischen den Zeilen nach einem Burnout. «Nein, nein» stellt Kaufmann gegenüber 20 Minuten Online klar. «Mir geht es gesundheitlich bestens. Aber es stimmt, ich habe mit stark und oft mit mehr als 100 Prozent für die Sharks engagiert.»

Über die Gründe der Trennung schweigt sich der ehemalige Meisterspieler (SC Bern, Lugano) aus, im Zorn geht er nicht. «Mein Mandat läuft bis Ende September weiter und bis dahin werde ich meine Nachfolger einarbeiten. Aber ich treffe ab sofort keine Entscheidungen mehr.»

Zu wenig Geld vorhanden

Der ehemalige geschäftsführende Präsident des HC Lugano (unter Kaufmann holte Lugano 2006 seinen bisher letzten Titel) wird in Basel nicht ersetzt. Die schöne sechsstellige Summe für dieses Mandat wird gespart. Kaufmann ist also primär ein «Sparopfer». Die paar Meinungsverschiedenheiten (u.a. hatte sich Kaufmann für den Posten eines Liga-Managers beworben) hätten bei gesunden Finanzen nicht zum Bruch geführt.

Die Basler leben mit einem Budget von rund drei Millionen und einem Zuschauerschnitt von lediglich 1363 Fans pro Qualifikationspartie ganz einfach auf zu grossem Fuss und verlieren pro Jahr gut und gerne eine Million. Sie können sich einen Manager wie Kaufmann ganz einfach nicht mehr leisten. Selbst in der Saison 2005/06, als nach dem Aufstieg in die NLA auf Anhieb die Playoffs auf dem 6. Platz (!) erreicht wurden, kamen im Schnitt nicht mehr als 3300 Fans pro Partie in einer der funktionellsten und besten Arenen des Landes.

Der kanadische Trainer Dany Gelinas wird nach Kaufmanns Abgang auch Sportchef und die administrativen Arbeiten werden, so die offizielle Sprachregelung, «vom bisherigen Team der Geschäftsstelle übernommen.» Es ist die schmerzhafte Anpassung der Führungs-Strukturen an die knappen Finanzen – und letztlich auch das Ende aller Träume von einer Rückkehr in die höchste Spielklasse.

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