Zusatzrunden: Hockeyfans protestieren gegen «Overtime»
Aktualisiert

ZusatzrundenHockeyfans protestieren gegen «Overtime»

Die Hockey-Meisterschaft geht am Wochenende in die Verlängerung. Das passt den Fanklubs ganz und gar nicht.

von
Herbie Egli

Playoff-Zeit ist die schönste Zeit im Eishockey. Die Saison beginnt wieder von vorne, die Spieler zeigen noch mehr Emotionen. Bis es in der Schweiz jeweils so weit ist, werden innert rund fünf Monaten 50 Qualifikationsrunden ausgetragen. Dies ist seit drei Jahren der Fall. Zuvor waren es bloss deren 44. Dass die Vereine seither sechs weitere Spiele austragen müssen, finden die Fanklubs überflüssig. «Es geht nur noch ums Geld der Klubs. Die Meisterschaft wird verfälscht», stört sich der SCB-Fanklub «Szenebern» an den Zusatzspielen.

Diese zusätzlichen Partien werden in drei regionalen Vierergruppen (Genf/Bern/Biel/Fribourg, Langnau/Zug/Ambri/Lugano und Kloten/ZSC/Rapperswil/Davos) ausgetragen. Damit entfallen weite Reisewege. Wegen der Einteilung kommt es aber zu zusätzlichen Derbys, die gemäss «Szenebern» «totgespielt werden». Der EHC Biel und der SC Bern mussten zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember 2010 aufgrund der etwas unglücklichen Spielplangestaltung innerhalb von gut einem Monat tatsächlich fünfmal gegeneinander antreten.

Mit Transparenten Ausrufezeichen setzen

Dass die Fans den Spielplan der National League ändern können, ist wohl ein unmögliches Unterfangen. Dennoch machen Sie ihrem Unmut in den letzten sechs Spielen der Qualifikation auf visuelle Art Luft – klubübergreifend. In den Stadien werden Transparente mit der Aufschrift «50 Spiu si 6 Zviu» hängen. Zusätzlich werden in der 10. Minute des ersten Drittels jeweils in beiden Fankurven weitere Banner gezeigt. Die Gestaltung dieser Transparente war jedem Fanklub freigestellt. Bereits letzte Saison wurden solche Aktionen durchgeführt. Damals machten allerdings noch nicht alle Fanklubs mit.

Die Schweizer Fans sind mit 50 Qualifikationsrunden aber noch gut bedient. In der NHL werden in der Regular Season 82 Spiele ausgetragen und die Reisewege sind viel weiter. Auch in den grossen europäischen Ligen werden mehr Qualifikationsspiele als in der Schweiz ausgetragen. In der russischen KHL sind es 56, in der schwedischen Elitserien 55 und in der tschechischen Extraliga 52.

«Entscheid fiel damals einstimmig aus»

Beim Schweizerischen Eishockeyverband nimmt man die Protestaktion wie letztes Jahr zur Kenntnis. «Bei der Gesellschafter-Versammlung der Nationalliga 2007 stimmten die Klubvertreter der Erhöhung einstimmig zu», sagt National-League-Kommmunikationsleiter Patrick Reber zu 20 Minuten Online. «Man wollte damit auch ein Zeichen setzen, um im internationalen Vergleich sportlich mithalten zu können.»

Anders als die Fans haben die meisten Spieler nichts gegen die vielen Qualifikationsrunden. Sie schnüren die Schlittschuhe viel lieber für einen Ernstkampf als fürs Training.

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