«Time-out» mit Klaus Zaugg: Hockeygott Schläpfer wie Ralph Krueger
Aktualisiert

«Time-out» mit Klaus ZauggHockeygott Schläpfer wie Ralph Krueger

Der EHC Biel hat sich gerettet. Nach einer perfekten Saison. Perfekte Saison? Nach einem Sturz bis hinunter in die Liga-Qualifikation? Ja. Es war eine perfekte Saison. Bessere Unterhaltung war gar nicht möglich.

von
Klaus Zaugg

Obwohl die Mannschaft nie realistische Chancen auf die Playoffs hatte, war es während den 50 Qualifikationsspielen nie langweilig. Zwischendurch gab es bei zwei 6:1-Heimsiegen über den SC Bern sogar Hockey-Festspiele. Der Kampf um den Liga-Erhalt geriet gar zum grossen Kino. Mit der Niederlage erst im 7. Spiel gegen Langnau in der ersten Playout-Runde. Mit den verschenkten Siegen nach 3:1 und 3:0 Führungen gegen Ambri. Die Liga-Qualifikation geriet schliesslich zum Drama. Zwei Niederlagen zum Auftakt. Die Entlassung des Trainers, die Berufung von Kevin Schläpfer zum Trainer und die wundersame Rettung im 7. Spiel. Garniert mit einer kernigen Schlägerei zwischen Thomas Rüfenacht und Thomas Nüssli unmittelbar vor dem ersten Bully. Etwas Vergleichbares hatte es in unserem Eishockey zuletzt Anfang der 1980er Jahre gegeben. Als sich in Fribourg der Kanadier Jeff Bandura und der Davoser This Fergg beim Warmlaufen vaterländisch vermöbelt hatten.

Mehr kann dem Publikum nicht geboten werden

Nun ist Kevin Schläpfer «Hockeygott». Er hatte diesen Titel ja schon, weil er mit Olten, Langnau und Chur als Spieler und mit Biel als Sportchef in die NLB aufgestiegen ist.

Schläpfer ähnelt mit seinem Wesen und Wirken Ralph Krueger viel mehr als er wahrhaben will. Auch Schläpfer verbreitet eine Art «radikalen Optimismus», der die Spieler mitreisst. Und weil er so jovial ist, wird er sehr oft unterschätzt: Schläpfer ist ein schlauer Hund, der sehr genau weiss, wie Machtkämpfe ablaufen, gewonnen und verloren werden. Die Fähigkeit, dafür zu sorgen, dass man unterschätzt wird, ist im Sportgeschäft von heute von unbezahlbarem Wert.

Was ist Schläpfers grösste Leistung als Sportchef des EHC Biel? Der Aufstieg von 2008 oder sein Einsatz als Nothelfer in der Liga-Qualifikation 2009?

Von den eigenen Fehler abgelenkt

Weder noch. Es ist etwas ganz anderes. Keiner seiner Flops - zu viele miserable Ausländer, schwache Goalies - sind in den Medien je richtig thematisiert worden. So gut von den eigenen Fehler wie Schläpfer hat kein anderer Sportchef abgelenkt. Das ist die hohe Schule der Selbstvermarktung und der Kommunikation. So gut ist darin sonst nur noch Krueger.

Schläpfer hat jetzt die Autorität als Sportchef, die ihm bei der Vorbereitung der ersten NLA-Saison gefehlt hatte. Nun hat er das Charisma und das Durchsetzungsvermögen um für seine Wünsche die Zustimmung des Verwaltungsrates zu finden. Alle Flops in der Vorbereitung der ersten NLA-Saison haben ihm die Götter vergeben.

Zwei Fragen stehen im Raum

Aber nun ist es Schläpfers Job, den EHC Biel einen Schritt weiter zu bringen. Erstens durch die richtige Besetzung der Torhüterposition, zweitens durch die Verpflichtung von drei weiteren konkurrenzfähigen Ausländern und drittens durch die Anstellung eines guten Trainers. Mit Reto Berra hat er den richtigen Torhüter geholt. Aber mit Rico Fata steht erst ein brauchbarer NLA-Ausländer unter Vertrag. Bei der Trainerwahl kann er etwas mehr Risiken eingehen - notfalls kann er ja dann selber wieder an die Bande stehen. Biel braucht einen Trainer, der beides ist: Ausbildner und Anheizer. Sozusagen eine Flachlandausgabe von Arno Del Curto.

So viel Glück wie in der Saison 2007/2009 wird Schläpfer nicht noch einmal haben. Hockeygott hin oder her. Er darf jetzt keine Fehler mehr machen.

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