Aktualisiert 25.03.2020 07:54

Keine Fans im Herbst?

Hockeyvereine befassen sich mit Horrorszenarien

Ein Virologe schliesst aus, dass dieses Jahr wieder Sportveranstaltungen mit Zuschauermassen stattfinden können. Das könnte Hockeyclubs zerstören.

von
Marcel Allemann
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Das wünschen wir uns zurück: Eishockeyspiele und begeisterte Fans in den Stadien.

Das wünschen wir uns zurück: Eishockeyspiele und begeisterte Fans in den Stadien.

Keystone/Melanie Duchene
Doch der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit glaubt, dass im Jahr 2020 keine Sportanlässe mit Zuschauermassen im Stadion mehr möglich sein werden.

Doch der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit glaubt, dass im Jahr 2020 keine Sportanlässe mit Zuschauermassen im Stadion mehr möglich sein werden.

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Kann die nächste Eishockeysaison demnach höchstens mit Geisterspielen beginnen?

Kann die nächste Eishockeysaison demnach höchstens mit Geisterspielen beginnen?

Keystone/Alessandro Della Valle

Die Aussage des deutschen Virologen Jonas Schmidt-Chanasit, dass erst im nächsten Jahr Zuschauer in Massen wieder in die Stadien strömen können, schreckte in den letzten Tagen die ohnehin schon arg gebeutelte Sportwelt zusätzlich auf. Bei uns in der Schweiz würde das mitunter nicht nur die noch ausstehende aktuelle und die nächste Fussball-Saison in Frage stellen. Sondern auch die nächste Eishockey-Spielzeit erneut heftig durcheinander wirbeln.

Diese wenig aufbauenden Meldungen bekommen natürlich auch die Entscheidungsträger der Vereine mit. Wie beispielsweise Peter Zahner, CEO der ZSC Lions. «Die Situation ist schon jetzt extrem schwierig für alle. Wenn dann Experten, die sich teilweise gegenseitig widersprechen, solche Aussagen machen, von denen ich auch nicht weiss, ob sie wissenschaftlich belegt sind, habe ich Mühe. So werden Ängste und Unsicherheiten noch zusätzlich geschürt», sagt er dazu.

«Sich nicht damit zu befassen, wäre töricht»

Natürlich wäre Zahner nicht Zahner, wenn er sich nicht trotzdem mit allen möglichen Szenarien befassen würde. Und dazu gehört auch ein solches. «Es wäre töricht, das nicht zu tun. Aber man muss gleichzeitig auch aufpassen, dass man sich nicht verrückt machen lässt. Jetzt ist März, der Meisterschaftsstart ist im September geplant, wir im Eishockey können es uns leisten, nun mal abzuwarten, wie sich die Situation in den nächsten vier Wochen entwickelt», so Zahner. Und danach gelte es jene Szenarien intensiver zu verfolgen, deren Eintreten am wahrscheinlichsten sei.

Eine Meisterschaft im Herbst, die im besten Fall nur mit Geisterspielen bestritten werden könnte, wäre natürlich verheerend für die wegen des ausgefallenen Playoff ohnehin schon in Mitleidenschaft gezogenen Clubs. «Das hätte massivste Auswirkungen im wirtschaftlichen Bereich und auch auf die ganze Gesellschaft», sagt Zahner. Eine logische Folge wäre, dass die Existenz zahlreicher Vereine auf dem Spiel stehen würde.

Auswirkungen bis zum Spengler-Cup?

In einer zumindest etwas komfortableren Lage befindet sich der HC Davos. Aufgrund der zweiten Etappe des Hallen-Umbaus können im Bündner Wintersportort bis Oktober ohnehin keine Meisterschaftsspiele stattfinden, was zumindest etwas zusätzliche Zeit schafft. Allerdings stellt sich in Davos dadurch ein anderes Problem. Können die Bauarbeiten zeitlich überhaupt wie geplant zu Ende gebracht werden?

Dies ist jedoch noch nicht einmal die Hauptsorge in Davos. Wenn 2020 in der Schweiz tatsächlich keine Sportveranstaltungen in vollen Stadien stattfinden könnten, dann würde dies auch den Spengler-Cup betreffen. Und dieser ist der Lebensnerv des HCD.

«Wir haben jetzt März, der Spengler-Cup ist im Dezember. Es bliebe noch genügend Zeit, um sich für den schlimmsten Fall ein Worst-Case-Szenario zu erarbeiten», sagt Marc Gianola, CEO des HC Davos und OK-Präsident des Spengler-Cups. Wie Zahner findet auch er, dass nun einmal gelte, die kommenden Wochen abzuwarten. Das Traditionsturnier mit Geisterspielen abzuhalten, scheint undenkbar. «Wir sind darauf angewiesen, dass wir insgesamt 70'000 Zuschauer im Stadion haben», so Gianola.

Normalerweise können die Hockeyclubs nach dem Saisonende für einige Monate einige Gänge zurückfahren. Doch die Coronavirus-Pandemie wird sie in diesem Jahr auch während dieser Zeit permanent beschäftigen. Sie müssen sich mit diversen Szenarien befassen: Im Idealfall mit einem Saisonstart mit Zuschauern im September, aber auch mit einer Saison 2020/21 mit kleinen oder sogar grossen Einschränkungen.

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