Frankreich: Höchste Terrorstufe macht Spezialeinheiten krank
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FrankreichHöchste Terrorstufe macht Spezialeinheiten krank

Drei Monate nach dem Attentat auf «Charlie Hebdo» gilt in Frankreich weiterhin die höchste Terrorstufe. Die Spezialeinheiten sind erschöpft. Das könnte gravierende Folgen haben.

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Erschöpft, gestresst, gelangweilt: Drei Monate nach dem Attentat auf Charlie Hebdo geht es Frankreichs Polizisten nicht gut.

Erschöpft, gestresst, gelangweilt: Drei Monate nach dem Attentat auf Charlie Hebdo geht es Frankreichs Polizisten nicht gut.

AFP/Jacques Demarthon
Die Beamten spüren die Auswirkungen der strengen Arbeitsbedingungen des Programms «Vigipirate», das seit dem Terroranschlag auf Charlie Hebdo in ganz Frankreich herrscht.

Die Beamten spüren die Auswirkungen der strengen Arbeitsbedingungen des Programms «Vigipirate», das seit dem Terroranschlag auf Charlie Hebdo in ganz Frankreich herrscht.

Keystone/Yoan Valat
Die Polizisten leiden an Erschöpfung und Depressionen. Sie lassen sich nun reihenweise krankschreiben.

Die Polizisten leiden an Erschöpfung und Depressionen. Sie lassen sich nun reihenweise krankschreiben.

Keystone/kay Nietfeld

Drei Monate nach dem Terroranschlag auf die Redaktion des Satiremagazins «Charlie Hebdo» herrscht in Frankreich noch immer höchste Alarmstufe. Für die Beamten der französischen Sicherheitspolizei, der Compagnies Républicaines de Sécurité (CRS), hat dies Folgen: Die Polizisten leiden an Erschöpfung und Depressionen und lassen sich deswegen reihenweise krankschreiben. Dutzende Polizisten meldeten sich in den letzten Tagen gleich im Kollektiv krank.

Laut der Zeitung «Le Parisien» sind vor allem Polizisten in Grossstädten wie Paris, Lyon, Nancy oder Toulouse davon betroffen. Die Beamten spüren die Auswirkungen der strengen Arbeitsbedingungen des Programms «Vigipirate», das besondere Sicherheitsmassnahmen zum Schutz gegen Terrorismus erfüllt.

Denn dabei müssen die Agenten viele Stunden Wache stehen und patrouillieren. «Einige Offiziere standen in den letzten Monaten zwei Wochen lang Wache, ohne Freitage zu bekommen. Einige von ihnen leiden unter schweren Depressionen», sagt Christian Barcouda, Delegierter der CRS in Toulouse.

Müde Polizisten könnten «reale Bedrohung» nicht erkennen

«Die Polizisten sind müde, gelangweilt und zum Teil sehr unzufrieden», sagt Nicolas Comte von der Gewerkschaft der CRS-Angestellten. Weil es ihnen nicht erlaubt ist zu streiken, würden sich jetzt viele krankmelden. Ausserdem: «Viele der Mitarbeiter machen sich Sorgen, dass dieser Arbeitsrhythmus beibehalten bleibt», meint Comte.

Sicherheitsexperte Jean-Hugues Matelly warnt gegenüber Europe 1, dass diese Zustände bei der Polizei schlimmere Konsequenzen haben könnten: «Es besteht die Gefahr, dass daraus ein Mangel an Wachsamkeit entsteht.» Die Beamten könnten eine «reale Bedrohung» nicht mehr als solche erkennen und zu spät darauf reagieren, so Matelly.

Die französische Regierung hat die höchste Alarmstufe bis zum 10. April verlängert. Aus Regierungskreisen hiess es jedoch, dass diese noch «so lange wie nötig» beibehalten wird.

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