«Grundausstattung»: Höchster Schweizer bittet um Gratis-Schnaps
Aktualisiert

«Grundausstattung»Höchster Schweizer bittet um Gratis-Schnaps

Der neue Nationalratspräsident Jürg Stahl (SVP) bat Brennereien, ihm Schnaps zu liefern. Er müsse Gästen im Büro etwas anbieten können.

von
the
1 / 6
Jürg Stahl (SVP, ZH) erhielt zu seiner Wahl Blumen und Wein. Auch an Schnaps fehlt es in seinem neuen Büro nicht.

Jürg Stahl (SVP, ZH) erhielt zu seiner Wahl Blumen und Wein. Auch an Schnaps fehlt es in seinem neuen Büro nicht.

Keystone
Diesen hat er bei verschiedenen Getränkeherstellern per Mail angefragt.

Diesen hat er bei verschiedenen Getränkeherstellern per Mail angefragt.

Keystone/Anthony Anex
Die Spenden der Brennereien hat Stahl jedoch wohl kaum nötig: Als Parlamentarier verdient er inklusive Spesen rund 130'000 Franken im Jahr, als Präsident erhält er eine zusätzliche Zulage von 44'000 Franken.

Die Spenden der Brennereien hat Stahl jedoch wohl kaum nötig: Als Parlamentarier verdient er inklusive Spesen rund 130'000 Franken im Jahr, als Präsident erhält er eine zusätzliche Zulage von 44'000 Franken.

Keystone/Anthony Anex

Verschiedene Getränkehersteller erhielten im November Post vom designierten Nationalratspräsidenten Jürg Stahl. Bald dürfe er seinen neuen Arbeitsplatz beziehen, darum bitte er um eine «Grundausstattung» fürs Büro – in Form von Schnaps. «Ich möchte meine Gäste zwischendurch auch mal überraschen ...», schrieb Stahl.

Mittlerweile hat der Zürcher SVP-Nationalrat das Präsidentenzimmer bezogen. Den Kühlschrank konnte er mit den erbetenen Schnapsflaschen und ein Paar Flaschen Bier füllen, wie er der «Nordwestschweiz» erzählte. Auch sein Lieblingsgetränk Rivella finde im Kühlschrank Platz. Die «Weltwoche» zählte Stahl Ende letzten Jahres zur sogenannten «Weisswein-Fraktion» im Bundeshaus, die schon morgens zur Weinflasche greife.

16'600 Franken Budget für Geschenke und Wein

Die Spende der Brennereien hat Stahl jedoch wohl kaum nötig: Als Parlamentarier verdient er inklusive Spesen rund 130'000 Franken im Jahr, als Präsident erhält er eine zusätzliche Zulage von 44'000 Franken. Zudem besteht für die Präsidenten von National- und Ständerat ein jährlicher Kredit für «Repräsentationsauslagen» von je 16'600 Franken.

Dieser ist laut Parlamentsdiensten für Geschenke gedacht. In der Vergangenheit seien dies etwa Taschenmesser und Notizbücher gewesen. Aber: «Auch der ‹Präsidialwein› läuft über diesen Kredit, sofern die Präsidenten einen solchen wünschen.»

«Keine Steuergelder für Schnaps»

Stahl sieht in den Spenden kein Problem. «Die Lieferanten legten keine Rechnung bei», sagte er. «Wenn sie dies getan hätten, hätte ich selbstverständlich bezahlt.» Nun hofft er, dass sich seine Gäste an den einheimischen Produkten erfreuen werden – das wäre ideale Werbung. «Wir sollten stolz auf unsere Getränke sein, statt ausländische zu konsumieren.»

Seine Vorgängerin Christa Markwalder (FDP) liess sich den Kühlschrank von den Parlamentsdiensten mit Mineralwasser, Saft, Cola und Weisswein auffüllen. Das käme für Stahl nicht infrage: «Für Schnaps sollen keine Steuergelder ausgegeben werden.»

Deine Meinung