Aktualisiert 15.10.2004 13:49

Höchstes Gericht in Rom spricht Andreotti frei

Das oberste italienische Gericht hat am Freitag in Rom den 85-jährigen, langjährigen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti in einem Mafia-Prozess freigesprochen.

Damit endet nach elf Jahren einer der spektakulärsten Polit-Prozesse in Italien.

Mit dem Freispruch bestätische Gericht als letzte Instanz zwei frühere Urteile von Gerichten in Palermo.

Laut der Urteilsbegründung des Berufungsgerichts der sizilianischen Hauptstadt war der Christdemokrat Andreotti der sizilianischen Mafia bis zum Juni 1980 «freundschaftlich» gesonnen, was jedoch keine Taten nach sich gezogen habe.

Nach der Ermordung des Präsidenten der Region Sizilien, Piersanti Matarelli am 6. Juni 1980 habe Andreotti seine Haltung ausserdem geändert und sich persönlich für Gesetze gegen die Cosa Nostra eingesetzt, hiess es in der Urteilsbegründung von 2003, die von den Kassationsrichtern jetzt bestätigt wurde.

Andreotti war gegen das Urteil in Berufung gegangen, weil er von jeglichem Verdacht freigesprochen werden wollte. Im vergangenen Jahr hatte das höchste italienische Gericht ein Urteil gegen ihn aufgehoben, demzufolge er wegen der Beteiligung an einem Mordkomplott eine Haftstrafe von 24 Jahren absitzen sollte.

In diesem Fall wurde ihm vorgeworfen, die Ermordung eines Journalisten in Auftrag gegeben zu haben. Auch dabei war es um Verbindungen zur Mafia gegangen.

Urgestein italienischer Politik

Andreotti ist ein Urgestein der italienischen Politik. Er war zwischen 1972 und 1992 sieben Mal Ministerpräsident und 21 Mal Minister für unterschiedliche Ressorts.

Im Zuge der von der Justiz Anfang der 90er Jahre gestarteten Kampagne gegen Korruption und Mafia-Verstrickungen italienischer Politiker namens «mani pulite» (saubere Hände) wurde auch ihm der Prozess gemacht.

Andreotti gehörte zu den prominentesten Vertretern der italienischen Christdemokratie, die nach dem Zweiten Weltkrieg fast ein halbes Jahrhundert lang in wechselnden Regierungen führend an der Macht beteiligt war. (sda)

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