Lebenslänglich: Höchststrafe für Mörder von Pfäffikon

Aktualisiert

LebenslänglichHöchststrafe für Mörder von Pfäffikon

Der 60-jährige Kosovare, der im August 2011 seine Frau und die Chefin des Sozialdienstes von Pfäffikon ZH erschossen hat, muss lebenslänglich hinter Gitter. Sein Anwalt will Berufung einlegen.

von
kmo

Zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe wegen mehrfachen Mordes hat das Bezirksgericht Pfäffikon ZH am Freitag einen 60-jährigen Mann verurteilt. Der Kosovare hatte im August 2011 seine Frau und die Chefin des örtlichen Sozialdienstes erschossen.

Das Verschulden des Mannes wiege ausserordentlich schwer, sagte Bezirksrichterin Yvonne Mauz am Freitag bei der Urteilseröffnung. Der Mann habe die Tötungen geplant und seine Absichten skrupellos, zielstrebig und kaltblütig realisiert.

Auftakt Prozess Doppelmord Pfäffikon ZH

Sein Motiv sei Rache gewesen: Die Ehefrau habe er bestraft, weil sie sich von ihm getrennt habe, die Sozialdienstleiterin, «weil sie ihre Arbeit tat» und ihm seiner Meinung nach zu wenig Unterstützungsgelder zusprach.

Notorischer Gewalttäter

Keine Entlastung sei der kulturelle Hintergrund des Kosovaren, sagte Mauz: Der Mann lebe seit 1985 in der Schweiz. «Er kannte die Gepflogenheiten», und er habe gewusst, dass sein seit Jahren notorischer gewalttätiger Umgang mit der Familie hierzulande nicht akzeptiert werde.

Der Beschuldigte hätte gemäss Mauz durchaus Alternativen gehabt. Er selbst habe erwogen, in den Kosovo zurückzukehren und «alle in Ruhe zu lassen». Dazu kämen Uneinsichtigkeit und fehlende Reue: Mildernde Umstände gebe es nicht.

Anwalt will Berufung einlegen

Wie Thomas Fingerhut, der Anwalt des Angeklagten, nach dem Prozess sagte, will er gegen das Urteil Berufung einlegen. Die mündliche Begründung der Richterin könne er nicht nachvollziehen. Seiner Meinung nach habe sein Mandant die Taten weder geplant noch seien diese aus einem Rachegefühl entstanden. Der Aussage der Richterin, dass der Mann keine Reue zeige, widerspricht Fingerhut dezidiert: «Er bedauert die Taten unendlich.» Das habe der Anwalt immer wieder gespürt. Doch der 60-Jährige könne seine Gefühle nicht artikulieren, das habe er nie gelernt.

Pistole aus Kosovo mitgebracht

Der psychiatrische Gutachter hatte den Beschuldigten als herrschsüchtigen Patriarchen beschrieben, der seine Frau und die sechs Kinder mit Drohungen und Gewalt in Schach zu halten suchte. Je selbstständiger die Kinder wurden, umso explosiver wurde die Situation in der Familie.

Diese war den Pfäffiker Behörden denn auch seit Jahren bekannt. Die Situation eskalierte vollends im Juni 2011. Nachdem der Mann seine Frau in einem Streit mit einer Schere verletzt hatte, wurde er polizeilich aus der Wohnung weggewiesen. Die Frau wollte die Scheidung.

Nach einem längeren Aufenthalt im Kosovo kam er Anfang August in die Schweiz zurück - mit einer Pistole. Damit begannen laut Gericht die konkreten Vorbereitungen für die Taten. Nachdem erneute Bemühungen, seine Frau zurückzubeordern und mehr Geld von der Gemeinde zu erhalten, fehlgeschlagen waren, war dem Beschuldigten klar: Die Frauen mussten sterben.

Er schoss noch, als sie am Boden lag

Er lauerte der Ehefrau am 15. August auf, als sie von der Arbeit in die Mittagspause kam, folgte ihr, packte sie am Arm und schoss dreimal in Richtung Kopf - auch als sie schon am Boden lag. Dies spielte sich innert weniger Sekunden ab: Die Fahrgäste eines vorbeifahrenden Postautos wurden Zeugen des gesamten Hergangs.

Dann ging der Schütze zum nahen Gemeindehaus. Als die Sozialamtschefin herauskam, sprach er sie an, «um sicherzustellen, dass sie nahe genug war», so Mauz, und schoss ihr in den Kopf, noch bevor die inzwischen alarmierte Polizei eintraf.

In den wenigen Minuten zwischen den beiden Tötungen telefonierte er mit seiner Mutter in den Kosovo, informierte sie über seine Tat und warnte sie vor Blutracheakten. Er sei also keineswegs aufgewühlt gewesen, sondern habe sehr rational gedacht und gehandelt, sagte Mauz.

Zivilforderungen anerkannt

Nach den beiden Tötungen wurde der Mann verhaftet und ist bereits im vorzeitigen Strafvollzug. Er anerkennt die Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen seiner sechs erwachsenen Kinder im Gesamtumfang von 217'000 Franken. Selber zahlen kann er sie ohnehin niemals.

Die Kinder der getöteten Sozialamtsleiterin fordern nichts, wie ihre Anwältin zur Nachrichtenagentur SDA sagte: Sie wollen nicht «Geld verdienen» mit dem Tod der Mutter.

Nach der Urteilseröffnung erklärte Verteidiger Thomas Fingerhut, er werde mit Sicherheit in die Berufung gehen. Vor allem die Tatqualifikation als Mord bestreitet er. Er sieht «nur» vorsätzliche Tötung als gegeben.

Staatsanwalt Roland Geisseler dagegen zeigte sich sehr zufrieden mit dem Urteil. Das Gericht war seinen Anträgen - abgesehen von einem Nebendelikt - vollumfänglich gefolgt.

Anwalt Thomas Fingerhut begründet seinen Entscheid:

(Video: Keystone) (kmo/sda)

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