Höhere Studiengebühren gefordert
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Höhere Studiengebühren gefordert

Economiesuisse-Direktor Rudolf Ramsauer fordert mehr Mut für Reformen. So sollen die Universitäten ihre Studiengebühren massiv erhöhen.

Reformbedarf sieht Ramsauer auch bei der Bildung. Es gebe an den Hochschulen zu viele Studiengänge mit zu wenig Studierenden. Eine Konzentration des Angebotes sei notwendig. Dafür müsse die Autonomie der Universitäten verstärkt werden. Sie müssten frei entscheiden können, welche Studenten sie aufnehmen wollten. Im Gegenzug müssten die Studierenden für eine bessere Ausbildung einen grösseren finanziellen Beitrag leisten. Ramsauer könnte sich jährliche Studiengebühren in der Grössenordnung von 5.000 Franken vorstellen. Alledings müsste parallel zur Anhebung der Gebühren ein Stipendien- und Darlehenssystem einführen, das diesen Namen verdiene.

Die Politik habe es verpasst, in der guten Situation mit einem Wachstum von knapp zwei Prozent im vergangenen Jahr die Reformen zügig anzugehen, sagte der Direktor des Wirtschaftsdachverbandes in einem Interview der «Berner Zeitung» vom Dienstag.

«Ich erwarte vom Bundesrat, dass er Vorschläge macht, die ambitiöser sind als Massnahmen, die auf den ersten Blick an der Urne eine Chance haben», sagte Ramsauer. An erster Stelle seiner Prioritäten stehen die öffentlichen Finanzen, aber auch eine Reform der Sozialversicherungen. «Unsere Idealvorstellung ist, dass die Staatsausgaben höchstens noch im Gleichschritt mit der Teuerung stehen», sagte er. Davon sei man nach dem zweiten Entlastungsprogramm noch weit entfernt. Die vom Bundesrat gemachten Vorschläge zur Steuerreform bezeichnete Ramsauer als ungenügend. «Wir müssen bei der Unternehmenssteuer mit den anderen europäischen Ländern an vorderster Front mithalten können», forderte er.

Auf dem gesamten Binnensektor brauche es zudem mehr Wettbewerb. Ramsauer zeigte sich beispielsweise enttäuscht über die jüngsten Vorschläge des Bundesrates zur Öffnung des Strommarktes. Es bestehe das Risiko, dass nun ein neues Gesetz erarbeitet werde, das sehr viele Elemente zur Förderung von alternativen Energiequellen beinhalte. Doch für die kleinen und mittleren Unternehmen sei der entscheidende Punkt wie viel sie für den Strom im Vergleich zu den Konkurrenten auf der anderen Seite der Landesgrenze bezahlen müssten. Heute liege die Differenz in vielen Fällen bei 30 Prozent.

Ramsauer stellte sich auch hinter die Äusserungen des Direktors des Staatssekretariats für Wirtschaft, Jean-Daniel Gerber, wonach die Schweiz bis in 25 Jahren eines der ärmsten Länder in Westeuropa sein könne. «Er hat Recht. Wenn sich die Trends der vergangenen Jahre in der Zukunft fortsetzen, dann würde dieses Szenario tatsächlich eintreffen», sagte der economiesuisse-Direktor. Er gehe aber davon aus, dass die Schweiz in der Lage sein werde, diese Trends zu brechen. «Wir müssen der Bevölkerung erklären, dass wir die Zukunft verlieren, wenn wir an Vergangenem festhalten», sagte er. (dapd)

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