06.09.2020 17:43

Milliardengewinne von Blocher-Tochter«Höherer Aktienkurs heisst nicht mehr Einnahmen»

Corona hat den Wert der Blocher-Firmen in die Höhe getrieben. Den Vorwurf, von Corona zu profitieren, weist Ems-Chefin und SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher von sich.

von
Bettina Zanni, Pascal Michel
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Der Wert der Ems-Chemie an der Börse ist seit Anfang Jahr auf 19,5 Milliarden Franken gestiegen.

Der Wert der Ems-Chemie an der Börse ist seit Anfang Jahr auf 19,5 Milliarden Franken gestiegen.

KEYSTONE
Ems liefert Corona-Test-Röhrchen, Analysegeräte, Schutzbrillen, Beatmungsmasken und -geräte sowie Desinfektionsfläschchen.

Ems liefert Corona-Test-Röhrchen, Analysegeräte, Schutzbrillen, Beatmungsmasken und -geräte sowie Desinfektionsfläschchen.

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Auch der Firma von Blocher-Sohn Markus, dem Pharmazulieferer Dottikon SE, verhalf das Virus zu mehr Ertrag.

Auch der Firma von Blocher-Sohn Markus, dem Pharmazulieferer Dottikon SE, verhalf das Virus zu mehr Ertrag.

Keystone/Martin Ruetschi

Darum gehts

  • Die Firmen der Blocher-Familie sind deutlich mehr wert als noch im Januar.
  • Laut einem Zeitungsbericht beträgt die Wertsteigerung 3,8 Milliarden Franken.
  • So habe etwa die EMS-Chemie von der Corona-Krise profitiert.
  • Derweil bemüht sich SVP-Doyen Christoph Blocher nachträglich um seine Bundesratsrente.
  • EMS-Chefin Martullo lässt verlauten, auch ihre Firma sei von Corona getroffen worden.

3,8 Milliarden Franken: So viel Wert haben die Firmen der Familie Blocher seit Anfang Jahr zugelegt. Die Ems-Chemie, die von Christoph Blochers Tochter Magdalena Martullo-Blocher geführt wird, konnte ihren Börsenwert in der Corona-Zeit auf 19,5 Milliarden Franken steigern, das sind 30 Prozent mehr als Anfang Jahr. Laut «SonntagsZeitung» kommt hinzu, dass die Ems auch dieses Jahr eine Dividende von 20 Franken je Aktie ausbezahlt hat, was für die Familie einen Zustupf von 320 Millionen Franken bedeutet.

Grund für die Gewinne sind laut der Zeitung auch Geschäfte, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen. Ems liefert Corona-Test-Röhrchen, Analysegeräte, Schutzbrillen, Beatmungsmasken und -geräte sowie Desinfektionsfläschchen. Auch der Firma von Blocher-Sohn Markus, dem Pharmazulieferer Dottikon SE, soll das Virus zu mehr Ertrag verholfen haben: Die Firma wird an der Börse mit 1,4 Milliarden Franken bewertet. Derweil sorgte SVP-Doyen Christoph Blocher für Aufsehen, weil er seine Bundesratsrente von 2,7 Millionen Franken nachträglich einforderte.

«Höherer Aktienkurs bringt keine Zusatzeinnahmen»

«Meine Schwestern und ich sind langfristig an der Ems-Chemie beteiligt. Ein höherer Aktienkurs bringt für uns keine Zusatzeinnahmen, sondern nur höhere Vermögenssteuern zum Bezahlen – und dies trotz tieferem Gewinn im Unternehmen», sagt SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher auf Anfrage. Sie betont weiter, die EMS sei selbst überhaupt nicht in der Herstellung von medizinischem Material tätig. «Unsere Kunden aber setzen Spezialkunststoffe überall dort ein, wo speziell hohe Anforderungen ans Material gestellt werden. Das ist bei vielen Corona-Anwendungen im Ausland auch der Fall.» Die Masken für die Coiffeure hätten sie eingekauft und zu Selbstkosten zur Verfügung gestellt.

«Die Ems-Chemie wurde von der Corona-Krise ebenfalls stark getroffen und verzeichnete wegen der mehrwöchigen Schliessung der weltweiten Autowerke erhebliche Rückgänge im Umsatz und im Gewinn», so Martullo-Blocher. Aufgrund eines Gleitzeitmodells habe man aber auf Kurzarbeit verzichtet und aufgrund der starken finanziellen Situation auch keine Staatsmittel nötig gehabt.

Zur Forderung der SP, Corona-Gewinnler zu besteuern, sagt Martullo-Blocher: «Das unterstütze ich überhaupt nicht.» Unternehmen mit Gewinn zahlten im Schweizer Steuersystem bereits mehr Steuern. Dass man nun denjenigen Unternehmen, die Geld für Forschung, Entwicklung und Investitionen verdienen, dieses Geld noch entziehen will, sei falsch. «Wir alle brauchen erfolgreiche, zukunftsgerichtete Unternehmen mit Arbeitsplätzen für unsere Zukunft. Eines hat Corona klar gezeigt: Der Staat kann die Wirtschaft nicht ersetzen, nicht einmal finanziell.»

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156 Kommentare
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Adam

07.09.2020, 20:49

Es ist glaub ich jetzt alles gesagt. Die CCCP Anhänger wollen erfolgreiche Unternehmen zerstören und die Vernünftigen wollen nicht in einem sozialistischen Paradies ohne Palmen aufwachen.

Kleine feine Unterschiede

07.09.2020, 18:44

Dividenden sind als Kapitalerträge persönlich jährlich zu versteuern. Unternehmenssteuern nach Abschreibungen und Rückstellungen zum Beispiel für Investitionen mit anderen Worten der Gewinn wird klein gerechnet mit dem Effekt weniger Steuern zu zahlen.

Nachdenklicher

07.09.2020, 14:08

Ich gebe allen die hier Schmäh -und oder Neidkommentare schreiben. Macht euch selbständig, tragt das Risiko, gründet eine Firma und werdet reich. Erfolgreiche Firmen sind wichtig für unser Land. Die Familie Blocher beweist, dass man weltweit erfolgreich sein kann, nicht bloss im EU-Markt. Von einem Markt abhängig sein ist so wieso ein Klumpenrisiko.