Untersuchung: Höheres Krebsrisiko für Kinder neben AKW

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UntersuchungHöheres Krebsrisiko für Kinder neben AKW

In einem Fünf-Kilometer-Radius um Atomkraftwerke besteht für Kinder unter fünf Jahren offenbar ein erhöhtes Risiko, an Leukämie zu erkranken. Die deutsche Strahlenschutzkommission bestätigte das Ergebnis der kontroversen Studie vom vergangenen Dezember - ohne aber eine Erklärung für die Ursache liefern zu können.

Der Vorsitzende der Strahlenschutzkommission, Rolf Michel, sagte: «Es bleibt die Frage nach den Ursachen.» Die sogenannte KiKK-Studie über Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken, die im vergangenen Dezember für Aufregung gesorgt hatte, weise eine Reihe methodischer Schwächen auf.

Bei der Ursache für das erhöhte Leukämie-Risiko müsse eine Reihe von Faktoren in Betracht gezogen werden, sagte Michel. Er nannte unter anderem die Belastung der Umgebung mit Herbiziden, Insektiziden oder Pestiziden, eine Schwächung oder Überreaktion des Immunsystems durch Impfungen oder Infekte sowie die genetische Veranlagung.

Wegziehen keine Lösung

«Was uns fehlt, ist das Grundverständnis, wie Leukämie eigentlich funktioniert», sagte Michel. Er verwies auf Studien in anderen Ländern, die zu widersprechenden Ergebnissen zur Leukämie-Häufigkeit im Umfeld von Atomkraftwerken gekommen seien.

«Es kann statistischer Zufall sein», sagte er. Ein kausaler Zusammenhang zwischen Krebserkrankung und Strahlenexposition durch Atomkraftwerke werde nicht gesehen.

Bestätigung von unabhängiger Seite

Er zeigte Verständnis für die Hilflosigkeit von Eltern mit Kleinkindern, die in der Nähe von Atommeilern wohnten. Es sei aber «keine Lösung, dort wegzuziehen». Auch in Gemeinden ohne Kernkraftwerke gäbe es bisweilen unerklärliche, höhere Krebsraten.

Das Umweltministerium hatte die Strahlenschutzkommission mit der Überprüfung der KiKK-Studie beauftragt, die wiederum eine interdisziplinär und international besetzte Arbeitsgruppe einsetzte. Eine politische Einflussnahme sollte damit ausgeschlossen werden.

Schweiz reagiert

Alarmiert von der Studie im letzten Winter, wurden auch in der Schweiz Untersuchungen aufgenommen. Die Krebsliga und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) lassen untersuchen, ob Schweizer Kinder mit Wohnort bei einem Atomkraftwerk ein höheres Krebsrisiko haben.

Die Studie «Childhood Cancer and Nuclear Powerplants in Switzerland» (CANUPIS) wurde im September gestartet, Ergebnisse sollen 2011 vorliegen.

(SDA/AP)

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