Zürich: Hönggerberg-Mörder in der Stadt gesichtet
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ZürichHönggerberg-Mörder in der Stadt gesichtet

Der Todesschütze Luis W. ist wieder in der Stadt unterwegs. Es war nicht sein erster Hafturlaub.

von
ced
An dieser Bushaltestelle wurde die 16-jährige Francesca erschossen.

An dieser Bushaltestelle wurde die 16-jährige Francesca erschossen.

Keystone/Walter Bieri

Der damals 23-jährige Luis W. erschoss am 23. November 2007 bei der Haltestelle Hönggerberg eine auf den Bus wartende 16-jährige Coiffeuse-Lehrtochter mit seinem Sturmgewehr. Er hatte am selben Tag die Rekrutenschule abgeschlossen. Das Tatmotiv ist unbekannt. Er könne es nicht erklären, sagte Luis W. vor dem Obergericht. Dieses verurteilte ihn im August 2009 wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 17 Jahren, aufgeschoben zugunsten einer stationären Massnahme.

Vor kurzem ist Luis W. laut dem «Tages-Anzeiger» in der Stadt Zürich gesehen worden – ob begleitet oder unbegleitet, bleibt offen: Das Amt für Justizvollzug will aus Amtsgeheimnis- und Datenschutzgründen nichts Genaueres über den Hafturlaub bekannt geben. Für einen freiwilligen Aufenthalt ausserhalb des Gefängnisses gibt es aber grundsätzlich drei Gründe: einen therapeutischen Ausgang, Beziehungs- oder Sachurlaub.

Bestehende Rückfallgefahr

Fakt ist, dass Luis W. bereits im Jahr 2014 zweimal im Freien war: Er hatte einen fünf- und einen achtstündigen milieutherapeutischen Ausgang erhalten. So steht es in einem Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 10. November 2014. Ziel dieser Ausgänge war, das im Gefängnis in der Gruppe erlernte soziale Verhalten ausserhalb der Gefängnismauern umzusetzen, berichtet der «Tages-Anzeiger»: Dabei wird der Häftling vom Therapeuten begleitet und beobachtet.

Das Bezirksgericht musste 2014 über die Verlängerung der stationären Massnahme entscheiden – und wählte das Maximum von fünf Jahren. Grund dafür: Der Gerichtspsychiater beurteilte in seinem Gutachten vom Mai 2014 die Rückfallgefahr für ein Tötungsdelikt als moderat, für schwere Gewaltdelikte als moderat bis deutlich und für Gewaltdelikte allgemein als deutlich. Obwohl Luis W. grundsätzlich behandlungsfähig sei, hätten letztlich noch keine Behandlungsziele erreicht werden können.

Bereits in offener Einrichtung?

Die narzisstische Symptomatik habe aber kontinuierlich abgenommen. Der Psychiater riet Luis W. «unter Einforderung eines tadellosen Vollzugsverhaltens zunehmend grössere Urlaube zu bewilligen». Das Gericht setzte die Vollzugslockerungen um, unter strenger Beobachtung, wie es im Urteil vom November 2014 steht.

Damals war vorgesehen, dass Luis W. nach mindestens zwei Jahren im geschlossenen Vollzug für mindestens zwei weitere Jahre in ein offenes Wohn- oder Arbeitsexternat wechselt – gut möglich, dass er sich nun bereits in einer offenen Einrichtung befindet. Das Amt für Justizvollzug wollte sich dazu nicht äussern.

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