Aktualisiert 04.02.2009 09:57

Funkstille im Zug

«Hörst du mich?»

Und weg. Telefonieren im Zug hat seine Tücken. Gerade auf den stark frequentierten Strecken Bern-Zürich und Zürich-Basel kommt es alle paar Kilometer zu Unterbrüchen. Über die Ursachen sind sich die Mobilfunkanbieter nicht einig.

von
Thomas Pressmann

Im Intercity, irgendwo zwischen Bern und Zürich. Ein Zugpassagier schüttelt wütend sein Handy. «Es ist eine Katastrophe!», beklagt er sich, nachdem schon zum vierten Mal sein Handy-Gespräch unterbrochen worden ist. «Ich kann nicht mal eine ganze Minute am Stück telefonieren.» So wie ihm geht es vielen Zugspassagieren. Auch wenn ein Gerät maximalen Handyempfang anzeigt, kann es zu Unterbrüchen kommen. Keine Rolle spielt dabei, mit welchem Mobilfunkanbieter man telefoniert. Bei der Swisscom ist man sich des Problems bewusst. Es handle sich nicht um Funklöcher, die ein störungsfreies Gespräch verunmöglichen. «Die Funkverbindungen auf den viel befahrenen Strecken sind meist lückenlos», sagt Swisscom-Sprecher Carsten Roetz auf Anfrage von 20 Minuten Online. Vielmehr sind die Handyantennen entlang der Bahnlinie zu den Stosszeiten mitunter überlastet. «Fährt ein Zug mit mehreren hundert Personen durch, können unter Umständen nicht alle Gespräche unterbruchsfrei abgewickelt werden».

Antennen wegen iPhone am Anschlag?

Ein Gespräch wird während der Fahrt normalerweise von einer Antenne zur nächsten «übergeben». Ist aber die nächste Antenne schon mit dem Verarbeiten anderer Gespräche «besetzt», wird die Verbindung gekappt – die Unterhaltung ist zwangsläufig zu Ende. Die Überlastung des Mobilfunknetzes ist ein altes Problem. Neu ist, dass zusätzlich zu den unzähligen Handy-Gesprächen auch mobiles Surfen das Netz stark beansprucht.

Nicht unschuldig ist zudem das iPhone. «Die Datennutzung ist seit der Einführung solcher Geräte regelrecht explodiert», sagt Swisscom-Sprecher Roetz.

So hat sich in den letzten acht Monaten das übertragene Datenvolumen im Mobilfunknetz der Swisscom verdoppelt. Die Folgen: Das Netz ist überlastet und es kommt immer häufiger zu Unterbrüchen. Was man dann bei der Swisscom als «Kapazitätsengpass» bezeichnet, ist für telefonierende Zugspassagiere einfach nur ärgerlich. Man arbeite ständig am Ausbau des Netzes, verspricht die Swisscom. Dank neuer Technologie sollen beispielsweise bestehende Antennen mehr Datenverkehr abwickeln, damit im Zug noch schnelleres Surfen möglich ist.

Orange und Sunrise anderer Meinung

Netzüberlastung als Ursache für Gespräche mit Unterbrüchen: Sunrise relativiert diese Begründung. Schuld an Unterbrüchen sei nicht alleine die fehlende Kapazität. Auch technische Probleme an den Übermittlungseinrichtungen im Zug oder die abnehmende Leistung eines Handys können eine Rolle spielen. «Telefonieren während dem Zugfahren ist eine vielschichtige Angelegenheit», sagt Konrad Stokar von Sunrise. Gerade bei Geschwindigkeiten von 200 km/h, die zwischen Bern und Zürich teilweise erreicht werden, komme die Technik teilweise an ihre Grenzen. Und auch Orange führt die Unterbrüche auf verschiedene Ursachen zurück. Da auch das gewählte Handy eine wichtige Rolle spielt, ist es denn auch möglich, dass im gleichen Wagen einzelne Geräte funktionieren, andere dafür keine Verbindung herstellen können.

Allgemein raten Experten, im Zug vorne zu sitzen. Da diese Gespräche als erste an die nächste Antenne weitergegeben werden, sind die Chancen am besten, dass man sich ohne störende Unterbrüche unterhalten kann.

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