Aktualisiert 19.06.2015 16:23

Kampf um Qualm«Hört auf, im Club zu rauchen!»

Noch immer wird in vielen deutschen Clubs hemmungslos gepafft – teilweise legal, teilweise nicht. Doch viele Junge haben vom Rauch die Nase voll.

von
isa
Zigaretten im Club: Die Passivraucher haben die Nase voll.

Zigaretten im Club: Die Passivraucher haben die Nase voll.

Die Klamotten stinken nach Rauch, die Augen sind rot, die Stimme rau, die Haare müssten eigentlich desinfiziert werden: Wenn man in einem Club ist, kommt man sich oft vor wie in einer Raucherhöhle, auch wenn man selbst gar nicht zur Zigarette greift.

Dabei sollte das Gesetz genau die Nichtraucher schützen. In öffentlichen Verkehrsmitteln und am Arbeitsplatz darf nicht mehr geraucht werden. Im Jahr 2009 sollten eigentlich auch Gaststätten rauchfrei werden. Doch lange hielt das nicht an: Die kleinen Kneipen beklagten, sie könnten ohne die Raucher nicht überleben. Der Nichtraucherschutz bröckelte.

Passivraucher haben die Nase voll

Diverse Bars und Clubs bekamen eine Sondergenehmigung. Nordrhein-Westfalen hob diese im Jahr 2013 zwar alle wieder auf, in anderen Bundesländern wird hingegen weiter gepafft – deutsche Rauchverbote gleichen einem Flickenteppich. Und wo es verboten ist, wird oft trotzdem gequalmt.

Lange muckten die Nichtraucher nicht auf. Doch jetzt haben immer mehr die Nase voll, wie ein Blick auf Facebook, Foren und Twitter zeigt. Eine von ihnen ist Tanja Hofmann: «Der Qualm stinkt – und nach der Clubnacht stinkt alles andere: Haare, Haut, Kleidung, Tasche», klagt die Freiburgerin in einem vielbeachteten Beitrag bei Fudder.

Die 23-Jährige fordert Raucher auf, mit ihrer Kippe gefälligst den Club zu verlassen. «Hört endlich auf, im Club zu rauchen! Es stinkt extrem, die Luft wird schlecht», sagt sie gegenüber 20 Minuten, «das ist im Club noch schlimmer als in einer Bar».

«Der ultimative Partyabturner»

Dabei ist das Rauchen in Baden-Württembergs Diskotheken eigentlich verboten, von Nebenräumen ohne Tanzfläche einmal abgesehen. Daran halten tue sich niemand, sagt Hofmann – und überwacht werde das Gesetz auch nicht. «Für mich: der ultimative Partyabturner!»

Die Gegner des Nichtraucherschutzes bezeichnen die Gesetze als Prohibition. Die härtesten Regeln gelten in Bayern, hier darf in Gaststätten, Diskotheken und Festzelten nicht geraucht werden, außer bei privaten Feiern mit festgelegter Gästeliste. Spielplätze, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sind ebenfalls rauchfrei.

«Hexenjagd gegen Raucher»

Thomas Weyermann hat deshalb eine Petition gestartet. «Raucher werden aus dem sozialen Leben ausgegrenzt», kritisiert er. «Die Menschentrauben, die in Bayern und Deutschland vor verschiedenen Türen frieren, erinnern mich an die Hexenjagd und an die Zeiten, als nur Leute mit weißer Hautfarbe ein Lokal betreten durften.» Weyermann fürchtet eine Gesundheitsdiktatur und will deshalb, dass Wirte selbst entscheiden dürfen, ob sie für Raucher separate Räume einrichten.

Fakt ist: Politisch ist das Thema noch längst nicht durch. Die nordrhein-westfälische AfD spricht von Raucherdiskriminierung und Bevormundung und will die Regeln wieder lockern. «Die Gesetze gehen so weit, dass sie Raucher ausgrenzen», sagt AfD-Sprecherin Kerstin Garbracht. «Vorher ging es doch auch – jeder konnte selbst entscheiden, ob er in einen Raucherraum will.» Die Wirte hätten in getrennte Raucherbereiche investiert, die Verschärfung des Gesetzes habe sie geschädigt, klagt die AfD.

Auch im privaten werden Raucher angeklagt

Die Wirte liefen Sturm gegen das generelle Rauchverbot in Gaststätten, das «Kneipensterben» wurde zum Kampfbegriff. Es trat nur nicht ein. Das Aktionsbündnis «NRW genießt» bekam nicht genug Geld für ein Volksbegehren zusammen.

Unterdessen wird um den Nichtraucherschutz auch in der Wohnung diskutiert. Raucher Friedhelm Adolfs soll seine Wohnung räumen, weil sein Zigarettenqualm die Nachbarn störte. Das Gericht will, dass sich die Parteien einigen, Adolfs selbst blieb dem jüngsten Prozesstermin fern – aus gesundheitlichen Gründen.

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