Aktualisiert 25.10.2015 06:56

SpukhausHört man Marder – oder den toten Sebastian?

Der Kammerjäger kann nichts finden. Und doch hören die Bewohner nachts Kratzgeräusche. Im Haus war schon früher ein Geist daheim.

von
Roland Schäfli

Der Schädlingsbekämpfer kann keine Marder-Spuren finden. Die Hausbesitzerin wusste es schon als kleines Kind: Hier geht ein Geist um. (Video: Roland Schäfli)

Schädlingsbekämpfer Daniel Kreienbühl ist der Feind jeder Ostschweizer Bettwanze. Auch mit Ratten nimmt es seine gleichnamige Firma auf. Um diese Jahreszeit rufen ihn die Einfamilienhaus-Besitzer allerdings wegen des Marders. Der pelzige Nager will an die Wärme. Und verschafft sich schon durch fünflibergrosse Löcher Zugang. Er schlüpft unter Dachziegel, wühlt sich durch die Isolation – und steckt er erst einmal in den Zwischenwänden, verlässt der ungebetene Gast freiwillig sein neues Domizil nicht so schnell. Zu sehen bekommen die Bewohner ihn selten. Aber zu hören. Das Kratzen, das die Familienmitglieder im 60-jährigen Gebäude im appenzellischen Teufen hören, könnte also durchaus von einem Tier stammen. Nur die Mutter, Christina Brugger, wusste schon als Kind, dass es in ihren vier Wänden spukt. Sie sah in der Waschküche eine schemenhafte Gestalt. Und spürte die Anwesenheit eines Geistes, der sich jetzt wieder bemerkbar macht. Ein Schädling der Nachtruhe.

Keine Spur vom Marder

Die Schonzeit der Marder und Siebenschläfer, die schweizweit von Februar bis Ende August gilt, ist abgelaufen. Jetzt kann Kreienbühl dem vermeintlichen Plagegeist zu Leibe rücken. Doch der Einsatz des Kammerjägers ist weitgehend psychologischer Natur. Denn die Familie Brugger will lediglich mit Bestimmtheit ausschliessen, dass sich hinter den Kratzgeräuschen nicht doch ein tierischer Untermieter verbirgt. Doch Kreienbühl stösst gar nicht erst auf die typischen Spuren. Kein Kot, keine Fussspuren. Dennoch verschiesst er mit Druck ein paar Ladungen seiner Spezialmischung unter die Dachziegel: ein biologisches Vergrämungsmittel, das er mit Eukalyptus- oder Lavendel-Geschmack tränkt. Kreienbühls Duftnote treibt normalerweise den hartnäckigsten Marder aus dem Haus. Nur: Normal sind die Vorgänge im alten Haus auf der Anhöhe über Teufen nicht.

Haus steht über Unglücksstelle

Im Erbauungsjahr 1956 sollte ein Keller in den Fels getrieben werden. Bei einer Sprengung wurde ein junger Arbeiter namens Sebastian verschüttet. Und getötet. Das Haus wurde praktisch auf dem Unfallort gebaut. Ein Luke im Untergeschoss verschliesst den ungenutzten Hohlraum, wo sich die Tragödie abspielte. Nach dem tödlichen Unfall wurde auf den Ausbau des Kellers verzichtet. Der Raum liegt genau unter dem Dachstuhl – der Stelle, wo das Kratzen zu hören ist. Als wollte sich ein Verschütteter den Weg freigraben. Kann die Schweiz ihrer stattlichen Liste von Spukhäusern eine weitere Adresse hinzufügen?

Immer, wenn der Fernseher läuft

Der beissende Geschmack von Eukalyptus hängt noch in der Luft, als die Schädlingsbekämpfungsfirma abzieht und Christina Brugger in ihr Elternhaus zurückkehrt. Sie rechnet nicht damit, dass heute Nacht für einmal Ruhe ist. «Immer, wenn der Fernseher läuft, ist das Kratzen zu hören – wie von einem grossen Hund.» Doch wird der Fernseher leise gestellt, verflüchtigt sich das Geräusch im Gebälk. Nur knarrendes Holz, das sich in der Wärme ausdehnt? Die Hausbesitzerin zog Esoteriker bei. Und erfuhr von zwei Stellen übereinstimmend: «Das ist kein Tier, sondern der junge Mann, der ums Leben kam und nicht gehen kann.» Ihr wurde mitgeteilt: «Der Mann namens Sebastian ist überzeugt, er müsse auf das Haus aufpassen – er will hier nicht weg.»

Bleiben die Störgeräusche also auch nach der Marder-Vergrämung ein wiederkehrendes Ärgernis, dann wird Frau Brugger für die nächste Behandlung nicht den Kammerjäger rufen – sondern den Geisteraustreiber.

Der Basler Psi-Verein (www.bpv.ch) organisiert Veranstaltungen und vermittelt Infos zur Parapsychologie und medial begabten Menschen. Lucius Werthmüller präsidiert den Verein.

Herr Werthmüller, klingt die Geschichte vom Geist des Verunglückten plausibel?

Wenn alle natürlichen Ursachen ausgeschlossen werden können, klingt die spiritistische These glaubwürdig, von solchen Vorfällen hören wir ab und zu. Spiritualisten glauben, das es nach einem plötzlichen und gewaltsamen Tod zu solchen Vorkommnissen kommen kann. Man unterscheidet zwischen orts- und personengebundenem Spuk. Hier ist der Geist anscheinend an den Ort gebunden.

Welche Möglichkeiten haben die Hausbesitzer?

Ein medial begabter Mensch könnte geistigen Kontakt aufnehmen und das Geistwesen überzeugen, das Haus zu verlassen. Medien sprechen dabei davon, den Verstorbenen ins Licht zu führen". Es gibt allerdings auch Medien, die keinen Kontakt aufnehmen, sondern den Geist einfach verscheuchen, ihn ausräuchern.

Eine wissenschaftliche Möglichkeit für den Ursprung der Vorkommnisse gibt es nicht?

Es gibt die Möglichkeit der psychologischen Abklärung. Parapsychologen und Jungsche Psychologen vertreten die These, dass in den meisten Spukfällen eine Fokus-Person den Spuk überhaupt auslöst. Oft ist das eine pubertierende Jugendliche, deren innere Spannungen sich auf den Raum auswirken.

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