Jugendzufriedenheit sinkt: «Ich hoffe, dass ich in der Ausbildung nicht nur putzen muss»

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Jugendzufriedenheit sinkt«Ich hoffe, dass ich in der Ausbildung nicht nur putzen muss»

Die Zufriedenheit der Basler Jugend ist im Sinkflug, das zeigt eine neue Befragung. Die Themen Schule und Ausbildung, Umwelt und Klima sowie Rassismus machen dabei am meisten Sorgen.

von
Gandalf Weidemann
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Die aktuelle Jugendbefragung zeigt, dass die Zufriedenheit der Probandinnen und Probanden sinkt. Salome Ohler (19) ist in der Ausbildung zur Fachfrau Betreuung (Fachrichtung Menschen mit Beeinträchtigungen). Sie findet, dass es ein Ungleichgewicht zwischen Arbeitsaufwand und Freizeit gibt.  

Die aktuelle Jugendbefragung zeigt, dass die Zufriedenheit der Probandinnen und Probanden sinkt. Salome Ohler (19) ist in der Ausbildung zur Fachfrau Betreuung (Fachrichtung Menschen mit Beeinträchtigungen). Sie findet, dass es ein Ungleichgewicht zwischen Arbeitsaufwand und Freizeit gibt.  

20Min/Gandalf Weidemann
In der Jugendumfrage kam unter anderem heraus, dass sich Jugendliche in Basel-Stadt am häufigsten Sorgen um ihre Schule und Ausbildung machen. 

In der Jugendumfrage kam unter anderem heraus, dass sich Jugendliche in Basel-Stadt am häufigsten Sorgen um ihre Schule und Ausbildung machen. 

20Min/Gandalf Weidemann
Alina Frey (15) macht gerade eine Vorlehre zur Fachfrau Betreuung (Fachrichtung Kinder). Auch sie macht sich Gedanken über die Zukunft und befürchtet, keinen Ausbildungsplatz zu finden. 

Alina Frey (15) macht gerade eine Vorlehre zur Fachfrau Betreuung (Fachrichtung Kinder). Auch sie macht sich Gedanken über die Zukunft und befürchtet, keinen Ausbildungsplatz zu finden. 

20Min/Gandalf Weidemann

Darum gehts

  • Das Statistische Amt Basel-Stadt hat eine Jugendumfrage durchgeführt. Sie zeigt: Die Zufriedenheit der jungen Menschen sinkt.

  • Insbesondere die Themen Bildung, Klima und Rassismus bereiten den Befragten Sorgen.

  • Einige Jugendliche denken, dass ihre Arbeit zu wenig bezahlt wird.

«Ich habe Angst, keinen Lehrplatz zu finden», so Alina Frey (15). Sie macht gerade eine Vorlehre zur Fachfrau Betreuung mit der Fachrichtung Kinder. Die Sorgen der jungen Frau spiegeln sich auch in einer aktuellen Umfrage des Statistischen Amtes Basel-Stadt wieder. 

Seit 2009 führt das Statistische Amt Basel-Stadt alle vier Jahre eine Jugendbefragung durch, in der geklärt wird, wie gerne Zwölf- bis 17-Jährige  im Stadtkanton leben, wie jugendfreundlich die Befragten den Kanton finden und was sie bewegt. Die aktuelle Befragung wurde im September 2021 durchgeführt, also während der Covid-19-Pandemie. Herauskristallisiert hat sich die sinkende Zufriedenheit der jungen Menschen.

Vor vier Jahren gaben drei Viertel der Jugendlichen an, «sehr gerne» im Kanton zu leben, in der aktuellen Studie waren es noch rund zwei Drittel. Ein sinkender Wert sei auch bei der Einschätzung der Jugendfreundlichkeit des Kantons zu verzeichnen, so die Studie. «Der Anteil der sehr zufriedenen Jugendlichen nimmt ab», heisst es dort.

«Ich mache mir Sorgen, auch wegen des vielen Abfalls in Basel»

Giorgia Cunaez (16)

Sorgen bereiten den jungen Menschen vor allem die Themen «Schule und Ausbildung», «Umwelt, Natur, Klima und Nachhaltigkeit» und «Rassismus». Auf die Frage, warum Schule und Ausbildung eine so wichtige Rolle in der Jugend spiele, erklärt der Projekteiter zur Jugendbefragung gegenüber 20 Minuten: «Schule und Ausbildung spielen für die Jugendlichen eine wichtige Rolle, weil sie mitten in ihrer Ausbildung sind.»

20 Minuten ging auf die Strasse und befragte junge Menschen, wie zufrieden sie sind und was ihnen Sorgen bereitet. «Ich mache mir schon Sorgen um die Umwelt. Besonders wegen der seltenen Niederschläge und des vielen Abfalls in Basel-Stadt», so Giorgia Cunaez (16). Rassismus sei ihrer Ansicht nach hingegen kein Problem. In ihrem persönlichen Umkreis habe sie noch keinen Rassismus erlebt.

Nicht so die 15-jährige Alina Frey. Sie meint, dass besonders unter den Schülern Rassismus verbreitet sei. Sie kenne Fälle, in denen Jugendliche aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert wurden. Auch das Klima gebe ihr zu denken. Aus den Nachrichten habe sie von der Erderwärmung gehört. Sie hält den Abfall in der Birs und dem Rhein für ein Problem.

«Es wird zu viel verlangt»

Salome Oehler (19)

«Ich finde einfach, das zu viel verlangt wird, im Vergleich zu dem, was wir dafür bekommen», erklärt Salome Ohler (19). Sie ist in der Ausbildung zur Fachfrau Betreuung, in der Fachrichtung Menschen mit Beeinträchtigungen. Sorgen bereiten ihr die fehlende Anerkennung im Beruf und der niedrige Lohn. «Wichtig ist die Sozialkompetenz, die man in diesem Beruf von Natur aus mitbringen muss», schildert sie. 

Frey weiss nicht, wie es nach ihrer Vorlehre weitergehen wird. «Ich hoffe einfach, dass ich einen fairen Lohn bekomme und in meiner Ausbildungszeit nicht nur putzen muss», befürchtet sie. 

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