08.08.2018 05:45

Fischsterben im Rhein«Hoffe, wir kommen mit einem blauen Auge davon»

In Schaffhausen ist es bereits zur Katastrophe gekommen. Und auch in Basel sterben bereits die ersten Fische. Der Basler Fischereiaufseher erklärt, wie kritisch die Lage ist.

von
las
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Fischereibeauftragter Hans-Peter Jermann misst die Wassertemperatur beim Birszufluss in den Rhein. Die resultierenden 25 Grad sind nicht ermutigend.

Fischereibeauftragter Hans-Peter Jermann misst die Wassertemperatur beim Birszufluss in den Rhein. Die resultierenden 25 Grad sind nicht ermutigend.

20 Minuten/las
Die Temperatur ist kritisch für Salmoniden wie die Äsche. Beim Wasserkraftwek würden sie hier angeschwemmt, wenn sie im Wasser sterben, so Jermann.

Die Temperatur ist kritisch für Salmoniden wie die Äsche. Beim Wasserkraftwek würden sie hier angeschwemmt, wenn sie im Wasser sterben, so Jermann.

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Auch am Grossbasler Ufer des Rheins beim Birsköpfli können Fische tote Fische aus dem Zufluss auftauchen. Es wurden dieses Jahr bereits welche entdeckt.

Auch am Grossbasler Ufer des Rheins beim Birsköpfli können Fische tote Fische aus dem Zufluss auftauchen. Es wurden dieses Jahr bereits welche entdeckt.

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In den vergangenen Tagen wurden zwischen Bodensee und Rheinfall rund eine Tonne toter Fische aus dem Wasser gezogen. Die Tiere gingen an den hohen Wassertemperaturen zugrunde.

Weiter flussabwärts, in Basel, ist die Lage ebenfalls kritisch. Auch da wurden schon vereinzelte tote Fische gesichtet. Selbst bei der Einmündung der Birs, wo das Wasser kühler ist als andernorts, kommt er auf über 25 Grad. «Diese Marke ist stark bedrohlich bis tödlich für Salmoniden wie die Äsche», sagt Hans-Peter Jermann, Fischereiaufseher des Kantons Basel-Stadt.

Wieso tötet warmes Wasser die Fische?

Für Menschen sind die Temperaturen ungefährlich. Was also macht den Fischen so zu schaffen? «Es sind viele verschiedene Faktoren, die eine Rolle spielen», erklärt Jermann. Der geringere Sauerstoffgehalt des warmen Wassers stresse die Tiere, und auch die Temperatur selbst setze ihnen stark zu.

Durch die Hitze spitzt sich zudem die Gesamtlage zu: Laut Jermann käme weniger Frischwasser aus den Zuflüssen in den Strom. Damit nehme auch die Wassertiefe des Rheins ab und die Temperatur in den tieferen Bereichen zu. So hätten die Fische weniger Möglichkeiten, sich zu erholen.

«Die Tropennächte machen es noch schlimmer», sagt Jermann. Denn durch diese würde die Wassertemperatur nachts nicht merklich sinken. Und damit nicht genug: Wenn es in mehreren Sommern hintereinander zu so langen Hitzephasen kommt, können sich laut Jermann die Fischbestände nicht regenerieren.

«Hoffe, wir kommen mit blauem Auge davon»

In Schaffhausen ist es bereits zur Katastrophe gekommen. Und auch in Basel sterben bereits die ersten Fische. Der Basler Fischereiaufseher erklärt, wie kritisch die Lage ist.

Hans-Peter Jermann spricht über die kritische Lage der Rheinbewohner. (Video: las)

Wieso ist in Basel das grosse Fischsterben bisher ausgeblieben?

Die Situation in Basel ist etwas anders als in Schaffhausen. Zum einen sei der Anteil der Cypriniden, also karpfenartigen Fischen, am Fischbestand höher. «Diese Fische vertragen etwas höhere Temperaturen als die Salmoniden», so Jermann. Schaffhausen sei hingegen eine Äschen-Hochburg. Diese zur Familie der Salmoniden gehörenden Tiere seien beträchtlich wärmeempfindlicher.

Weiter biete die Schifffahrtsrinne in Basel einen grossen Vorteil und einen willkommenen Rückzugsort. «In der Tiefe sind die Temperaturen tiefer und die Fische orientieren sich dahin», sagt er.

Jermann hofft, dass das Wetter am Wochenende umschlägt und die langersehnte Abkühlung für die Flussbewohner kommt. In diesem Fall würde man noch mit einem blauen Auge davonkommen. Beeinflussen könne man dies aber nicht. «Teilweise ist man zum Zuschauen verdammt. Ich fühle mit den Kollegen in Schaffhausen mit. Es ist sehr bitter», so Jermann.

Rheinschwimmen nachwievor kein Problem

Während in den Zuflüssen das Baden teilweise bereits untersagt ist, können sich Rheinschwimmer ohne Weiteres im Bach abkühlen. Dort haben die Fische ausreichen Platz, um auszuweichen. In der Birs oder in der Wiese sollte man etwaige Badeverbote aber unbedingt beachten. Denn dort ziehen sich die erschöpften Fische in Stillwasserbereiche zurück, um sich zu erholen. Werden sie von dort durch Badende vertrieben, erhöht das ihren Stress.

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