Rechtsextremer Messerstecher: «Hoffentlich führte nicht der Promi-Bonus zu diesem laschen Urteil»

Publiziert

Rechtsextremer Messerstecher«Hoffentlich führte nicht der Promi-Bonus zu diesem laschen Urteil»

Die Sonderbehandlung eines rechtsextremen Promi-Sohnes vor Gericht sorgt für Kritik. 

von
Christina Pirskanen
1 / 5
«Ich hoffe nicht, dass der Promi-Bonus oder die politische Ausrichtung der Familie und der Richter zu diesem laschen Urteil geführt haben», sagt SVP-Nationalrat und Präsident der sicherheitspolitischen Kommission Mauro Tuena.

«Ich hoffe nicht, dass der Promi-Bonus oder die politische Ausrichtung der Familie und der Richter zu diesem laschen Urteil geführt haben», sagt SVP-Nationalrat und Präsident der sicherheitspolitischen Kommission Mauro Tuena.

20min/Simon Glauser
Ein 22-Jähriger attackierte im Sommer 2020 einen 18-Jährigen mit einem Messer. Der mutmassliche Täter stammt aus einer bekannten Zürcher Familie.

Ein 22-Jähriger attackierte im Sommer 2020 einen 18-Jährigen mit einem Messer. Der mutmassliche Täter stammt aus einer bekannten Zürcher Familie.

20min/Taddeo Cerletti
Das Gericht verurteilte ihn dieses Jahr zu fünfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe. Dabei wurde seine Identität geschützt. 

Das Gericht verurteilte ihn dieses Jahr zu fünfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe. Dabei wurde seine Identität geschützt. 

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

Er verehrt Massenmörder wie Andres Breivik oder Brenton Tarrant: Ein Rechtsextremer (22) aus prominentem linksorientiertem Elternhaus stach 2020 einen Menschen fast zu Tode und wurde dieses Jahr zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Dabei machte das Gericht strenge Auflagen, um die Anonymität des Beschuldigten und seiner Familie zu wahren. 

Auf Twitter sorgt der Fall für Kritik. Die Justiz habe die «genaueren Angaben über den Beschuldigten geheim halten wollen, da es sich um einen Sohn von einer wohlhabenden linken Familie» handle, heisst es in einem Tweet. In weiteren Posts ist vom «Versagen der Schweizer Justiz im Fall eines Rechtsextremisten» und einem «Verhätscheln von einem der beiden grünen Richter die Rede». 

«Ich hoffe nicht, dass der Promi-Bonus oder die politische Ausrichtung der Familie und der Richter zu diesem laschen Urteil geführt haben», sagt SVP-Nationalrat und Präsident der sicherheitspolitischen Kommission Mauro Tuena. Er fordert, dass bei einem solch schweren Delikt mit hoher Rückfallgefahr zusätzliche Massnahmen angeordnet werden: «Der Kanton sollte beim Fedpol beantragen, dass man den Beschuldigten nach seiner Entlassung auf dem Radar behält.» 

«Sicherheit der Bevölkerung ist die wichtigste Staatsaufgabe»

Dass der junge Mann nach seiner Haft weiter von den Behörden beobachtet werden soll, findet auch FDP-Nationalrätin Doris Fiala: «Die Sicherheit der Bevölkerung ist die wichtigste Staatsaufgabe.» Sie fordert eine engere Kooperation zwischen Kantonen und Bund. Werde der Beschuldigte vor seiner Entlassung als schwerwiegender Gefährder eingestuft, müsse auf verschiedenen staatlichen Ebenen etwas passieren. 

«Wenn der Beschuldigte entlassen wird, erwarte ich, dass seriös abgeklärt wird, welche Gefahr er für die Bevölkerung darstellt», sagt auch SP-Politikerin Franziska Roth. Was die Wahrung der Anonymität betrifft, müsse grundsätzlich der gleiche Schutz für alle gelten: «Die Frage steht im Raum, ob die gleichen Vorkehrungen getroffen worden wären, wenn der Beschuldigte aus einer tieferen sozialen Schicht stammen würde», so Roth. 

«In der Öffentlichkeit wird seine Identität geschützt, ganz im Gegensatz zu etwa migrantischen Beschuldigten», kritisiert auch Mia Jenni, Vize-Präsidentin der Juso. Die Anonymität vor der Öffentlichkeit sei nicht gerechtfertigt – schliesslich sei der Beschuldigte einer solchen Tat in öffentlichem Interesse und eine Gefahr für die Bevölkerung.

Rechtsextremer Messerstecher wuchs in linkem Promi-Elternhaus auf

Sollen Behörden gefährdende Extremisten schärfer beobachten?

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung