22.09.2020 14:50

Emmy-Abräumer «Succession»Hoffentlich hast du diese Serie noch nicht gesehen

«Succession» hat den Emmy fürs beste TV-Drama gewonnen. Wer die HBO-Show noch nicht kennt, darf sich auf gut 20 Stunden High-End-Entertainment freuen.

von
Melanie Biedermann
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Die Geschichte um die hyper-privilegierten Medienerben kommt an. «Succession» war bei der Verleihung der Emmys 2020 für 18 Preise nominiert. Sieben davon hat die Serie gewonnen, darunter die Königsklasse als bestes TV-Drama.

Die Geschichte um die hyper-privilegierten Medienerben kommt an. «Succession» war bei der Verleihung der Emmys 2020 für 18 Preise nominiert. Sieben davon hat die Serie gewonnen, darunter die Königsklasse als bestes TV-Drama.

KEYSTONE
Im Zentrum der Serie steht Medienmagnat Logan Roy (gespielt von Brian Box, im Bild). Die Figur basiert lose auf dem umstrittenen Medienunternehmer Rupert Murdoch, der mit seinem Imperium als einer der einflussreichsten Menschen der Welt gilt.

Im Zentrum der Serie steht Medienmagnat Logan Roy (gespielt von Brian Box, im Bild). Die Figur basiert lose auf dem umstrittenen Medienunternehmer Rupert Murdoch, der mit seinem Imperium als einer der einflussreichsten Menschen der Welt gilt.

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Cox gewann für seine Darstellung des Unternehmers und Familienoberhaupts im Januar einen Golden Globe als bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie.

Cox gewann für seine Darstellung des Unternehmers und Familienoberhaupts im Januar einen Golden Globe als bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie.

imago images/MediaPunch

Darum gehts

  • Der Emmy für die beste Drama-Serie ging in der Nacht auf Montag an «Succession».
  • Die HBO-Show gehörte mit 18 Nominierungen zu den diesjährigen Frontrunnern.
  • Wer die Serie noch nicht kennt, darf sich auf zwei Staffeln und über 20 Stunden Binge-Material freuen.
  • Hier gibts die wichtigsten Hintergründe zur Show – spoilerfrei, versprochen!

Für «Variety» schien es schon vor der Preisverleihung beschlossene Sache. «Mit 18 Nominierungen füllt ‹Succession› die Leere nach ‹Game of Thrones›», titelte das Branchenmagazin nach der Verkündung der Nominierten-Liste im Juli.

2020 ist das erste Award-Jahr seit dem Ende der Fantasy-Megaserie, die ein knappes Jahrzehnt lang die TV-Landschaft dominierte. Der für Fans dramatische Wegfall schuf Raum für neue Hit-Formate. «Succession» hat mit seiner zweiten Staffel zum perfekten Zeitpunkt eine Schippe zugelegt.

Von den 18 Emmy-Nominierungen, die die HBO-Show in diesem Jahr verbuchte, räumte sie die wichtigsten Preise ab: «Succession» gewann in der Drama-Kategorie Preise für die beste Serie, das beste Drehbuch, die beste Regie, und Jeremy Strong (41) wurde zum besten männlichen Hauptdarsteller gewählt.

Vier Gründe, warum das HBO-Drama tatsächliche die GoT-Lücke füllen könnte:

Der Cast ist brillant

Der Schotte Brian Cox (74) gewann für seine Darstellung des Medienmoguls und Familienoberhaupts Logan Roy bereits im Januar einen Golden Globe als bester Darsteller in einer Drama-Serie. An den Emmys waren mit Cox, Jeremy Strong, Nicholas Braun (32), Kieran Culkin (37), Matthew Macfadyen (45) und Sarah Snook (32) ganze sechs Darsteller aus einer einzigen Serie im selben Jahr nominiert.

Zu Recht, denn Schreiber und Schauspieler spielten sich in der zweiten Staffel perfekt in die Hände; die Rollenprofile gaben viel her, die Darsteller reizten sie aus und zeichneten einen glaubwürdigen Einblick in die Abgründe einer weissen Vorherrscherfamilie.

Der Trailer zur ersten Staffel.

HBO

Die Serie zehrt von einer wahren Geschichte und vom Zeitgeist

Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Plot um die Familie Roy lose auf der realen Figur des Medienmagnats Rupert Murdochs basiert. Murdoch gilt als einer der einflussreichsten Menschen der Welt, der 89-Jährige ist noch heute Vorstandsvorsitzender von News Corp und Co-Vorsitzender von Fox Corporation, die gemeinsam Hunderte Medienbetriebe weltweit besitzen.

Dem in Australien geborenen US-Amerikaner wird nachgesagt, den öffentlichen Diskurs für politische und private Zwecke manipuliert und so zu Wahlverzerrungen in den USA, Grossbritannien und Australien beigetragen zu haben.

Die Thematik ist nicht nur in Anbetracht der anstehenden US-Wahlen brisant, das Murdoch-Imperium steht beispielhaft für die White Supremacy und die toxische Lebenswelt, welche das Machtspiel unter den weissen Kapitalisten für alle ausserhalb jener Filterblase schafft, insbesondere ethnische Minderheiten, gesellschaftliche Randgruppen sowie Menschenrechts- und Klimaaktivisten.

HBO hält dem weissen privilegierten Westen den Spiegel vor

Der US-Sender gilt als Qualitätsgarant für gesellschaftskritische Serien. Das Geniale an «Succession» ist, wie die Show diese kapitalistische White-Supremacy-Bubble ad absurdum führt. Ein Beispiel sind Szenen, die den Umgang mit Kokain thematisieren. Die Geschäftsmänner sniffen sich die vermeintliche Potenz ins Hirn, als gäbe es kein Morgen.

Kokssucht scheint in dieser Welt kein Problem zu sein, sie wird beiläufig belächelt, für den nötigen Killerinstinkt aber nur zu gern in Kauf hingenommen. Als weisser, privilegierter Zuschauer kommt man nicht umhin, immer wieder nickend zu schlucken.

Die Story-Twists sind grossartig

Was «Succession» so wahnsinnig gut macht, ist, wie dieser gnadenlose Realitätsbezug uns gleichzeitig für ein paar TV-Stunden von genau dieser Realität entfliehen lässt und anregt. Teil des Zaubers sind klug platzierte Story-Twists. Als Zuschauer kriegst du immer nur genau so viel gefüttert, um das Puzzle weiter lösen zu wollen. Die Figuren bleiben interessant, die Dialoge haben so viel Biss wie Witz, und der Spannungsbogen bleibt scheinbar mühelos prall, ohne anzustrengen.

Sprich: Du lernst etwas über die Welt da draussen, beginnst vielleicht sogar, dir über die eine oder andere Sache den Kopf zu zerbrechen, doch den Grossteil der Zeit bist du damit beschäftigt, dem Erzählstrang zu folgen. Diese Mischung aus mentaler Herausforderung, glaubwürdiger Dramatik und Spass-Pausen bewirkt, dass du dranbleibst.

Kurz gesagt

Ja, «Succession» hat alle Voraussetzungen, «Game of Thrones» als dominantes Format abzulösen. Wenn die Macherinnen und Macher weiter am Puls der Zeit bleiben und es schaffen, die Tiefenschärfe beizubehalten, wird die Show «GoT» nicht nur in Sachen Unterhaltungswert überflügeln.

Die Produktion der dritten Staffel ist bereits im Gang, die Dreharbeiten gerieten jedoch (wie bei vielen anderen Serien) wegen der Corona-Pandemie ins Stocken. Wenn du Season eins und zwei noch nicht kennst, hast du Glück, beide sind mit über 20 Stunden Spielzeit auf Sky verfügbar.

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2 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Otto

22.09.2020, 17:32

Nun ja ... viel neues gab es wirklich nicht .... Watchman, The Mandalorian und Warrior ... dann ist man schon durch mit neuem.

Berlin

22.09.2020, 17:08

Die Serie ist einfach der Hammer. Hätten sie Ruhig die Murdochs nennen können. Würde ich jedem empfehlen. Der Cast, das Skript, die Musik alles top.