Aktualisiert 23.01.2020 19:55

Vater brach Baby die Knochen«Hoffentlich hat sie keine bleibenden Schäden»

Acht Knochenbrüche durch massive Gewalteinwirkung trug der Säugling davon. Nun hat das Strafgericht Basel-Stadt die Eltern verurteilt.

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Reto Schranz von der Stadtpolizei Zürich erklärt, was zu tun ist, beim Verdacht auf Kindsmisshandlung. (Video: Schweizerische Kriminalprävention)

Dass ihre neugeborene Tochter im zweiten Monat ihres Lebens acht Knochenbrüche durch Gewalteinwirkung erlitt, förderte bei den Eltern kaum Emotionen zu Tage. Auch dass die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt dem 32-jährigen Vater und der 26-jährigen Mutter aus dem Fricktal vorwarf, dem Säugling die Verletzungen zugefügt zu haben, brachte kaum Reaktionen hervor.

Das Strafgericht verurteilte sie am Donnerstag wegen mehrfacher Körperverletzung an einem unter ihrer Obhut stehenden Kind. Ihnen wurden bedingte Freiheitsstrafen auferlegt, dem Vater zehn, der Mutter sechs Monate, dies bei einer Probezeit von je zwei Jahren. Das Gericht ging am Ende davon aus, dass der Vater der ausführende Täter war, während die Mutter ihrer gesetzlichen Pflicht, den Schaden abzuwenden, nicht nachkam.

Bereits schlechte Vorzeichen

«Ich kann es mir nicht erklären», beteuerte die Mutter wiederholt. Und auch der Vater will nicht gewusst haben, wie es zu den Verletzungen kam. «Das kaufe ich ihnen nicht ab», sagte Einzelrichter René Ernst zu beiden. Denn während der ganzen Befragung war kaum ein gerader Satz aus den Beschuldigten herauszubringen. Die beiden verbeiständeten IV-Bezüger waren mit dem Verfahren überfordert – und wohl auch mit der Erziehung des Kindes, wie Zeugen zu Protokoll gaben. Zumindest der Mutter ist eine verminderte Intelligenz attestiert.

«Es ist eine heftige Geschichte. Es bleibt zu hoffen, dass das Kind keine bleibenden Schäden davonträgt», sagte Ernst in der Urteilsbegründung. Er hielt jedoch fest, dass die Strafe unter anderen Umständen schwerer ausgefallen wäre. So sei er überzeugt, dass der Vater das Kind nicht verletzen wollte, sondern überfordert war und sich nicht unter Kontrolle hatte. Die Mutter sei in der Überforderung hingegen passiv geworden.

Anklage ab Gutachten

Die Anklageschrift stützte sich primär auf das rechtsmedizinische Gutachten, das die Verletzungen des Babys dokumentiert. Die Frakturen waren zur Zeit der Untersuchung zu verschiedenen Graden verheilt, wodurch sie ungefähr auf fünf Ereignisse datiert werden konnten. Davor will niemand etwas gemerkt haben, auch nicht ein Kinderarzt, der das Kind untersuchte, weil es oft geschrien habe. Seine Diagnose: Dreimonatskoliken. Fazit des Richters: «Ich würde den Arzt wechseln.»

Die Vertreter der beiden Beschuldigten bemängelten, dass die Anklage viel zu vage sei, um sich dagegen verteidigen zu können, also eine Verletzung des Anklageprinzips vorliege. Wann, wo und wie die Gewalteinwirkungen mit welchem Motiv erfolgten, wird in der Schrift nicht genauer beschrieben. Und die Staatsanwaltschaft blieb der Hauptverhandlung fern.

Was die Verteidiger aber nicht erklären konnten, obwohl sie auf die Unschuld ihrer jeweiligen Mandanten pochten, war, wer den Säugling denn so zugerichtet hatte. Zwar implizierten sie in ihren Plädoyers, dass der jeweils andere Elternteil viel eher als Täter in Frage komme.

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Am Donnerstag mussten sich die Eltern eines Mädchens vor dem Basler Strafgericht verantworten. Sie wurden beschuldigt, dem Kind im Säuglingsalter acht Knochenbrüche zugefügt zu haben.

Am Donnerstag mussten sich die Eltern eines Mädchens vor dem Basler Strafgericht verantworten. Sie wurden beschuldigt, dem Kind im Säuglingsalter acht Knochenbrüche zugefügt zu haben.

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Die Staatsanwaltschaft forderte bedingte Freiheitsstrafen von zehn Monaten.

Die Staatsanwaltschaft forderte bedingte Freiheitsstrafen von zehn Monaten.

Keystone/Georgios Kefalas
Klar war nur, dass dem Kind die Verletzungen durch massive Gewalteinwirkung zugefügt wurden. Viele Fragen blieben allerdings offen. (Symbolbild)

Klar war nur, dass dem Kind die Verletzungen durch massive Gewalteinwirkung zugefügt wurden. Viele Fragen blieben allerdings offen. (Symbolbild)

Tzahiv

Keine Zeugen, keine Beweise

Der Fall ereignete sich im Winter 2015, entsprechend konnte oder wollte sich niemand mehr so genau an die Umstände erinnern. Die Verteidiger der Eltern verlangten kostenlose Freisprüche in dubio pro reo. Die Staatsanwaltschaft forderte bedingte Freiheitsstrafen von 10 Monaten. Handfeste Beweise oder konkrete Zeugenaussagen gab es nicht.

Es deutete jedoch viel darauf hin, dass die Beschuldigten mit den Verletzungen in Verbindungen standen, so das Gericht. «Es muss jemand gewesen sein, der regelmässig und viel Kontakt mit dem Kind hatte», sagte Ernst. Am Ende seien nur die Eltern als mögliche Täter geblieben.

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