In Haushaltungen beschlagnahmt : Hoffnung auf freies Leben für drei verwaiste Orang-Utan-Babys
Publiziert

In Haushaltungen beschlagnahmt Hoffnung auf freies Leben für drei verwaiste Orang-Utan-Babys

Drei in Indonesien gerettete Orang-Utan-Babys befinden sich in einer Rettungsstation eines Schweizer Vereins. Später sollen sie im Regenwald ausgewildert werden. Dies ist nicht einfach, weil die Tiere vom Verlust ihrer Mütter schwer traumatisiert sind.

von
Daniela Gigor
1 / 9
Ein gerettetes Orang-Utan-Baby.

Ein gerettetes Orang-Utan-Baby.

BOS Foundation/Indrayana
Das Kleine wird gefüttert. 

Das Kleine wird gefüttert.

BOS Foundation/Indrayana
In der Kartonschachtel liegend greift das Orang-Utan-Baby zur Flasche. 

In der Kartonschachtel liegend greift das Orang-Utan-Baby zur Flasche.

BOS Foundation/Indrayana

Darum gehts

  • In Indonesien konnten von Januar bis Ende März drei Orang-Utan-Babys gerettet werden, die verwaist sind.

  • An der Rettungsaktion war auch der Verein Borneo Orang-Utan Survival (BOS) mit Geschäftssitz in Zürich beteiligt.

  • Die drei jungen Tiere sind nun in einer Rettungsstation des BOS untergebracht.

  • Die BOS geht davon aus, dass die Mütter der Babys getötet wurden.

  • Die Orang-Utan-Babys wiesen glücklicherweise keine Stich- oder Schusswunden auf.

  • Obwohl sie ein Trauma erlitten haben dürften, zeigen sie erste positive Fortschritte.

Gute Neuigkeiten aus Indonesien: Gerettet wurden in den ersten drei Monaten 2021 drei Orang-Utan-Babys, die zwischen sechs und zehn Monate alt sind. An der Rettungsaktion beteiligt war der gemeinnützige Verein Borneo Orang-Utan Survival (BOS) mit Geschäftssitz in Zürich. Die drei Jungtiere wurden in Privathaushalten beschlagnahmt, wie BOS am Mittwoch mitteilte. Demnach wurde der zehn Monate alte Säugling Onyer dem Verein von einem Anwohner übergeben, der laut BOS behauptete, das Baby verlassen in einem Waldgebiet unweit seines Feldes gefunden zu haben. Die BOS geht davon aus, dass seine Mutter getötet wurde.

Ramangai ist ein etwa sechs Monate altes Orang-Utan-Männchen, das am 1. März entlang des Flusses Mangei gerettet wurde. Eine gemeinsame Rettungstruppe mit Mitarbeitenden von BOS und der indonesischen Naturschutzbehörde sei sieben Stunden unterwegs gewesen, um zum Fundort des Orang-Utans zu gelangen. «Nach Aussagen eines ansässigen Dorfbewohners wurde es im Wald entdeckt, als es von einem Baum fiel – angeblich ohne jegliche Spur von seiner Mutter», teilte BOS mit. Das aufgefundene Baby sei in der Obhut des Finders tagelang nur mit Kaffee und Bananen gefüttert worden, weshalb es schwach gewesen sei und unter Dehydrierung gelitten habe. Als sich der Zustand des Jungtieres weiter verschlechtert habe, habe der Dorfbewohner das Rettungsteam informiert. Auf dem Weg in die Rettungsstation sei Ramangai über eine Infusion Flüssigkeit verabreicht worden. Es leide noch an Fieber und wird weiterhin medizinisch versorgt und überwacht.

Ein Orang-Utan-Baby wird in der BOS-Rettungsstation aufgepäppelt.

BOS Foundation/Indrayana

Das dritte Orang-Utan-Baby wurde am 23. März der BOS-Rettungsstation Nyaru Menteng übergeben. «Das weibliche Jungtier wurde von einem Bauern entdeckt, der dieses laut eigenen Aussagen verlassen aufgefunden haben soll. Nach rund einer Woche gab er das Orang-Utan-Baby freiwillig ab», heisst es in der Mitteilung.

In der Natur werden junge Orang-Utans bis zu acht Jahre von ihren Müttern versorgt. Von ihnen lernen sie alle Fähigkeiten, um später eigenständig in der rauen Wildnis des Regenwaldes zu überleben. In der BOS-Rettungsstation Nyaru Menteng in Zentral-Kalimantan übernehmen diese Aufgabe nun menschliche Ersatzmütter, die ihre Schützlinge bis zu neun Jahre lang in der Waldschule auf ein eigenständiges Leben in der Freiheit geschützter Regenwaldgebiete vorbereiten.

Ihr körperlicher Zustand ist stabil und sie zeigen gesunden Appetit

«Wir haben diese drei Orang-Utans glücklicherweise ohne körperliche Verletzungen wie Stich- oder Schusswunden aufgefunden. Derzeit befinden sich die Babys noch in Quarantäne. Trotz des erlittenen Traumas zeigen sie erste positive Fortschritte. Angesichts ihres stabilen körperlichen Zustands und ihres gesunden Appetits sind wir zuversichtlich, dass sie nach der Quarantäne den Rehabilitationsprozess durchlaufen können», so Denny Kurniawan, Projektleiter in der BOS-Rettungsstation Nyaru Menteng.

BOS Schweiz ist seit 2004 in der Schweiz als gemeinnütziger Verein anerkannt und setzt sich gemeinsam mit ihren Partnerorganisationen für den dauerhaften Schutz der letzten Orang-Utans und den Erhalt des Regenwaldes auf Borneo ein.

Deine Meinung