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Zweites Gold für die Schweiz?Hoffnung auf Olympia-Abfahrt steigt

Er ist der Topfavorit für die Olympia-Abfahrt: Didier Cuche. Noch ist nicht klar, ob das Rennen heute Abend überhaupt stattfinden kann. Doch es gibt erste Zeichen der Hoffnung.

von
Peter Haab
Whistler

Endlich gibt es gute Wetternachrichten für die Abfahrer: Nach erneut heftigen Regenfällen in der Nacht zum Sonntag, die zur Absage des Frauen-Abfahrtstrainings führten, schien in Whistler am Sonntagnachmittag drei Stunden lang die Sonne. Ob das reicht? Vier Tage Regen, Nassschnee und viel zu hohe Temperaturen zeigten zuvor Wirkung - die Piste präsentierte sich am Samstagabend in erbärmlichem Zustand. FIS-Race-Director Günter Hujara erklärte: «Die Strecke ist im Moment absolut unfahrbar.» Das beeinträchtigte die Vorbereitung.

Das Training zur Olympia-Abfahrt der Herren wurde seinem Namen überhaupt nicht gerecht. Einmal wurde vorzeitig abgebrochen, beim zweiten Versuch nur auf verkürzter Strecke gefahren. Für Didier Cuche reichte das allerdings, um klarzustellen, dass der Weg zum Abfahrts-Gold über ihn führen wird. Der 35-jährige Teamleader ist in beneidenswerter Form. Er hat die Strecke und das Material im Griff. Für den cleveren Routinier ist es ein Vorteil, dass nicht während dreier Tage mit der Linienwahl und dem Material herumgepröbelt werden konnte. Bei Cuche zeigen sich auch Parallelen zu Olympiasieger Simon Ammann, der auf der Normalschanze ebenfalls vom ersten Trainingssprung an bestens zurechtkam.

Ammann ist denn auch überzeugt, dass Cuche am Montagabend Schweizer Zeit seinen grossen Olympia-Traum verwirklichen kann: «Didier ist ein extrem routinierter Mann. Er wird die richtigen Schlüsse aus dem minimalen Training ziehen und das im Rennen auch umsetzen.» Der mittlerweile dreifache Olympiasieger will am Montag die Herren-Abfahrt live in Whistler Creek miterleben.

Jankas Probleme mit der Piste

Noch vor wenigen Tagen galt Carlo Janka aus Schweizer Sicht als zweiter möglicher Gold-Trumpf für die Herren-Abfahrt. Doch der amtierende Riesenslalom-Weltmeister kämpfte in Whistler in beiden Trainings mit Problemen. Mit seinem «Doppeldecker»-Skimodell, das ihn in Beaver Creek und in Wengen zum Sieg getragen hat, kommt er auf der nahe an der Pazifikküste gelegenen Piste im Westen Kanadas weit weniger gut zurecht. Beim Material hats nicht gestimmt, und der eher weiche, wenig aggressive Schnee kommt seinem Fahrstil auch nicht besonders entgegen.

Damit scheint Janka nicht mehr im engeren Kreis der Favoriten zu sein. Dort befinden sich neben Cuche noch der Österreicher Michael Walchhofer, der nach Olympia-Silber 2006 noch einen draufgeben will, und die hochmotivierten Kanadier. Denen fehlt zwar Weltmeister John Kucera. Trotzdem möchten sie erstmals an Olympischen Spielen im eigenen Land Abfahrts-Gold für ihr Land holen. Deshalb liessen die Kanadier auch niemanden vor den Olympischen Spielen zum Trainieren an ihren Berg. Robbie Dixon und Manuel Osborne-Paradis sind an den Hängen von Whistler gross geworden. Jetzt sollen sie ihren Heimvorteil voll ausspielen können.

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