Hypotheken-Barometer: Hoffnung auf Pandemie-Ende lässt Hypothekarzinsen steigen
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Hypotheken-BarometerHoffnung auf Pandemie-Ende lässt Hypothekarzinsen steigen

Langsam soll sich die Wirtschaft erholen, gleichzeitig macht sich die Angst vor einer Inflation breit. Das treibt die Zinsen in die Höhe. Doch wer eine Hypothek abschliessen will, ist momentan noch immer in einer guten Lage.

von
Janine Gloor
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Noch Anfang Jahr liess die zweite Corona-Welle den Hypozinsmarkt kalt. 

Noch Anfang Jahr liess die zweite Corona-Welle den Hypozinsmarkt kalt.

20 Minuten
 Doch jetzt, wo die aufkeimende Hoffnung auf ein baldiges Ende der Pandemie spürbar ist, reagieren die Hypothekarzinsen.

Doch jetzt, wo die aufkeimende Hoffnung auf ein baldiges Ende der Pandemie spürbar ist, reagieren die Hypothekarzinsen.

20min/Marco Zangger
 «Die Richtzinsen zehnjähriger Hypotheken haben im ersten Quartal 2021 den höchsten Stand seit einem Jahr erreicht», hält der am 6. April veröffentlichte Hypothekenbarometer von Comparis fest.

«Die Richtzinsen zehnjähriger Hypotheken haben im ersten Quartal 2021 den höchsten Stand seit einem Jahr erreicht», hält der am 6. April veröffentlichte Hypothekenbarometer von Comparis fest.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Die Hypothekarzinsen für zehnjährige Hypotheken sind so hoch wie seit einem Jahr nicht mehr.

  • Für die Banken ist es teurer geworden, Hypotheken bereitzustellen.

  • Sie werden aber nicht alle Mehrkosten auf die Kundinnen und Kunden überwälzen.

Corona hat der Wirtschaft stark zugesetzt. Doch die Erholung soll schon bald folgen: Bereits im Herbst dieses Jahres soll sich die Wirtschaft wieder auf dem Niveau von vor der Krise befinden. So lautet die Prognose der ETH-Konjunkturforschungsstelle (KOF).

Noch Anfang Jahr liess die zweite Corona-Welle den Hypozinsmarkt kalt. Doch jetzt, wo die aufkeimende Hoffnung auf ein baldiges Ende der Pandemie spürbar ist, reagieren die Hypothekarzinsen. «Die Richtzinsen zehnjähriger Hypotheken haben im ersten Quartal 2021 den höchsten Stand seit einem Jahr erreicht», hält der heute veröffentlichte Hypothekenbarometer von Comparis fest.

Anfang Jahr lagen die Richtzinsen für zehnjährige Hypotheken bei etwas über 1 Prozent. Am Ende des 1. Quartals liege der Welt nun bei 1,20 Prozent, wie Daten der zu Comparis-Gruppe gehörenden Hypothekarspezialistin Hypoplus zeigen.

Hypotheken sind für Banken teurer geworden

Grund für diesen Anstieg sind Entwicklungen am Kapitalmarkt. «Aufgrund der Aussicht auf bessere wirtschaftliche Zeiten kommen Inflationsängste auf und die Zinsen am Kapitalmarkt steigen», sagt Comparis-Finanzexperte Frédéric Papp zu 20 Minuten. Für die Hypothekarinstitute wie Banken, Versicherungen oder Pensionskassen ist es grundsätzlich teurer geworden, Hypotheken bereitzustellen.

Die Preise für Hypotheken sind aber nicht so stark gestiegen, wie sie könnten. Denn die Hypothekarinstitute werden nicht die gesamten Kosten an die Kunden weitergeben. Sie müssen sich nun tendenziell mit einer kleineren Marge zufriedengeben. «Im Hypothekargeschäft gibt es einen grossen Wettbewerb», sagt Papp. «Institute, die im Hypothekargeschäft stärker wachsen wollen, bieten erfahrungsgemäss bessere Konditionen an.»

Das Geschäft mit den Hypotheken ist für Banken sehr wichtig. «Bei Kantonal- und Regionalbanken macht das Hypothekargeschäft in der Regel einen Grossteil des Ertrags aus», sagt Papp.

Doch trotz steigender Zinsen seien die Kunden nach wie vor in einer guten Lage, sagt der Experte. «Wichtig ist jedoch, dass man nicht immer gleich zur Hausbank rennt, sondern verschiedene Offerte einholt.» Momentan sei es immer noch möglich, eine 10-jährige Hypothek für unter 1 Prozent abzuschliessen. Dabei soll man auch die eigene Lebensplanung in Betracht ziehen und sich stets fragen, ob man etwas Längerfristiges wolle oder sich die Situation schon in wenigen Jahren ändern könne.

Ob die Zinsen weiterhin steigen werden, kann Papp nicht mit Sicherheit sagen. «Ich glaube, dass wir das Rekordtief gesehen haben», sagt er. Mehrheitlich werde erwartet, dass die Wirtschaft Fahrt aufnehme. Dann ziehen auch die Preise weiter an, so die Prognose von Papp.

So sind die Zinsen gestiegen

In der Spitze kletterte der Richtzins im 1. Quartal 2021 auf 1,21 Prozent. Das ist der höchste Stand seit zwölf Monaten, wie Comparis mitteilt. Im Vorjahresquartal waren die Hypothekarzinsen maximal auf 1,19 Prozent angestiegen – angetrieben durch den Corona-Schock. Weniger deutlich haben die Richtzinsen fünf- und zweijähriger Hypotheken angezogen. Mit 0,92 und 0,86 Prozent liegen sie leicht unter den Werten des Vorjahresquartals.

Deine Meinung

183 Kommentare
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B. Anker

07.04.2021, 06:38

Wer es sich leisten kann, seine Hypo-Schulden abzuzahlen, wohnt danach gratis im Eigenheim und freut sich darüber, dass die höheren Steuern nicht höher ausfallen als die eingesparten Schuldzinsen an die Bank. Wer seine Schulden jedoch nicht tilgen kann, behauptet, dass es sich finanziell nicht lohne, die Eigenkapitalquote zu erhöhen.

Sandro101

07.04.2021, 05:47

Ich habe mein Haus selbst gebaut (CH-Facharbeiter mit 4 Ausbildungen) und es cash bezahlt (halt erst mit 50 das Haus gebaut). Ich finde immer noch dass das richtig war. Die Sache mit dem Eigenmietwert hat mich schon vor 30 Jahren gestört, aber der Mensch ist halt neidisch (vor allem die, die es zu nichts bringen), deshalb will er das.

black flag

06.04.2021, 08:46

Schaut was z.B. SwissRe prognostiziert und gut ist.