Aktualisiert 29.02.2012 22:54

Neue Studie

Hoffnung für Alzheimer-Patienten

Forscher sind auf der Suche nach einem Medikament, das ein bestimmtes Eiweiss im Gehirn hemmen soll. Denn die Wissenschaflter sind überzeugt, dass der Gedächtnisschwund rückgängig gemacht werden kann.

Wissenschaftler hoffen, dass ihnen bald ein wichtiger Schritt in der Bekämpfung der Folgen von Alzheimer gelingt.

Wissenschaftler hoffen, dass ihnen bald ein wichtiger Schritt in der Bekämpfung der Folgen von Alzheimer gelingt.

Alzheimerpatienten haben ihr Erinnerungsvermögen laut einer vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützten Studie nicht unwiderruflich verloren. Grundsätzlich könne der Gedächtnisschwund bei dieser häufigsten Form von Demenz rückgängig gemacht werden.

Im Gehirn von Alzheimerpatienten sammeln sich Eiweissablagerungen an, die den Hirnzellen schaden, wie der SNF am Mittwoch mitteilte. Die Folge ist ein schleichender Zerfall der Hirnfunktionen. Nach und nach schalten die angeschlagenen Hirnzellen Gene aus, die für das Lernen und für das Gedächtnis eine wichtige Rolle spielen.

Dieser Prozess beruht auf Mechanismen, die grundsätzlich rückgängig gemacht werden können. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die der vom SNF unterstützte Stipendiat Johannes Gräff gemeinsam mit seinen Kollegen am Massachusetts Insititute of Technology (MIT) in der neuesten Ausgabe des Fachmagazins «Nature» publiziert.

Unzugänglicher Erbgutknäuel

Die Forscher veränderten für ihr Experiment Mäuse mit gentechnischen Methoden so, dass diese ein mit der menschlichen Alzheimerkrankheit verwandtes Leiden entwickelten. Sie wiesen nach, dass in Hirnzellen der erkrankten Mäuse ein Eiweiss namens HDAC2 deutlich häufiger vorkommt als im Hirn gesunder Mäuse.

HDAC2 entfernt laut den Forschern ganz bestimmte Moleküle von wichtigen Eiweissen, den so genannten Histonen, um die das Erbgut im Zellkern gewickelt ist. Ohne diese Moleküle sind die Lern- und Gedächtnisgene kompakter um die Histone gewickelt und dadurch weniger zugänglich. Die Folge: Das Gedächtnis schwindet.

Um die HDAC2-Mengen im Hirn der «Alzheimer-Mäuse» zu reduzieren, bedienten sich Gräff und seine Kollegen gentechnischer Methoden. Das Resultat: Das Erinnerungsvermögen der Mäuse kehrte zurück. In einem Experiment erinnerten sie sich zum Beispiel besser an den Ort einer in einem trüben Wasserbecken versteckten Plattform.

Eindeutige Hirnbiopsien

Beim Menschen scheint HDAC2 eine ähnliche Rolle zu spielen. Die Wissenschaftler verglichen Hirnbiopsien von verstorbenen Alzheimerpatienten mit solchen von Toten, die nicht an Alzheimer gelitten hatten. Es zeigte sich, dass der HDAC2-Spiegel bei Alzheimerpatienten erhöht war.

Gräff und seine Kollegen sind nun auf der Suche nach Medikamenten und Wirkstoffen, die HDAC2 beim Menschen hemmen könnten. Doch der Forscher warnt vor zu grosser Euphorie: Auch wenn es gelinge, die Blockade im Hirn zu lösen, sei das nur eine Bekämpfung der Folgen von Alzheimer, nicht der Ursachen.

Gemäss Schätzungen leiden ungefähr ein bis zwei Prozent der Bevölkerung über 65 Jahren an der Alzheimerkrankheit. In der Schweiz sind dies etwa 110 000 Menschen. Gesundheitsexperten befürchten, dass sich die Zahl der Betroffenen in den kommenden Jahrzehnten verdoppelt.

(sda)

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